Unter dem Namen "telex.hu" ist am Freitag ein neues Nachrichtenportal in Ungarn gestartet. Hinter dem Portal stehen 70 ehemalige Mitarbeiter des großen Nachrichtenportals "index.hu". Sie hatten im Juli aus Protest gegen die Entlassung ihres Chefredakteurs Szabolcs Dull gekündigt. Dieser war für die redaktionelle Unabhängigkeit des Mediums und gegen politischen Druck eingetreten.

Kurz nach ihrer Kündigung initiierten die Journalisten die Gründung von "telex.hu". Mit einem Aufruf ersuchten sie um finanzielle Unterstützung, wobei in kurzer Zeit mehr als 34.000 Einzelspenden zusammenkamen, auch von dem tschechischen Medienunternehmen Economia. Finanzielle Hilfe würde jedoch nur von Personen angenommen, die akzeptieren, dass sie in keiner Form Mitspracherecht haben bei der Zusammensetzung der Redaktion und den Inhalten von "telex.hu", betonten die Gründer.

In einer Aussendung beschrieben die Initiatoren das neue Portal als "unabhängig, interessant, vielseitig, unterhaltsam und parteilos". Chefredakteurin wird Veronika Munk, frühere stellvertretende Chefredakteurin von "Index". Zunächst werden die Inhalte von "telex.hu" kostenlos zugänglich sein, erklärte der stellvertretende Chefredakteur und einer der Gründer von "Telex", Marton Karpati, laut "kreativ.hu". Derzeit wird auf eine Crowdfunding-Kampagne gesetzt, eine Bezahlschranke für einzelne Inhalte sei noch nicht erstellt worden.

Kritik an Ungarn

Mehr als 80 Mitarbeiter von "Index.hu" hatten nach der Übernahme des Portals durch regierungsnahe Kreise und der Entlassung ihres Chefredakteurs gekündigt. Obwohl die Redaktion von "Index" einer unabhängigen Stiftung gehört, ist sie finanziell von den Werbeeinnahmen des Medienunternehmens Indamedia abhängig. Hier hatte sich der regierungsnahe Geschäftsmann Miklos Vaszily eingekauft.

Während in Ungarn bei einer Sympathiekundgebung für "Index" und seinen Chefredakteur Tausende Menschen auf die Straße gegangen waren, kritisierten internationale Organisationen den Schlag gegen den unabhängigen Journalismus in Ungarn. Dull erhielt für seinen Einsatz für Medienfreiheit den deutschen Medienpreis M100. (apa)