"Es ist völlig unerheblich, ob man das gut findet oder nicht: Das Handy ist nun einmal tägliche Realität unserer Schüler", sagt Florian Bachofner-Mayr. Er ist Lehrer für Religion, Geschichte und Ethik am Bundesgymnasium Werndlpark in Steyr. Seine Leidenschaft für Programmierung hat er schon beim ersten Lockdown in produktive Bahnen gelenkt. Er hat zwei Apps programmiert für seine beiden Fächer. Die App "Jessas" für Religion und die App "Iulius" für Geschichte. Beide sind im App Store herunterzuladen. Die Apps funktionieren unabhängig von der Plattform. Noch nicht einmal ein Handy ist vonnöten, da sie auch auf der Website spielbar sind. So können auch Schüler ohne eigenes Handy die App nutzen.

Tatsächlich eröffnet das Prinzip der App den Schülern nicht nur reine Vermittlung von Wissen. Zwar kann man sich durch in einzelnen Kapitel gegliederte Lerninhalte klicken, wirklich spannend wird es aber erst danach. Denn zu jedem Kapitel gibt es ein Quiz. Mit diesen kann man für jede richtige Antwort Münzen sammeln.

Distance Learning mit Spaßfaktor: Die App belohnt Schüler mit digitalen Coins. - © Bachofner-Mayr
Distance Learning mit Spaßfaktor: Die App belohnt Schüler mit digitalen Coins. - © Bachofner-Mayr

Diese Münzen kann man vielfach verwenden. Zum Beispiel kann man neue Quizzes freischalten, mit denen man wiederum Münzen verdienen kann. Man kann mit den Münzen jedoch auch digitale Sammelkarten erwerben. Dies zeigen Darstellungen aus der Geschichte mit ganz bestimmten Eigenschaften. So gibt es eine Karte zum Pharao Tutanchamun oder den Höhlenmalereien von Altamira. Die Karten haben Einfluss auf das Spiel: Man kann damit seinen digitalen Charakter verbessern.

Die App greift somit das Prinzip von Sticker-Sammelalben (bekannt etwa von Pokémon) auf, wobei die Schüler keine zufällige Karte erhalten, sondern sie bewusst auswählen können. Durch die unterschiedlichen Charakterpunkte der Sammelkarten kann der Iulius-Charakter so individuell entwickelt und ausgebaut werden. Das gibt dem Spiel eine strategische Ebene. Neben einer grafischen Darstellung der Charakterentwicklung bietet das Profil auch eine einfache Übersicht über die Verteilung der einzelnen Charakterpunkte sowie den daraus berechneten Gesamtpunktestand.

Mit dem Punktestand können sich die Schüler auch untereinander vergleichen. Es gibt Rankings auf Klassen-Basis und ein Gesamtranking.

Die App packt ihre Nutzer somit gleich an mehreren Fronten am Spieltrieb. Punkte zu sammeln ist ein Standard-Feature bei ganz vielen Spielen, das Verhalten ist somit gelernt. Dass man die Punkte selbst nach strategischen Gesichtspunkten einsetzen kann, gibt einen zusätzlichen Anreiz.

Die Idee für die App stammt eigentlich aus dem Religionsunterricht, sagt Bachofner-Mayr, der seit elf Jahren in Steyr unterrichtet. Gerade im Religionsunterricht sind Test zumeist verpönt. Die Schüler sind schließlich freiwillig da. Daher wollte Bachofner-Mayr ein System entwickeln, das spielerisch Wissen vermittelt, aber auch abfragt. Aber merken sich die Schüler auch, was sie da in der App lesen? "Ich habe freiwillige Tests gemacht, um das zu überprüfen. Die Inhalte bleiben tatsächlich im Gedächtnis."

Swipen im Lockdown

Der Erfolg mit der Religions-App motivierte Bachofner-Mayr, auch die Geschichts-App zu schreiben. Beim Lockdown war dann die Stunde gekommen: Die App wurde mit Inhalten befüllt und gestartet. Während in anderen Fächern neue Techniken wie Teams oder Zoom erst erlernt werden mussten, bietet die App einen niederschwelligen und intuitiven Zugang, der Lernen zu jeder Zeit und im eigenen Tempo möglich macht. Da sie sehr ähnlich wie die beliebte App Instagram funktioniert, ist das Grundprinzip in der Regel bekannt. Ein großes Plus in der gerade erst den Kinderschuhen entwachsenen Fernlehre.

Für Lehrer bietet die App übrigens einen eigenen Account. Lehrer können an die Schüler Gutschein-Codes schicken, mit dem sie das gewünschte Lernmodul im Shop ohne Abzug von Coins erwerben können.