Es war wohl der härteste Wendepunkt in der Emmy-gekrönten Serie bisher: Am Ende der zweiten Staffel von "The Handmaid’s Tale - Der Report der Magd" steht die Protagonistin June (großartig zornig: Elisabeth Moss) vor der Entscheidung, sich über die Grenze nach Kanada schmuggeln zu lassen. Doch der Wagen fährt ohne sie. Denn June will nicht den einfachen Weg gehen, sie beschließt zu bleiben und zu kämpfen.

"Mama hat Arbeit", sagt sie daher zu Beginn der dritten Staffel kämpferisch zu ihrem Kind. Es gilt, nach dem Attentat ihrer Mitstreiterin einen schlagkräftigen Widerstand der unterdrückten Frauen zu organisieren. Nicht nur der Mägde, die dazu missbraucht werden, in einem bizarren Vergewaltigungsritual die Kinder der Mächtigen zu empfangen und auszutragen. Nun reicht es auch den Ehefrauen der Vergewaltiger. Sie fordern immer weniger subtil ihre Rechte ein.

"The Handmaid’s Tale" basiert auf einem Roman von Margaret Atwood. Nach der ersten Staffel im Jahr 2017 wurde die Serie in mehreren Kategorien mit dem Emmy Award (Beste Dramaserie sowie Elisabeth Moss und Ann Dowd als beste Darstellerinnen) sowie zwei Golden Globe Awards (Beste Dramaserie und Moss) ausgezeichnet. Damit ist "The Handmaid’s Tale" die erste Serie eines Video-on-Demand-Services, die den wichtigsten US-Fernsehpreis als beste Dramaserie gewann.

Die dritte Staffel startete bereits im Juni 2019 auf der US-Bezahlplattform Hulu. Die 13 Folgen waren bislang auf Amazon Prime gegen Extra-Zahlung zu sehen. Seit wenigen Tagen ist sie auch für alle Abonnenten zu sehen. Die vierte Staffel wird voraussichtlich 2021 erscheinen, da sich die Dreharbeiten aufgrund der Covid-Pandemie verzögert haben.

"The Handmaid’s Tale" ist eine beinharte grimmige Dystopie, die in der Tat erschaudern lässt. Die USA haben sich gespalten in einen christlich- fundamentalistischen Gottesstaat namens "Gilead" und einen liberalen Rest. Grund ist auch eine mysteriöse Krankheit, die den meisten Frauen ihre Fruchtbarkeit genommen hat. Nur noch wenige Frauen können Kinder bekommen, "Gilead" stellt diese Frauen unter Zwang seinen Mächtigen sozusagen als "Gebärmaschine" zur Verfügung. Während die Ehefrauen das zu akzeptieren haben.

Die Bibel als Gesetzbuch

Wer das System kritisiert, wird an der nächsten Laterne aufgehängt. Offiziell gibt es ohnehin keinen Dissens und auch keinen Widerstand. Als Gesetzbuch des Gottesstaates dient immerhin nichts weniger als die Bibel. Wer gegen das Wort Gottes verstößt, wird aufgehängt oder im besten Fall verstümmelt. Wer es nach Kanada über die Grenze schafft, lebt dort als Flüchtling. Aus dem Land geschmuggelte Botschaften geben Zeugnis von der Brutalität des bigotten Regimes im Namen des Vaters.

Der vielfach ausgezeichnete kanadischen Autorin Margaret Atwood (Jahrgang 1939) ist es gelungen, schon in den Achtzigerjahren mit der Literaturvorlage für die Serie viele verstörende Entwicklungen in den USA vorwegzunehmen und zu Ende zu denken. Aus einem kanadischen Blickwinkel heraus nimmt man die oft gar nicht so subtilen Entwicklungen möglicherweise sensibler war als in der Innensicht. Natürlich ist Gilead eine Fiktion. Fiktion - aber auch Mahnung.