Wer die Berichterstattung der heimischen TV-Sender über den Terroranschlag am Montag verfolgt hat, kann die Unterschiede aus eigener Anschauung benennen. Während der ORF pflichtgemäß kein Bildmaterial von den Sozialen Medien verwendete, liefen die entsprechenden Videos auf dem Fellner-Privatsender "oe24"-TV rauf und runter. Die Videos, die Passanten auf die Sozialen Medien hochluden, hatten es in sich: Hier waren Schüsse mit Todesfolge zu sehen, Blut der Opfer des Terrors. Dass diese Videos kursierten, ist vor allem aus einem Grund problematisch: Die Polizei bat ausdrücklich darum, keine Videos zu posten, um die Fahndung nicht zu behindern. Die Videos hätten zudem dem oder den Attentätern einen Vorteil verschaffen können.

Gründe, sich über diese Bitte hinwegzusetzen, gibt es keine. Zumal das Motiv durchaus schnöde ist: Die Klickzahlen können bekanntlich monetarisiert werden. Mit dem Blut der Opfer auch noch Kleingeld zu verdienen, kann man schon als indiskutabel bezeichnen. Zumal man damit gleichzeitig Leib und Leben weiterer Personen riskiert. Dass der Sender so agiert hat, ist freilich wenig überraschend, ist doch genau das das Geschäftsmodell. Man sieht sich bei oe24 als News-Aggregator, der Inhalte weiterverbreitet - in der Hoffnung, damit durchzukommen. Das ist weder neu noch ungewöhnlich - es ist der Modus operandi.

Konsequenzen gefordert

Doch nun könnte man es tatsächlich zu weit getrieben haben. Nach der Veröffentlichung auf "oe24.tv" und auch "krone.at" werden immer mehr Forderungen nach finanziellen Konsequenzen für die Medien laut. Eine entsprechende Petition hatte zuletzt knapp 70.000 Unterstützungsunterschriften, Die Mediensprecher von SPÖ, Grünen und Neos sprechen sich für eine Reform der Medienförderung nach Qualitätskriterien aus.

Einzelne Fälle der Berichterstattung werden außerdem von der Medienbehörde KommAustria geprüft. Diese ist die Aufsichtsbehörde über das private Fernsehen.

Dazu gesellt sich kommerzieller Druck: Mehrere Unternehmen haben angekündigt, Inserate auf "oe24.at" und teilweise auch auf "krone.at" stoppen zu lassen. Auch die Stadt Wien hat bereits einen Inseratenstopp erwogen. Das ist bitter - ist die Stadt doch einer der größten Werbekunden der Boulevardmedien. Die Stadt verwendet ihr Werbebudget nämlich nicht nur nach rein werblichen Gesichtspunkten, sondern auch als eine Art stille Medienförderung. Vor allem die Kommunikationsbudgets der stadtnahen Betriebe werden eher förderartig und weniger zur Deckung eines Kommunikationsbedarfs vergeben.

Das ist problematisch, war aber schon immer so. Im Gegenzug kann sich die Stadtspitze unter normalen Bedingungen eines gewissen Wohlwollens in der Berichterstattung erfreuen. Daran haben auch Bemühungen um Transparenz in der Vergabe nichts geändert. Wien hat aber angekündigt, auf die Anmerkungen des Presserats warten zu wollen. Doch das wird Wochen bis Monate dauern, was wohl mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer soliden Schubladisierung des Themas führen wird. Mittlerweile sind auch schon mehr als 1.500 Beschwerden beim Selbstkontrollorgan der heimischen Presse eingegangen. Zumal der Presserat für Fernsehen eigentlich auch gar nicht zuständig ist, für Videos auf der Onlineseite jedoch sehr wohl.

Behörde prüft

Mehr herauskommen könnte bei einer amtswegigen Prüfung durch die Medienbehörde. Diese hat die Behörde am Mittwoch angekündigt. Für die Prüfung hat die KommAustria sechs Monate Zeit.

Die Grünen-Mediensprecherin Eva Blimlinger sieht in mehreren Punkten Handlungsbedarf: Auch sie pocht auf Qualitätskriterien im Gesetzesmaterial zur Medienförderung. Die Grünen wollen diese hineinverhandeln.