Zugegebenermaßen stellt man sich von Anfang an die Frage: Wann und woran ist denn jetzt nur der Vater gestorben? Die Antwort darauf erhält man erst sehr viel später, nämlich in der 14. Folge der zweiten Staffel. Bis dahin irritiert diese Ungewissheit, macht aber neugierig auf immer weitere Folgen und berührt gleichzeitig. Längst ist man dermaßen in die unterschiedlichen Schicksale hineingekippt, dass es sowieso kein Entkommen aus dieser TV-Welt mehr gibt: Es ist die Geschichte der Familie Pearson, die der Zuseher in der US-amerikanischen TV-Serie "This Is Us" scheinbar Jahrzehnte lang begleitet. Gerade startete auf Amazon Prime die fünfte Staffel. Wöchentlich gibt es eine neue Folge - zu kaufen.

Doch worin liegt der Erfolg dieser NBC-Serie, deren vergangenes Staffelfinale in den USA immerhin elf Millionen Zuseher verfolgt haben und die doch hierzulande eher unbeachtet bleibt? Dan Fogelman, Drehbuchautor und Showrunner von "This Is Us", meinte dazu: "Weil die Menschen Dinge fühlen und sich gut fühlen wollen. Die Welt ist so negativ geworden, aber wenn es gut gemacht wird, kann sentimentale Kunst zur lohnendsten gehören". Und damit hat er vermutlich recht, denn sentimental ist diese Serie, die zum größten Teil von Liebe und Familie handelt - genauer gesagt von Rebecca (Mandy Moore) und Jack (Milo Ventimiglia).

Ein glückliches Paar

Jack und Rebecca sind ein US-amerikanisches und unheimlich glückliches Paar: Sie erwarten 1980 in Pittsburgh Drillinge, und genau an Jacks Geburtstag kommen sie zur Welt. Aber bei der Geburt stirbt einer der drei. Am gleichen Tag wurde auch ein schwarzes Neugeborenes auf der Baby-Station des Krankenhauses abgegeben, das Jack und Rebecca adoptieren. Schnitt. Es ist 2016. Kevin, Kate und Randall feiern zwischen Los Angeles und New York City ihren 36. Geburtstag, ihr Vater Jack feiert seinen Geburtstag nicht mit, er ist bereits verstorben . . .

Hasch-Brownies

Fogelman bringt die Zeitlinie der Geschehnisse immer wieder durcheinander und wechselt zwischen den frühen Tagen der Ehe von Jack und Rebecca und dem heutigen Leben ihrer erwachsenen drei Kinder. Gelegentlich werden Informationen über mehrere Folgen hinweg zurückgehalten, um den Spannungsbogen zu wölben. Es wird tief in die Kiste der tränentreibenden filmischen Tricks gegriffen - aber immer mit dem Hintergedanken, die Liebe werde schon siegen. Was kitschig klingt, ist es manchmal auch, doch der durchaus beachtenswerte Cast - neben Moore und Ventimiglia auch Chrissy Metz, Justin Hartley oder Sterling K. Brown - lässt "This Is Us" dennoch nie ins Lächerliche abgleiten.

Es ist eine Serie, in der lebensverändernde, tragische Vorkommnisse geschehen (Eltern sterben, lange abwesende Väter kehren zurück), aber oft die kleinen familiären Szenen um vieles mehr berühren: Etwa wenn Randalls leiblicher Vater William sich mithilfe von Hasch-Brownies mit Randalls Frau Beth verbündet oder Kevin nach vielen emotionalen Kämpfen seinem Stiefvater Miguel schließlich erlaubt, den Thanksgiving-Hut der Familie zu tragen. Statt Glamour gibt es bodenständige Alltagsprobleme - manchmal chaotisch, oft auch komisch, immer aber äußerst turbulent und auch politisch aktuell: Die fünfte Staffel thematisiert Black-Lives-Matter-Proteste und Corona. Die sechste Staffel wird dann die Familiensaga beenden.