In dieser Woche startete ein weiterer, wichtiger Meilenstein in der europaweiten Anstrengung, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen: ein mehrtägiger Testlauf der "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes in Zusammenarbeit mit den EU-Partnern. Das Zauberwort in diesen Tagen lautet Interoperabilität. Die unterschiedlichen Corona-Anwendungen müssen nun miteinander sprechen lernen, Daten austauschen und sich verbinden. Nur so, da sind sich die Experten einig, ist es möglich, dass in absehbarer Zeit wieder an Urlaube im Ausland zu denken und Flugreisen sowie sicheres Zusammenleben mittelfristig wieder möglich sind.

Neben Abstandhalten, Masken und Testen gehören die zahlreichen Corona-Apps zum Nachverfolgen möglicher Kontakte und der Warnung selbiger zum Standardrepertoire der aktuellen Pandemiebekämpfung. Nach anfänglichen Diskussionen über Datenschutzaspekte, die dahinterliegende Infrastruktur und die eingesetzten Standards, etwa Bluetooth, schienen die Voraussetzungen optimal für einen breitflächigen Einsatz. Doch die Anwender zeigten sich in vielen europäischen Ländern skeptisch und installierten die Apps nur zögerlich. Aber auch hier erwarten die Fachleute, dass eine gesamteuropäische Lösung ein verstärktes Interesse bewirken wird.

"Stopp Corona"-App

Die Funktionsweise der "Stopp Corona"-App. - © apa
Die Funktionsweise der "Stopp Corona"-App. - © apa

Die heimische "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes zählt derzeit rund 1,36 Millionen Downloads. 5.800 User, die bestätigt Covid-positiv waren, und 4.500, die den Verdacht hatten, haben ihre Kontakte gewarnt - und somit die Informationskette gestartet. Die App funktioniert mittels Bluetooth. Alle Kontakte, die näher als 1,5 Meter waren und länger als 15 Minuten gedauert haben, werden aufgezeichnet. Wird jemand positiv auf Sars-CoV-2 getestet, kann über die App eine rote Warnung an die Kontakte der vergangenen Tage versendet werden - samt der Aufforderung zur Selbstisolation.

Die Architektur und die Datenschutzfreundlichkeit der App lassen keine Rückschlüsse darauf zu, wie viele Menschen gewarnt wurden - es waren mehrere zehntausend, heißt es von Seiten des Roten Kreuzes. Dieses wichtige, sogenannte "Contact-Tracing", also die Nachverfolgung von Kontakten und das Aufspüren von möglichen Infektionsherden, zählt zu den wesentlichen Funktionen der App.

Ein großes Thema in diesem Zusammenhang ist allerdings die Bewerbung und die weitere Finanzierung neuer Funktionalitäten und neuer Möglichkeiten. Zwar wird das Rote Kreuz weiterhin über die App informieren und die Menschen aufrufen, sie zu verwenden, heißt es auf Anfrage, für eine groß angelegte Kampagne fehlen jedoch die budgetären Mittel. Auch aus diesem Grund scheint eine gesamteuropäische Initiative mit entsprechender Finanzierung und gemeinschaftlichen Standards unumgänglich. Gerade auch diese einheitlichen Schnittstellen und die mögliche Zusammenarbeit unterschiedlicher Konzepte werden in den Testläufen abzuklären sein.

Grenzenloses Tracing

Derzeit hat die EU-Kommission mit der "Re-open EU"-App eine Überbrückungsvariante zur Verfügung gestellt. Hier werden keine Daten ausgetauscht, aber immerhin aktuelle
Informationen etwa zur Gesundheitssituation, Sicherheitsvorkehrungen oder Reisebeschränkungen, und zwar für alle EU-Staaten sowie die Schengen-Mitglieder Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz mitgeteilt. Nutzer können sich auch über nationale Quarantäne- und Test-Regeln sowie Warn- und Nachverfolgungs-Apps informieren. Die App kann für Android- und Apple-Geräte heruntergeladen werden und bietet Informationen in den 24 offiziellen Sprachen der EU an.

In den ersten Wochen des neuen Jahres zeigte sich, wie vielfältig die Mitgliedsländer über die zukünftigen Möglichkeiten der Apps denken. In Deutschland erteilte die Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber einer Überwachung des 15-Kilometer-Radius für Hotspots mittels Handy-Daten oder der Corona-Warn-App eine deutliche Abfuhr. Die Akzeptanz der Warn-App "würde schlagartig sinken und man würde Ressourcen und Zeit vergeuden". Andere Ideen sehen vor, die Corona-Warn-App mit besonderen Anreizen attraktiver und effektiver zu machen: etwa vereinfachte Registrierung in Museen, Kirchen und Gaststätten und besondere Vorzug-Warteschlagen bei Veranstaltungen. Wichtig ist, dass es schon bald eine Lösung gibt.