Es scheint, als würde 2021 nicht das Jahr von Facebook werden. Auch wenn das Neue Jahr erst ein paar Wochen alt ist, so zeichnet sich schon ein großer Umbruch bei den Sozialen Netzwerken und den Messengerdiensten ab. Eine Verkettung besonderer Umstände sorgte innerhalb weniger Tage für eine Abwanderung von WhatsApp in Richtung anderer Dienste, allen voran Signal. Ein großer Hype entstand auch um ein neues Angebot namens Clubhouse.

Nichts hat sich geändert

Obwohl schon seit der Übernahme von WhatsApp durch Facebook (im Jahr 2014 um 22 Milliarden Dollar) Datenschützer vor einem Datenaustausch zwischen den Plattformen warnten, gab es unter den Anwendern kaum Abwanderungstendenzen. Dies änderte sich mit Jahreswechsel, kurz nachdem Facebook eine Änderung der Geschäftsbedingungen bekanntgab.

Das Interessante an der Geschichte, es hat sich in Wahrheit gar nichts geändert. Es gäbe daher gar keinen neuen Grund für einen Wechsel. Whatsapp tauscht nämlich schon seit August 2016 die Daten mit anderen Facebook-Diensten aus. Selbst das Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 hat daran nichts geändert. Zwar sprach Facebook immer wieder davon, dass Nutzer der Datenweitergabe widersprechen könnten. Doch das hat offenbar trotz DSGVO keinerlei Effekt. Ein klares Verbot der Datenweitergabe durch die irische Datenschutzbehörde steht leider noch aus.

Innerhalb kürzester Zeit verzeichnen andere Messengerdienste wie Signal, Telegram oder Threema plötzlich Millionen neuer Downloads. Signal konnte seine Nutzerzahlen nahezu verfünffachen. Des einen Leid, des anderen Freud, ist man geneigt zu sagen, klagen Bestandskunden des Messengers nämlich seither über technische Probleme und Serverausfälle. Die massive Abwanderung hat Facebook bewogen, jetzt die Notbremse zu ziehen und die neuen Geschäftsbedingungen erst in drei Monaten umsetzen zu wollen. Der Schuss ins Knie sollte eine heilsame Wirkung haben, prophezeien zahlreiche Experten doch 2021 das Ende von Facebook, so wie wir es derzeit kennen. Eine Zerschlagung scheint näher denn je. Neben den bereits genannten Alternativen - Signal, Telegram und Threema, können Interessierte sich auch Apps wie Wire, Wickr Me, Element und Line ansehen. Wenig verwunderlich bieten alle Programme ihre Vor- und Nachteile.

Es kommt auf die Freunde an

Auf welche Lösung man setzt, steht ohnehin auf einem anderen Papier. Im Endeffekt geht es darum, kann man seine Freunde, Familie und Bekannten zu einem Wechsel überreden oder nicht? Wenn nicht, wird es eine wenig praktikable Fleckerlteppichlösung aus mehreren Messenger-Diensten werden, die man nicht lange durchhalten kann. Aber wer weiß, vielleicht findet sich bald ein Anbieter, der eine praktikable Lösung anbietet, mit der sich verschiedene Messenger bündeln lassen. Aber noch sieht es nicht danach aus.

Im Schatten der großen Wechselbewegungen am Messengermarkt schickt sich jedoch eine neue Social-Media-App an, eine große Überraschung zu werden. Clubhouse, so der Name des Dienstes, ist ein Paradebeispiel dafür, wie man im digitalen Zeitalter einen Hype kreiert. Das Konzept ist auf jeden Fall neu und interessant: Clubhouse ist eine Audio-only-App, bei der man Gesprächen wie bei einem Live-Podcast lauschen oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen kann.

Es gibt keine Kommentare, keine Likes und auch keine eingeschaltete Kamera, dafür ist aber auch die Teilnahme nicht einfach - man kann nämlich nur mit Einladung mitmachen. Clubhouse, derzeit nur für das iPhone verfügbar, stürmte an die Spitze der Download-Bestenliste. Künstliche Verknappung und prominente Testimonials sind das Erfolgsrezept. Nicht nur, dass zunächst alle Android-Anwender ausgeschlossen sind, auch iPhone-Nutzer benötigen eine Einladung. Mit dem Datenschutz nimmt es Clubhouse auch nicht so genau, verlangt die App nach der Aktivierung doch Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontaktadressbuch des verwendeten iPhone. Clubhouse bietet unterschiedliche User-Rollen: Moderatoren können die Diskussion leiten, indem sie User "auf die Bühne holen" und sie zu Sprechern machen. Umgekehrt können sie aber auch User wieder von der Bühne entfernen. Die Sprecher können aktiv an der Diskussion teilnehmen und Wortbeiträge leisten. Und die Zuhörer dürfen lauschen und per Knopfdruck ihre Hände heben, um zu signalisieren, dass man ebenfalls etwas zum Gespräch beitragen will. Clubhouse ist nicht nur Podcast, digitaler Panel, offene Diskussionen mit Experten aus den verschiedensten Gebieten, es könnte auch eine moderne Form des Networkings werden.

In den USA konnten mit Drake, Paris Hilton und Oprah Winfrey einige Prominente als Nutzer gewonnen werden und sorgen für einen großen Zulauf an Interessierten. Es wird sich erst zeigen, ob dieses Konzept erfolgreich ist. Was sich schon gezeigt hat, ist, dass es auf die Moderatoren und ihr Können ankommt, diese Diskussionen zu meistern und unter Kontrolle zu halten. Unhöflichkeiten und Untergriffe finden sich in den Diskussionsräumen nämlich auch schon und sorgen für heftige Diskussionen und Kritik.