Der US-Wahlkampf biegt in die Zielgerade und das heißt für die sozialen Netzwerke noch einmal einen Höhepunkt an Falschmeldungen, Propaganda und Fake-News. Doch auch außerhalb der USA haben Falschmeldungen - nicht nur, aber auch wegen der Corona-Pandemie - Hochsaison. Wie das Zentrum für Social Media Kompetenz in einer Online-Umfrage unter 500 aktiven Social Media-Usern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erfragt hat, sind mehr als die Hälfte der Befragten bereits auf Falschmeldungen hereingefallen.

"In den letzten Jahren haben sich vermehrt sogenannte ‚Alternativmedien' als vermeintlicher Ersatz für qualifizierten Journalismus etabliert, was gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung hat", so Dietmar Pichler, langjähriger Social Media-Experte aus dem Zentrum für Social Media Kompetenz. - © Foto: Redgirl Lee/ United Nations
"In den letzten Jahren haben sich vermehrt sogenannte ‚Alternativmedien' als vermeintlicher Ersatz für qualifizierten Journalismus etabliert, was gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung hat", so Dietmar Pichler, langjähriger Social Media-Experte aus dem Zentrum für Social Media Kompetenz. - © Foto: Redgirl Lee/ United Nations

60 Prozent der Befragten gaben an, bereits Inhalte für wahrheitsgemäß gehalten zu haben, welche sich in weiterer Folge als Falschmeldung bzw. aus fragwürdiger Quelle stammend herausgestellt haben. Ebenso über 60 Prozent der TeilnehmerInnen haben beobachtet, wie Personen durch ihr Verhalten in den Sozialen Netzwerken die persönliche Reputation schädigen. Gleichzeitig halten fast alle Befragten den versierten und sicheren Umgang mit Sozialen Medien für "sehr wichtig" (69 Prozent) bzw. "wichtig" (29 Prozent). Rund ein Drittel der TeilnehmerInnen sind schon selbst mit Hasspostings konfrontiert worden.


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Zentrum für Social Media Kompetenz

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Die Alternativmedien

"In den letzten Jahren haben sich vermehrt sogenannte ‚Alternativmedien' als vermeintlicher Ersatz für qualifizierten Journalismus etabliert, was gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung hat", so Dietmar Pichler, langjähriger Social Media-Experte aus dem Zentrum für Social Media Kompetenz.

Das Zentrum für Social Media Kompetenz hat es sich zur Aufgabe gemacht, Medienkompetenz im Zusammenhang mit Sozialen Netzwerken auf ganzheitlicher Ebene zu entwickeln. Zielgruppen sind sowohl Organisationen wie auch Unternehmen und Einzelpersonen. Der Umgang mit digitalen Medien ist eine der wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart, um Reputation, demokratische Stabilität und eine evidenzbasierte Gesellschaft zu bewahren und erfolgreich weiterzuentwickeln.

"ThatsFact" checkt für WhatsApp

Der Münchner Messenger-Service- und Chatbot-Spezialist MessengerPeople launcht "ThatsFact" - eine Software, die speziell für das Fact Checking auf der Messenger-Plattform WhatsApp entwickelt wurde. "ThatsFact" entstand im Rahmen einer WhatsApp-Initiative, um Fehlinformationen auf der Ende-zu-Ende verschlüsselten Messenger-Plattform zu reduzieren.

Das Tool ermöglicht verifizierten Mitgliedern des International Fact-Checking Networks (IFCN), NGO's und Medienunternehmen, per WhatsApp zu klären, ob Informationen faktisch wahr oder falsch sind. Über 15.000 Anfragen wurden bereits seit Juni 2020 über "ThatsFact" auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.

"Noch nie war es so wichtig wie in den letzten Monaten, Bürgern den Zugang zu genauen, offiziellen Informationsquellen zu erleichtern. Die MessengerPeople Software 'ThatsFact' bietet eine einfache Möglichkeit, WhatsApp-Nachrichten an verifizierte Faktenprüfer zur Überprüfung zu senden und dadurch Falschinformationen zu identifizieren. Solche Fact-Checking-Lösungen zur Überprüfung von Fakten sind eine der wichtigsten Möglichkeiten, um die globale Herausforderung der Fehlinformation zu bewältigen ", sagt Louis Moynihan, Product Business Development bei WhatsApp.

Gegen Falschinformationen und Fake News

Zu den ersten Nutzern der Software zählen verschiedene internationale offiziell geprüfte Mitglieder IFCN, darunter etwa Fact Crecendo, Newschecker (Indien), Newtral (Spanien) sowie eine Fact-Checking-Organisation aus Großbritannien. "Da WhatsApp für die meisten Nutzer der erste Kontaktpunkt ist, werden verdächtige Inhalte schneller gemeldet. Das hilft uns, Fehlinformationen einzudämmen, bevor sie sich auch auf anderen Plattformen verbreiten," sagt Rahul Namboori, Co-Founder von Fact Crescendo.

Die Softwarelösung "ThatsFact" wurde von MessengerPeople speziell für professionelles Fact-Checking entwickelt. Sie ermöglicht es Teams, Anfragen über WhatsApp zum Wahrheitsgehalt professionell, skalierbar und datenschutzkonform zu bearbeiten. Alle Anfragen laufen geschützt über die offizielle WhatsApp Business API.

"Mehr als 65 Milliarden Nachrichten werden täglich via WhatsApp verschickt - darunter leider auch immer wieder Fehl- oder Falschinformationen. 'ThatsFact' kann neben Fact Checking-Organisationen auch Medienhäuser unterstützen. Verlage- und Nachrichtenunternehmen leben vom Vertrauen ihrer Nutzer und ihrer Wahrnehmung als seriöse Quelle. Mit 'ThatsFact' können sie ihren Lesern einen professionellen Fact-Checking-Service anbieten," sagt MessengerPeople-Gründer Franz Buchenberger.

Mit Fakten gegen Fake News: neue Jugendinfo-Kampagne zur Klimakrise

Fakten, Fake und die Klimakrise - unter diesem Titel kann man eine neue Initiative  der Östrreichischen Jugndinfos subsummieren. "Die Bewältigung der Klimakrise ist eine der dringlichsten Aufgaben unserer Zeit, wird aber oft geleugnet oder heruntergespielt", so Petra Schön, Geschäftsführerin des Klimabündnis Österreich. "Der kompetente Umgang mit Medien und Informationen ist zugleich in Zeiten von Informationsüberfluss und Fake News wichtiger denn je", ergänzt Aleksandar Prvulović, Geschäftsführer der Österreichischen Jugendinfos. Die Österreichischen Jugendinfos starteten deshalb in Kooperation mit dem Klimabündnis Österreich letzte Woche die Kampagne "Mit Fakten gegen Fake News: Klimawandel".

Mit Fakten und Skills gegen Behauptungen von Klimawandel-LeugnerInnen

Umweltverschmutzung und Klimawandel bereiten österreichischen Jugendlichen laut einer vom Institut für Jugendkulturforschung im Sommer 2020 durchgeführten Umfrage die größten Zukunftssorgen. 85 Prozent bangen laut der Online-Befragung um den Planeten. "Eine Diskussion zum Klimawandel zu führen kann jedoch schwierig sein, insbesondere wenn Fake News verwendet werden, um die Klimakrise zu leugnen" so Alena Brunner, Kommunikationsexpertin bei den Österreichischen Jugendinfos. Die Kampagnenpublikation "Fakten und Tipps für Gespräche über die Klimakrise!" erklärt jungen Menschen anhand von gängigen Behauptungen von Klimawandel-LeugnerInnen wie Fake News mit Fakten entkräftet werden können. "Des Weiteren enthält die Broschüre Hinweise, wie man Fake News erkennt, sowie Tipps zur Gesprächsführung mit Klimakrise-LeugnerInnen", führt Brunner weiter aus.

Info-Postkarten zu den Themen Fake News, Klimawandel und Corona sowie das Infoplakat "Fake News Dictionary" runden das Kampagnenmaterial ab. Das gesamte Material ist bei allen Jugendinformationsstellen in Österreich kostenlos erhältlich und kann auf der Kampagnenwebsite auf dem Österreichischen Jugendportal ([www.jugendportal.at] (http://www.jugendportal.at/)) gratis heruntergeladen werden.

Jugendgerechtes Lehrmaterial auch für Distance Learning geeignet

"Lehrkräfte sind mit die wichtigsten MultiplikatorInnen, um die Medienkompetenz von Jugendlichen zu fördern und sie über die gängigsten Fake News aber auch über die Fakten zum Klimawandel zu informieren", erklären Prvulović und Schön. Um Lehrpersonen dabei bestmöglich zu unterstützen, wurde auch ein jugendgerechtes und Distance-Learning-kompatibles Lehrmaterial zur Kampagne erstellt. "Bereits rund 200 LehrerInnen haben unser Materialpaket für die pädagogische Arbeit mit mehr als 300 Schulklassen bestellt", berichtet Prvulović und ergänzt: "Noch mehr freuen wir uns über das positive Feedback bezüglich der inhaltlichen Qualität und der Praxistauglichkeit der Lerninhalte und Methoden." Das Lehrmaterial kann kostenlos bei den Österreichischen Jugendinfos unter [info@jugendinfo.at] (mailto:info@jugendinfo.at) bestellt werden.