Ein Schauspieler, ein Regisseur und Kameramann, der auch selbst mitspielt, sowie ein Tontechniker: So klein ist das Kernteam für das neue Satire-Format "Dave", das an den kommenden acht Dienstagen jeweils um circa 23.05 Uhr in ORF 1 ausgestrahlt wird. Die Mockumentary-Serie dreht sich um den fiktiven Sohn reicher Eltern, der auf der Suche nach "Money" und "Fame" beschließt, als Influencer durchzustarten.

Produziert wurde die Serie von Mutterschifffilm. Den tollpatischigen, aber irgendwie liebenswerten Möchtegern-Influencer Dave spielt David Scheid, gedreht hat die jeweils 25-minütigen Folgen Jan Frankl, der Dave als junger Filmemacher Jan Nikolaus auf seinem Weg zum erhofften Ruhm begleitet. Tonmann Emanoel Bruckmüller komplettiert das Trio, das Scheid im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" als "das wahrscheinlich kleinste Drehteam für eine TV-Serie, das der ORF je hatte", bezeichnet. Geschnitten wurde die Serie dann von Moritz Stieber. Im Interview sprechen Scheid und Frankl über die Entstehung von "Dave", Filmemachen in Zeiten von Corona und ihr Verhältnis zu Sozialen Medien und Influencern.

"Wiener Zeitung": Ist "Dave" reine Blödelei oder erhebt die Serie auch den Anspruch, eine Botschaft zu transportieren?

Jan Frankl: Es ist pure Unterhaltung. Ein Gefühl. Die eigentliche Botschaft werden wird dann hören und lesen, nachdem die Serie gelaufen ist (lacht). Wenn es eine Botschaft hat, dann von mir aus am ehesten noch: Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht. #scheißdichnichtan #dotherightthing #optimistischernihilismus

David Scheid: Wenn man sich "Der Herr Karl" ansieht, dann erhebt er selbst ja auch nicht unbedingt den Anspruch, eine Botschaft zu vermitteln oder die Welt zu verbessern. Die Zuseher dürfen selbst entscheiden, wie sie es betrachten möchten. Somit hat das Stück für mich sehr wohl eine Botschaft transportiert, und wenn es nur das Aufzeigen eines Archetyps ist. Dave ist einfach eine Person ihrer Zeit, die wir porträtiert haben.

"Ich war vom ersten Tag an schwer verliebt in den Charakter und in den David."

Regisseur Jan Frankl über die Figur und ihren Darsteller

Hat die Figur ein reales Vorbild?

Frankl: Was mich angeht, ist es eine Kombination aus zwei, drei Leuten. Aber die wissen das nicht und würden sich sicher auch nicht so geschmeichelt fühlen, wenn sie es wüssten.

Jan Frankl war mitunter erstaunt, was sich während des Drehs an Skurrilitäten von selbst entwickelt hat. - © www.mutterschifffilm.com / Armin Rauthner
Jan Frankl war mitunter erstaunt, was sich während des Drehs an Skurrilitäten von selbst entwickelt hat. - © www.mutterschifffilm.com / Armin Rauthner

Scheid: Ich glaube, es gibt ganz, ganz viele Daves da draußen. Und wenn man ein paar Leute kennt und weiß, wie die sind, dann kann man schon ein Bild zeichnen.

Frankl: Das hören wir auch sehr oft, dass Leute sagen: "Ich kenne genau so einen Typen."

Wie ist "Dave" überhaupt entstanden?

Scheid: Die ersten Ideen gab es 2016 im Rahmen der ORF-Sendung "Tagespresse aktuell", damals als kleiner Sidekick. Jan, der dabei Regie geführt hat, ist nach den ersten Drehtagen zu mir gekommen und hat gesagt: "Da machen wir was Eigenes draus!" Ich habe es ihm nicht geglaubt, aber es ist passiert.

Frankl: Ich wollte unbedingt eine Rubrik haben, die so ist wie "Between Two Ferns" mit Zach Galifianakis. Das sind gescriptete Interviews mit Stars, wo er aber nichts über seine Gäste weiß und total unverschämt ist. Das war auch die Grundidee bei "Dave": Er ist der Sohn von jemand Wichtigem beim ORF und bekommt genau deshalb ein Interview-Format. Er kann es zwar überhaupt nicht, aber ich bin dann immer vorher zu den Leuten gegangen und habe gesagt, ich mach das dann schon, ich schneide dann die guten eineinhalb Minuten raus, und sie werden nicht blöd dastehen. Somit hatten wir dann immer fast eine Stunde Interviewzeit mit den "Opfern". Und David war echt geil, er hat komplett drauf geschissen und war rotzfrech. Es war sehr lustig, und das ist glaube ich damals schon am besten angekommen in der "Tagespresse"-Sendung, diese Drei-Minuten-Rubrik. Ich war vom ersten Tag an schwer verliebt in den Charakter und in den David und habe damals schon begonnen, eine Story zu schreiben. Und es war für uns ein Glücksfall, dass 2018 dem ORF ein Format abgesprungen ist und für "Pop.up Die.Nacht" ganz dringend ein Ersatz gesucht wurde.

Die ersten zwei Folgen von "Dave" waren ja schon einmal vor zwei Jahren in der Pop-up-Nacht im ORF zu sehen. Wie war die Resonanz damals?

Frankl: Die war extrem gut. Jetzt wird "Dave" vom ORF als neues Format richtig gepusht. Die Einschaltquoten waren schon beim ersten Mal gut, aber vor allem war das Feedback echt toll, und zwar aus allen Altersgruppen. Das hatten wir nicht erwartet, weil es halt doch sehr speziell ist. "Dave" hat auch auf Instagram inzwischen richtig viele Hardcore-Fans, die auch viele seiner Sprüche kennen.

Gibt es in den weiteren Folgen auch noch Promi-Interviews?

Scheid: Nein. Im Plot wurde Dave vom ORF rausgehaut und versucht jetzt anderweitig Fuß zu fassen und seine Fifteen minutes of fame auszuweiten. Er will auf Biegen und Brechen reich und berühmt werden.

Frankl: Deshalb will er Influencer werden. Und wir schauen ihm dabei zu.

"Es gibt glaube ich ganz, ganz viele Daves da draußen."

Darsteller David Scheid

Influencer und Soziale Medien werden also ordentlich durch den Kakao gezogen.

Scheid: Influencer zu sein ist ja inzwischen der große Berufswunsch von vielen jungen Leuten. Um ein authentisches Bild einer Person unserer Zeit zu zeichnen, haben wir uns entschieden, dass Dave Influencer werden will, ohne dabei alle Influencer als Vollkoffer darstellen zu wollen.

Frankl: Ich persönlich halte es gar nicht mehr aus. Mein jüngeres Ich hätte und hat es geliebt, aber mittlerweile bin ich viel zu verkopft, um es genießen zu können. Daves tatsächliches Instagram-Profil @influencer_dave ist beispielsweise sehr unterhaltsam und in der Hinsicht ein echter Mehrwert für seine Follower. Das macht in meinen Augen Sinn. Aber generell ist das ein riesiges, kompliziertes Thema, für das ich auch sehr viel Verständnis habe.

Wie dreht man in Zeiten von Corona?

Scheid: Ich glaube, wir waren das kleinste Produktionsteam, das der ORF je für so ein Format hatte. Wir wollten einfach beweisen, dass man mit wenig viel machen kann. Um diesen Look der Mockumentary authentisch zu halten, war auch nicht viel mehr nötig als Jan, der als Regisseur auch selbst Kameramann war, ein Tonmann und ich sowie etwaige andere Schauspieler, die ab und zu auftauchen. Von der Requisite bis zur eh nicht notwendigen Maske haben wir alles selbst gemacht. Fürs Kostüm sind wir zur Humana einkaufen gegangen. Wir haben mit minimalem Aufwand einen maximalen Output geschafft.

Frankl: Es gibt in der Story auch einen Roadtrip quer durch Österreich, das war dann schon schwieriger, vor allem für Julia Sobieszek als Produktionsleiterin und Lena Zechner als Aufnahmeleiterin. Das war schon echt eine sehr anstrengende Zeit, weil wir im Budgetrahmen bleiben mussten und unser Team eben so klein war. Das hat dann schon an den Kräften gezehrt, weil wir auch die ganze Zeit im kleinen Auto unterwegs waren und im August drei Wochen lang jeden Tag von sieben Uhr früh bis Mitternacht gedreht haben.

Scheid: Das war am Limit. Aber ein kleines Team erleichtert das Drehen wiederum extrem in Bezug auf Corona-Schutzmaßnahmen.

Frankl: Wobei es in "Dave" kein Corona gibt. Wir haben halt zufällig durch ein Sicherheitsglas gedreht oder mit Abstand und meistens im Freien. Oder wir haben vorher Corona-Tests gemacht.

"Ich glaube, wir waren das kleinste Produktionsteam, das der ORF je für so ein Format hatte."

David Scheid über die Dreharbeiten teilweise zu dritt

Das Ganze klingt sehr nach Impro.

Scheid: Ja, es ist ganz, ganz viel Improvisation.

Frankl: Und dann gibt es aber auch Textstellen, die absolut improvisiert klingen, aber genau so im Drehbuch gestanden sind, was man sich nie vorstellen könnte. Durch das kleine Team sind wir sehr flexibel und können es so lange machen, bis es geil ist. Das Gescriptete ist extrem wichtig für gute Witze, coole Sprüche, um die Handlung weiterzubringen. Aber das wirklich Dave-mäßige kommt dann erst am Set, wenn wir Spaß haben, nicht groß nachdenken und David wieder einmal irgendwas echt Irres einfällt. Oder mir. Oder dem Tonmann Emanoel Bruckmüller – das ist dann meistens dringeblieben. Wir gehen da wirklich durch wie zwei Volltrotteln und schauen, was rauskommt. Das Witzige beim Dreh war auch, dass die Kunstfigur Dave reale Personen trifft, die zunächst oft geglaubt haben, dass er echt ist. Und unser Team schaut nicht aus wie ein Fernsehteam. Ich filme mit einer alten Home-Kamera, und wenn der Tonmann nicht seine Mikro-Angel auspackt, dann sind wir einfach nur zwei lustige Typen, die irgendwas drehen. Wenn wir dann aufgelöst haben, dass wir etwas für den ORF drehen, haben sie es uns mitunter nicht geglaubt.

Scheid: Manchmal hat auch jemand Fremder gesehen, dass wir drehen, und sich einfach ungefragt eingebaut. Das ist dann teilweise auch dringeblieben. Es ist da sehr viel entstanden, worüber wir nachher gestaunt haben.

"Es ist echt toll, dass der ORF das macht."

Jan Frankl über das ungewöhnliche Format

"Dave" besteht derzeit aus den zwei Pilot- und sechs weiteren Folgen. War es das damit?

Frankl: Wer weiß? Es ist nicht alles abgeschlossen, es könnte noch länger genauso geil weitergehen.

Warum sollte man "Dave" anschauen?

Scheid: Weil es sowas noch nie im ORF gegeben hat. Ohne überheblich zu sein. Es ist einfach ein Format, das noch nicht bedient wurde.

Frankl: Weil’s saugeil ist. Es ist echt toll, dass der ORF das macht. Ich glaube, es ist eine schwierige Zeit für das klassische Fernsehen, vor allem was junge Zuseher betrifft. Und sowas wie "Dave" gibt es nur hier, das ist so typisch Wienerisch. Ich kenne viele Jugendliche, die sonst nie ORF schauen würden. Aber wenn die dem Link in die TVthek folgen, landen sie vielleicht wieder beim ORF.