Große Trauer herrscht über den Tod von Karl Dall. Der beliebte Fernseh-Komiker und -Entertainer ist am Montagabend an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben, den er zwölf Tage zuvor während Dreharbeiten zur ARD-Serie "Rote Rosen" erlitten hatte. Dall hätte den abgehalfterten Rocker Richie Sky spielen sollen.

Schlappauge aufgrund einer angeborenen Lidmuskelschwäche, Bart, Haarkranz, der Gesichtsausdruck zwischen verdutzt und unbedarft: Karl Dall war das markanteste Gesicht der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung. Und die Produzenten von Shows und TV-Spaß wussten, was sie an ihm hatten. Um den am 1. Februar 1941 in Emden geborenen Ostfriesen, der 1967 mit der von ihm gegründeten Gruppe Insterburg & Co erste Comedy-Erfahrungen gesammelt hatte, kam man im Lauf der Jahre immer weniger herum: "Humor ist, wenn man trotzdem singt", "Berlin-Geflüster", "Wir sind verlauste Affen" und "Insterburg & Co." waren Anfang der 1970er Jahre die Anfänge. 1976 lud Rudi Carrell erstmals Karl Dall zu "Am laufenden Band" ein. Als chaotischer Assistent sorgte Dall dann in der Schadenfreude-Comedy "Verstehen Sie Spass" 30 Folgen lang für Lacher.

- © dpa/Z5597 Robert Schlesinger
© dpa/Z5597 Robert Schlesinger

Handfester Spaß

Wenn es um handfesten Spaß ging, wenn man unkomplizierten Humor brauchte, war Karl Dall der Fixpunkt: "Wetten, dass...", "Genial daneben", "Jux und Dallerei", "Die Karl Dall-Show", "Karls Kneipe", "Koffer Hoffer", "TV total". Dall war dann auch Stammgast in Koch-Shows wie "Alfredissimo", "Teufels Küche", "Lafer! Lichter! Lecker!" und "Das perfekte Promi-Dinner". Dann waren da Fernsehserien wie "Hausmeister Krause", "Großstadtrevier", "Notruf Hafenkante": Dall spielte oft nur in einer oder einigen wenigen Folgen mit, aber solche Auftritte gehörten zum roten Faden, als der sich Karl Dall durch die deutschsprachige Fernsehunterhaltung zog. Der ORF engagierte Karl Dall für Helmut Zenkers Kult-Comedy "Tohuwabohu". Dazu kamen Rollen in Blödelfilmen: Dall war die Idealbesetzung für Loser und schräge Typen, die immer fehl am Platz sind. Ein Titel wie "Gib Gas - Ich will Spaß" mag symptomatisch sein für die Filme, in denen Dall spielte.

Karl Dall war nämlich wahrlich kein Vertreter eines subtilen Humors. Er wusste es. "Ich war mein Leben lang ein Kneipenclown", sagte er und seine Selbsteinschätzung war: "Ich bin der Mutterersatz für Leute, die als Baby verkehrt gewickelt wurden."

Dalls Erfolg beruhte zum Teil darauf, dass er Ostfriese war. Wie auch der Komiker Otto Waalkes kokettierte Dall mit den Ostfriesen-Klischees: "Ich bin Ostfriese, und insofern bin ich eigentlich auch Burgenländer", sagte er in der ORF-Sendung "Seitenblicke".

Mit hängenden Augenlid arrangierte sich Dall: "Man nannte mich Jalousien-Auge oder Matsch-Auge", berichtete er über seine Schulzeit. Doch die korrigierende Operation lehnte er ab. Die Hänseleien hätten ihn selbstbewusster gemacht, sagte Dall. Irgendwann habe er sich gesagt: "So sehe ich nun mal aus." Er ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ausgerechnet das hängende Augenlid zu seinem Markenzeichen werden würde. "Auge zu und durch" betitelte er seine Autobiografie.

Quotenträchtiger Ulk

Dall, der sich mit Schlagern wie "Diese Scheibe ist ein Hit" und "Millionen Frauen lieben mich" in den Charts platziert hatte, kalauerte jetzt auf Teufel komm ’raus. "Blödelbarde" und "Kalauer-König" waren die Bezeichnungen für ihn in deutschen TV-Zeitschriften. Es war anerkennend gemeint. Denn schüttelten Kritiker anfangs, mehr oder minder entsetzt über diesen Brachialhumor, den Kopf, suchte schließlich jeder, der im deutschsprachigen Showgeschäft Rang und Namen hat, eine Möglichkeit, sich von Karl Dall quotenträchtig verulken zu lassen.

War der Kneipenhumor, der auch unter die Gürtellinie rutschte, eine Pose? - Wer Dall privat kannte, schildert einen anderen Menschen: freundlich, mehr humorvoll als grell lustig.

Einschneidend war, als im Jahr 2014 die Staatsanwaltschaft Zürich gegen Dall Anklage wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und versuchten Nötigung einer Schweizer Journalistin erhob. Der Prozess endete mit einem Freispruch für Dall.

In Zusammenhang mit der Serie "Rote Rosen" veröffentliche Dall ein Video: Er spiele zwar einen unsympathischen Typen, der charakterlich so ganz anders sei als er selbst. Aber, so Dall: "Ich freue mich selbst schon drauf, wenn ich das noch miterleben darf." 13 Tage später schloss Karl Dall für immer die Augen.

Dalls Komiker-Kollege Oliver Kalkofe würdigte den Verstorbenen auf Twitter: Dall sei "Gott des kauzigen Kalauers" und des "lässigen Trash-Humors" gewesen, schrieb Kalkofe: "So was wie ihn wird’s nie wieder geben."