In diesem Jahr ist an eine ausgelassene Silvesterparty nicht zu denken. Nicht einmal im erweiterten Familienkreis wird man physisch miteinander ins Neue Jahr rutschen können. Aber wenn man 2020 etwas Neues gelernt hat, dann den Umgang mit Videokonferenzlösungen. Diese erlauben auch das Feiern in einem in größerem Rahmen.

Das Wichtigste gleich zu Beginn - behalten sie ihr Datenguthaben gut im Auge, da Videochats schnell große Datenmengen verbrauchen. Daher am besten über den unlimitierten WLAN-Zugang starten und kommunizieren. Außerdem ist zu erwarten, dass zum Jahreswechsel die Mobilfunknetze unter einer erheblichen Last stehen werden, daher können Aussetzer oder Ausfälle das Vergnügen trüben.

Dienste im Überblick

Wir geben einen kleinen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten sich von Angesicht zu Angesicht zuzuprosten. In der Auswahl sind jene Programme, die sich kostenlos nutzen lassen, einfach zu bedienen sind und die Möglichkeit bieten, mit mehreren Personen zu kommunizieren.

Beliebt, bekannt und mittlerweile längst Basisausstattung auf dem Smartphone ist Whatsapp. Da die Verbreitung bereits vor Corona eine große war, ist auch die Bedienung generationsübergreifend eingeübt. Im Zuge des Video-Konferenz-Booms zu Beginn der Pandemie hat sich das Limit für Teilnehmer an Gruppenvideoanrufen auf acht Geräte erhöht. Wer einen Video-Call zu Silvester starten will, muss einfach nur aus dem Familien-Chat oder der neuangelegten Gruppe den Anrufknopf drücken, die Teilnehmer müssen nur abheben und das war es schon. Einfacher geht kaum. Die Videoqualität hängt jedoch vom Smartphone ab.

Ebenfalls ein altbekannter Klassiker ist Skype. Der Vorreiter der Videotelefonie erlebt ebenfalls einen neuen Höhenflug. Nicht nur, dass sich Skype auf vielen PCs bereits vorinstalliert findet, ermöglicht es kostenlose und unkomplizierte Videochats mit bis zu 50 Teilnehmern. In der Theorie sind so auch größere virtuelle Treffen von der Dauer von bis zu 24 Stunden möglich. Im Unterschied zu Whatsapp können Skype-Nutzer das Programm auch auf einem PC verwenden. Ein Vorteil, wenn man gemütlich plaudern und dabei kein Smartphone halten will.

Wer in seiner Silvesterrunde lauter Apple-Nutzer hat, kann sich über Facetime treffen. Die App ist auf den Endgeräten des Herstellers vorinstalliert und ermöglicht es, bis zu 32 Personen zusammenzubringen. Diese können einfach aus der Kontaktliste des Smartphones heraus angerufen werden. Der Dienst ist angenehm einfach zu bedienen, und bietet gute Sprach- und Bildqualität. Aber eben nur für Apple-Geräte verfügbar.

Für die Feiertage haben die Anbieter von Zoom und Webex ihre Zeitlimits erhöht, und da die 40- beziehungsweise 50-Minuten-Frist gefallen sind, können beide Dienste für den Start ins Neue Jahr genutzt werden. Zoom bietet dabei jedoch wesentlich mehr spielerische Elemente und kann für bis zu 100 Teilnehmer genutzt werden, einer großen Party steht somit eigentlich nichts im Wege. Zoom bietet mittlerweile auch eine optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Gut geschützte Apps

Apropos Verschlüsselung. Auch wenn alle bisher genannten Dienste über entsprechende Sicherheitsmaßnahmen verfügen, gibt es mit Signal und Jitsi zwei Lösungen, die sich besonders an Anwender richten, die großen Wert auf Datenschutz legen. Der Messenger Signal wurde erst kürzlich um eine Videokonferenz-Funktion erweitert, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Allerdings ist die Gruppenanruf genannte Funktion bisher auf fünf Teilnehmer beschränkt. Dafür ist der Open-Source-Messenger leicht zu bedienen, gilt als sicher und versucht, so wenig wie möglich über seine Nutzer zu erfahren (Zero-Knowledge-Prinzip). Signal gibt es für Android, iOS, sowie die Desktop-Systeme Windows, Linux und MacOS.

Wer größere Runden plant, der sollte sich die Open-Source-Software Jitsi ansehen. Man kann das Programm auf einem eigenen Server installieren oder sich über zahlreiche öffentliche Instanzen einwählen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. An den Silvesterfeiern kann einfach über den Browser oder über eine App teilgenommen werden.

Wer zwischen Feiern und Spielen nicht auf seine Zockerfreunde verzichten will, wird wohl mit dem kostenlosen Chatprogramm Discord seine Freude haben. Es läuft unter Windows 10, MacOS, iOS, Android und Linux und bietet Videocalls und Textchaträume für mehrere Personen. So können sich Freunde und Verwandte auch gegenseitig sehen - entsprechende Webcams vorausgesetzt. Wer auf das virtuelle Lagerfeuer oder Feuerwerk nicht verzichten will, der kann mit Discord auch von Bildschirmen der Teilnehmer streamen. Allerdings muss man sich davor registrieren und einen eigenen Kanal mit optional mehreren Chaträumen anlegen. Anschließend können weitere Accounts per Direktlink eingeladen werden. Daher ist Discord eher für technikaffinere Menschen geeignet.

Facebook und Microsoft

Eine bislang eher selten genutzte Möglichkeit sind die Facebook Messenger Rooms. Hier werden kostenlose Videokonferenzen für bis zu 50 Personen möglich. Auch zahlreiche Spielereien, wie freiwählbare Hintergründe und AR-Filter finden sich. Sie sollen etwas mehr Leben und Pep in die privaten Feierlichkeiten bringen. Der Knackpunkt dabei ist jedoch, dass es bei diesem Dienst keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt. Eine Tatsache, die facebook-kritische Nutzer eher abschrecken dürfte.

Wer mit seinen Arbeitskollegen über Silvester rutschen will und noch nicht genug Videokonferenzen mit ihnen hatte, der kann natürlich auch weiterhin Microsoft Teams nutzen. Die Software dürfte 2020 einen kometenhaften Aufstieg und einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Externe Anwender lassen sich per Link einladen.

Mit Einschränkungen zu nutzen, und daher nur kurz erwähnt: Google bietet mit Google Meet eine Lösung für bis zu 100 Teilnehmer und ebenfalls 24 Stunden Laufzeit an. Allerdings muss die App installiert werden, ein Google Konto ist Voraussetzung, aber auch iPhone-Nutzer können eingebunden werden.

Für alle Spaßvögel und Spielehungrigen gibt es natürlich immer noch die Houseparty-App. Es können nicht nur Freunde, sondern auch Freunde von Freunden dem Videochat beitreten und dann gemeinsam lustige Partygames, wie "Wer bin ich", spielen. Im Gegensatz zu vielen anderen Videochat-Tools schafft es die App, trotz den Kontaktbeschränkungen ein wenig Party-Atmosphäre zu erzeugen.

Für alle Anderen gilt es also nur noch, passende Partyspiele selbst zu finden. Mikado geht eher nicht, aber Bleigießen dafür immer. Zuprosten kann man auch mit allen Apps.