In vielen Ländern gehen die finanziellen Mittel für investigativen Journalismus zunehmend aus. Beschleunigt wird dieser Trend durch die Coronakrise. Das ist ein Ergebnis des globalen Forschungsprojekts "Media for Democracy Monitor 2020" (MDM), wie es in einer Aussendung am Mittwoch hieß. Für Österreich habe die Untersuchung ergeben, dass heuer mehr Journalistinnen und Journalisten investigativ arbeiten als vor zehn Jahren.

Medienhäuser würden ihre Redaktionen verkleinern, ganze Investigativteams Sparmaßnahmen zum Opfer fallen, heißt es in der Aussendung des MDM. So würden in Chile investigative Recherchen nur noch von freien Journalistinnen und Journalisten zugekauft oder bei spezialisierten Redaktionsbüros in Auftrag gegeben. Auch in Australien haben die führenden Nachrichtenmedien laut den Forschern - abgesehen von den Fernsehveranstaltern - ihre Budgets für investigative Aufgaben zusammengestrichen.

Trotz Wirtschaftskrise nicht auf investigativen Journalismus verzichtet wird laut der Studie in Skandinavien und Großbritannien. In Schweden reservierten die national verbreiteten Nachrichtenmedien zehn Prozent ihres Budgets für diesen Zweck. Auch in Dänemark genieße investigativer Journalismus weiterhin Priorität.

 

Österreich "vorangekommen"

"Ein Stück vorangekommen" seien Österreichs Nachrichtenmedien, wurde Projektleiter Josef Trappel von der Universität Salzburg in der Aussendung zitiert. Im Vergleich zu 2009 seien 2019 mehr finanzielle Ressourcen in den investigativen Journalismus geflossen. "Die Sensibilität in Österreich ist gestiegen. Auch der Stellenwert von investigativer Arbeit. Heute sind. Zusammenschlüsse zu diesem Zweck zwischen Medien möglich, die vor zehn Jahren noch undenkbar waren", so Trappel.

Allerdings setze die Krise auch die österreichischen Medien unter Druck. Sie behelfen sich laut Trappel mit Ad-hoc Teams, bündeln Ressourcen gemeinsam mit anderen Medien oder decken die Kosten aus dem laufenden Budget.

Die Untersuchung wurde unter dem Dach der Euromedia Research Group im ersten Halbjahr 2020 in 18 Ländern weltweit durchgeführt. Für Österreich nimmt die Universität Salzburg an dem Forschungsverbund teil. Die gesamte Studie soll im Frühjahr 2021 öffentlich präsentiert werden. Erste Ergebnisse zur Coronakrise wurden bereits im September veröffentlicht. (apa)