Er gilt vielen als einer der Vorväter des literarischen Monstergenres: Howard Phillips Lovecraft (1890 - 1937), meist nur H. P. Lovecraft genannt, gilt wohl zu Recht als einer der bedeutendste Autoren fantastischer Horrorliteratur des 20. Jahrhunderts. Der von ihm ersonnene Cthulhu-Mythos war stilprägend für ganze Generationen an Autoren. Doch wie ist die Gegend, in der Lovecraft sich umtat: Alles o.k. dort? Oder verbirgt sich in den von Lovecraft beschriebenen Orten doch ein Quäntchen Wahrheit hinter der Erfindung? Lauern gar Monster auf unbedarfte Touristen, sobald die Sonne untergeht? In der Serie "Lovecraft Country" (abrufbar bei Sky) darf man davon ausgehen: Ja, es wird eher ungemütlich. Monstermäßig hat man sich einiges ausgedacht. Mutierte Vampire etwa, die sich mit einem Biss in den Hals nicht begnügen, sondern gleich den ganzen Kopf abbeißen. Außerdem haben sie den eigenartigen Trieb, sich selbst bei Gefahr einzugraben (praktisch!).

Doch da ist noch mehr. Denn es ist auch ein Roadtrip der besonderen Art, durch das Amerika der 1950er Jahre: "Lovecraft Country", nach dem gleichnamigen Roman von Matt Ruff, ist als zehnteilige Horrorserie angelegt. Atticus (Jonathan Majors) begibt sich mit Jugendfreundin Letitia (Jurnee Smollett) und seinem Onkel George (Courtney B. Vance), dem Herausgeber des "Safe Negro Travel Guides", auf die Suche nach seinem Vater Montrose Freeman (Michael Kenneth Williams), der spurlos verschwunden ist. Doch der Roadtrip entpuppt sich bald als Überlebenskampf inmitten von Rassenterror und dem Kampf gegen Monster, die aus einer H.P.-Lovecraft-Geschichte stammen könnten. Als die drei am Anwesen der reichen Südstaatenfamilie Braithewhite ankommen, treffen sie auf Montrose und auf eine rassistische Geheimloge.

Manga meets Panem und Tron

Der Rassismus in den USA zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie. Horror und schwarzer Humor sind da manchmal nur Beiwerk. Jordan Peele, der die Serie "Lovecraft Country" gemeinsam mit "Lost"-Macher J. J. Abrams kreierte und auch produzierte, kennt sich mit dieser Mischung bestens aus, gewann er doch einen Oscar für sein Drehbuch zum Film "Get Out". In Summe macht "Lovecraft Country" Lust darauf, den Mythos des Autors H. P. Lovecraft neu zu entdecken und ist damit sozusagen eine Literaturverfilmung im doppelten Sinn.

Wie könnte Leben auf anderen Planeten aussehen? Netflix spekuliert ordentlich mit. - © Netflix
Wie könnte Leben auf anderen Planeten aussehen? Netflix spekuliert ordentlich mit. - © Netflix

Apropos Literatur: Auch Mangas, die japanischen Comics (auch) für Erwachsene, sind bisweilen hohe Literatur. Ein besonderes Stück davon erlebt seit Donnerstag auf Netflix eine bemerkenswerte Realfilm-Version. "Alice in Borderland" mit Kento Yamazaki und Tao Tsuchiya operiert nach einem im Genre nicht gänzlich unbekannten Muster (und bezahlt für die geborgte Idee hoffentlich angemessene Tribute nach Panem mit besten Grüßen an "Tron"). Arisu, ein planloser und arbeitsloser junger Videospiel-Freak, findet sich plötzlich in einer seltsamen, menschenleeren Version von Tokio wieder, in der er und seine Freunde sich in gefährlichen Spielen messen müssen. Sonst ist der Ofen aus. In dieser seltsamen Welt trifft Arisu auf Usagi, eine junge Frau, die allein durch die Spiele navigiert. Gemeinsam machen sie sich auf, ein Geheimnis nach dem anderen zu lüften, wobei sie ihr Leben riskieren und sich der Frage stellen, was es bedeutet, zu leben.

"Alice in Borderland", der Name des neuen japanischen Netflix-Originals, ist nicht unabsichtlich eine Anspielung auf "Alice im Wunderland" (die durch ein Loch in eine andere, seltsame Welt fällt) und basiert eigentlich auf einem Survival- und Thriller-Manga von Haro Aso. Die Regie der Serie führt Shinsuke Sato und in den Hauptrollen sind Kento Yamazaki (Kingudamu, The Disastrous Life of Saiki K) und Tao Tsuchiya (Library Wars: Book of Memories) zu sehen.

Fliegende Gravitations-Kühe

Wem das alles zu erfunden klingt, wird mit der neuen Netflix-Doku "Außerirdische Welten" seine wahre Freude haben. Die vierteilige Mini-Serie geht der Frage nach, wie Leben auf Exo-Planeten aussehen könnte, die mitunter ganz andere Eigenschaften haben als unsere gute, alte Erde. Der Clou dabei: Die Serie vermischt eine solide, gut gemachte Natur-Doku auf der Erde mit völlig ausgedachten, aber dank CGI absolut lebensnahen Biosphären auf anderen Planeten. Wir beobachten einen "Pentapot" beim Fressen auf einem an sich zu nahe an der Sonne kreisenden Planeten, der in seiner Übergangszone zwischen Tag und Nacht gerade einen kleinen Streifen für Leben bereit hält. Und wir bestaunen "Sky-Grazer", sozusagen fliegende Kühe, die auf einem Planeten mit hoher Schwerkraft die dicke Atmosphäre bevölkern.

Der Hintergrund ist durch und durch wissenschaftlich: In den letzten zwei Jahrzehnten haben Astronomen tausende von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt; sie glauben, dass es noch Billionen weitere gibt. Falls auch nur auf einem Bruchteil von ihnen Leben existiert, dann muss der Kosmos von außerirdischen Spezies wimmeln. Doch wie sehen diese Außerirdischen aus? Wie ernähren, vermehren und entwickeln sie sich? Wenn man die Gesetze des Lebens auf der Erde auf den Rest des Universums anwendet, ist es möglich, sich vorzustellen, welches Leben jenseits unseres Planeten besteht.

War es Selbstmord?

Wem die fliegenden Gravitations-Kälber zu abgefahren sind, kann versuchen, sich ab Freitag bei der spanischen Netflix-Produktion "Deine letzte Stunde" zu entspannen. Eine Lehrerin tritt eine neue Stelle an. An ihrer neuen Schule kam es vor einigen Wochen zu einem verdächtigen Todesfall. Sie will mehr darüber wissen und bangt bald sie um ihr eigenes Leben. War es Selbstmord? Und was hatten die Schüler damit zu tun? Der Trailer zeigt, dass der neue Lehrkörper mehr als kühl empfangen wird. Auch gibt es an der Schule Problemschüler, die nur darauf warten, ihr das Leben schwer zu machen.

Nicht ganz wie aus einem Lovecraft-Roman, aber die Mystery-Elemente sind auch hier nicht zu übersehen. Es stehen also mysteriöse Zeiten im Streaming bevor.