Star Trek "Discovery" hat soeben seine dritte Staffel zu Ende gebracht. Eine hypermoderne Serie mit tollem Set-Design (sie soll ja Jahrhunderte in der Zukunft spielen), und doch gibt es (vorerst) nichts als Elend und Misserfolg zu sehen. Eine Staffel, in der Pandemie entstanden und wie für die Pandemie geschaffen. Wie auch immer: Die Meinungen, ob das noch oder schon wieder "Star Trek" ist, waren und sind geteilt. Und das wird sich auch nicht mehr ändern.

Und dann ist da die neue animierte Serie "Star Trek: Lower Decks". Aus Gründen, die nicht ganz nachvollziehbar sind, ist die Serie, die bereits letzten August in den USA ihre Premiere hatte, erst vor wenigen Tagen auf Amazon Prime online gegangen. Nun haben auch Fans im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit, die ersten zehn Folgen zu genießen. Es ist wie ein Ausflug in die Vergangenheit. Denn "Lower Decks" spielt nach dem Ende von "Star Trek Next Generation" und die Serie atmet die Luft von "Next Generation": Design, Schriften, Musik und viele Details - sie erinnern an die noch heute bedeutendste Star-Trek-Serie der TV-Geschichte mit Captain Picard auf der Brücke. Die bekannten Figuren spielen sogar kleine Nebenrollen in "Lower Decks".

Der wohl größte Unterschied: In "Lower Decks" geht es nicht um Captains und First Officers - die Serie portraitiert vier junge Ensigns, die im Bauch des Schiffes Dienst schieben und von den großen Vorgängen um sie nur peripher etwas mitbekommen. Da ist Beckett Mariner (Tawny Newsome), die auf die "Cerritos" strafversetzt wird, weil sie nur aufsässig ist und sie sich nicht um Regeln schert. Ihr Vater, ein Admiral, hat sie auf das Schiff versetzt, das ihre Mutter Carol Freeman kommandiert. ("Es ist deine Tochter, kümmer dich gefälligst um sie.")

Dort trifft sie auf Ensign Boimler, der alles richtig und nach den Star-Trek-Regeln machen will, um möglichst rasch die Karriereleiter aufzusteigen. Klar, dass die zwei rasch aneinanderkrachen. Dann ist da noch D’Vana Tendi, ein Orion-Mädchen, das das zwielichtige Image der Orions aufbessern will. Halb-Androide Sam Rutherford komplettiert das Quartett.

Taxi für betrunkene Klingonen

Die Handlung setzt im Jahr 2380, ein Jahr nach den Ereignissen aus dem Kinofilm "Star Trek: Nemesis" ein. Die "Cerritos" ist eines der unwichtigsten Raumschiffe der Sternenflotte. Während andere Abenteuer erleben muss die "Cerritos" etwa den "zweiten Kontakt" mit anderen Zivilisationen machen, Cargo liefern oder betrunkene klingonische Captains herumkutschieren. Klar, dass sich da Motivationsfragen stellen, vor allem bei Mariner.

Das gibt "Lower Decks" die Möglichkeit, sich ganz auf die Charaktere und den exzellenten Humor zu fokussieren. Für den bürgt nicht nur Head-Autor Mike McMahan aus der "South Park"-Schule, der für "Rick and Morty" immerhin einen Primetime-Emmy einkassierte. "Lower Decks" ist voller Anspielungen, Referenzen und ganz generell Star-Trek-Humor vom Feinsten. Auch Anspielungen auf die aktuelle Situation lassen sich finden, wenn etwa ein Crewman Verschwörungstheorien spinnt, wonach es Gestaltwandler nicht gibt und der Dominion War (die Basis der Serie "Deep Space Nine") ein Fake war.

"Lower Decks" schafft es spielend, sich nicht die Schwere des "Star Trek"- Erbes (wie etwa "Picard") umzuhängen, sondern frisch von der Leber weg humorvoll voranzuschreiten. Das ist natürlich ein Volltreffer für die Galerie der Fans, die auf so etwas nur gewartet haben. Eine zweite Staffel ist schon in Produktion.