Videokonferenzen ziehen Pannen und Peinlichkeiten geradezu an, meist kann man schmunzelnd darüber hinweggehen. Dieser Fall liegt anders: Jeffrey Toobin, einer der renommiertesten und erfolgreichsten US-Journalisten, masturbierte während eines beruflichen Zoom-Videochats und wurde vom Magazin  "New Yorker" umgehend suspendiert. 

Toobin gab den Vorfall bereits zu und entschuldigte sich: Er dachte, die Kamera sei aus.  "Ich habe einen peinlichen, dummen Fehler gemacht (...) Ich entschuldige mich bei meiner Frau, meiner Familie, meinen Freunden und Kollegen", zitiert ihn "Vice".

Bei der Konferenz ging es um die Vorbereitung für die Berichterstattung der US-Wahlnacht. Für die Simulation zogen sich die Gruppen, die die Republikaner und Demokraten darstellten, zu einer Strategiebesprechung in separate Räume zurück. Toobin soll unterdessen einen zweiten Videoanruf getätigt und dafür die Kamera auf sein Geschlechtsteil gerichtet haben. Nach etwa zehn Minuten kehrten die Mitarbeiter zur Video-Konferenz zurück und machten Toobin auf seinen Fehltritt aufmerksam, er verließ das Meeting und rief später zurück. Die Simulation wurde  offenbar fortgesetzt. 

Toobin lässt Tätigkeit bei CNN ruhen

Der "New Yorker" reagierte umgehend. "Jeffrey Toobin wurde suspendiert, während wir die Angelegenheit untersuchen", heißt es aus dem Magazin, sein E-Mail-Account wurde deaktiviert, seine Tätigkeit als Rechtsanalyst bei CNN lässt er auf eigenen Wunsch ruhen.

Toobin gehört zu den renommiertesten Beobachtern der US-Justiz, während des Iran-Kriegs war er im Justizministerium tätig, in den 1990er Jahren wechselte er in den Journalismus und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Sein Roman über den Fall O. J. Simpson "The People v. O. J. Simpson: American Crime Story" wurde 2016 als TV-Serie adaptiert und gewann neun Emmi-Awards.

Analysen wie "The Oath: The Obama White House and the Supreme Court" und  "American Heiress: The Kidnapping, Crimes and Trial of Patty Hearst" erwiesen sich als Bestseller. Sein jüngstes Werk, "True Crimes and Misdemeanors", ein Buch über US-Präsident Donald Trump und dessen Verwicklung in mehrere Verbrechen, erschien im August. Sein Verlag reagierte bisher noch nicht auf die aktuellen Geschehnisse.