Die Ausstattung ist spartanisch: ein leer geräumtes Büro im Erdgeschoß des ORF-Zentrums am Küniglberg. Der Teppich ist stahlgrau - wie die Haare der meisten Zuschauer. Durchs Fenster sieht man gegenüber die Behelfs-Bürocontainer für den Umbau. Ab und zu geht eine Gestalt am Fenster vorbei. Drinnen steht Triathlet Philipp Jelinek in einem roten T-Shirt auf einer Yoga-Matte und zeichnet Achter mit dem Fuß in die Luft. "Die Einsteiger machen das ganz klein, die anderen etwas größer", instruiert der Fitness-Experte sein Publikum.

Jeden Werktag um 9.10 Uhr steht seit 11. Jänner "Fit mit Philipp" auf dem Programm. 18 Minuten Turnübungen, vor allem für ein älteres Publikum und Menschen, die sich sonst nur wenig bewegen. "Absolute Basics - jeder soll mitmachen können, auch die Kinder", nennt Jelinek sein Credo. Die Sendung jedenfalls mauserte sich binnen weniger Tage zu einem echten Hit. Mehr als dreißig Prozent Marktanteil sind schon drin. Dass die Menschen wegen Philipp einschalten, liegt auf der Hand - die nachfolgenden Sendungen haben bestenfalls den halben Marktanteil. Vor allem die Großeltern sind begeistert, wie Rückmeldungen zeigen.

"Das motiviert natürlich", sagt Jelinek nicht ohne Stolz. "Wenn mir jemand schreibt, dass er jetzt keine Schmerzmittel mehr braucht oder dass er sich um vieles besser fühlt, ist das natürlich großartig." Dabei war die Entstehung der Sendung eine Spontanaktion, die auf den Lockdown im letzten März zurückgeht. Jelinek, seit vielen Jahren für den ORF als Off-Air-Moderator aktiv, schrieb dem Channel Manager von ORF2 ein kurzes Konzept für eine tägliche Fitness-Einheit - dringend nötig im Lockdown. "Binnen drei Minuten kam die Antwort: Machen wir!" Zehn Tage später war ,Fit mit Philipp‘ Teil von "Guten Morgen Österreich". Das Feedback zur Sendung hat schon damals alle Erwartungen übertroffen. Viele Menschen, die Corona-bedingt plötzlich mehr Zeit als üblich in den eigenen vier Wänden verbrachten, freuten sich über das Angebot.

"Auch Sportler haben Defizite"

Seit 11. Jänner darf der Extremsportler sich mit seiner eigenen Sendung im ORF-Frühfernsehen einen Namen machen. Jeden Tag am Nachmittag wird mit einem Sportwissenschafter und einer Physiotherapeutin das Programm für den nächsten Tag besprochen. Nach der Sendung gibt es dann Manöverkritik. "Das Feedback von meinem Team ist mir sehr wichtig", sagt Jelinek. "Wir wollen das Programm so einfach wie möglich halten, damit jeder mitmachen kann, auch wenn jemand Einschränkungen hat. Und jeder hat bei manchen Übungen seine Defizite, davor ist auch ein Profi nicht gefeit."

Auch der fixe Zeitpunkt und vor allem das Live-Format dürften eine Rolle spielen, vermutet Jelinek. "Die Leute schätzen es, dass wir ihnen im Lockdown wieder ein bisschen Struktur geben. Denn um 9.10 Uhr haben sie einen Termin mit mir", lächelt Jelinek. Manche sind auch in der Mediathek auf Abruf dabei, einige nehmen die Sendung sogar auf, wenn sie nicht live dabei sein können. Die Zuschauer schicken Videos und Fotos vom Mit-Turnen, von denen manche in der Sendung gezeigt werden.

Seine berühmte Vorgängerin im ORF-Radio der Siebziger Jahre, Ilse Buck, kennt Jelinek natürlich. Die schaffte es sogar mit einer Persiflage in die Krimireihe "Kottan": Der Kommissar fährt mit dem Auto und hört das Fitness-Programm im Autoradio. Links und rechts beginnen die Leute auf der Straße mitzuturnen. Was Kottan damals nur ein Augenrollen kostete, findet Jelinek eigentlich ein schönes Bild: "Das wäre doch toll, wenn das ganze Land um 9.10 Uhr Turnübungen macht. Das wäre eigentlich mein großes Ziel."

In Bewegung bleiben

In der Sendung spricht Jelinek die ältere Zielgruppe auf ihrer Flughöhe an. Erinnert an Kur-Erfolge und die Notwendigkeit, immer in Bewegung zu bleiben. "Ich finde es schön, zu sehen, wie Menschen, die zuvor eher Bewegungsmuffel waren, ein anderes Körper- und Gesundheitsbewusstsein entwickelt haben und die tägliche Bewegungseinheit schätzen", sagt Jelinek. Und vor allem: Immer lächeln beim Üben! Auch diese Muskeln wollen trainiert werden.