Es wird spannend in der IT-Industrie. Das unendliche Wachstum der Onlinegiganten, gerade auch in Corona-Zeiten, und die deutlich steigenden Vermögenswerte der Gründer sorgen für "Grenzstreitigkeiten" und einen Wettlauf in neuen Sphären. Im Zentrum stehen dabei Amazon, Apple, Facebook, Google, Microsoft und Tesla. Es geht aber auch um Kryptowährungen, den Automobilmarkt und die Frage der Plattformvorherrschaft. Die chinesischen Branchengrößen, allen voran Alibaba, WeChat und Weibo, sehen sich das Spektakel noch aus der Ferne an.

Der größte sichtbare Konflikt schwelt derzeit zwischen Facebook und Apple. Nachdem Apple im Juni angekündigt hat, dass Nutzer seines Smartphone-Betriebssystems ausdrücklich zustimmen müssen, bevor ihre Daten über Apps und Webseiten hinweg zusammengetragen werden können, läuft Facebook gegen diese Vorgehensweise Sturm. Facebook mit Instagram und WhatsApp, zudem schon in Gedanken bei einer eigenen Kryptowährung, gut aufgestellt im Datensammeln und eine feste Größe im Werbegeschäft, fürchtet eine weitere Abwanderung seiner Nutzer und damit weniger Geld.

Eine eigene Plattform

Die Gerüchteküche rund um Apple heizt den Konflikt weiter an. Wenn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg weiterhin Stimmung gegen den Konzern macht, sollte man die Apps einfach von den kommenden iPhones entfernen. Wie dies aussehen könnte, zeigte sich, als Googles Android nicht mehr auf den Smartphones des chinesischen Herstellers installieren durfte. Das größte Problem von Facebook ist tatsächlich, dass es keine eigene Plattform und Hardware besitzt. Im Gegensatz zu Apple und Google. Die beiden Konzerne wiederum sind wohl das beste Beispiel für das Konzept der besten Feinde.

Apple kassiert viel Geld von Alphabet, der Google-Mutter, damit die Apps des Mitbewerbers auch auf iPhone und iPad laufen dürfen. Beide betreiben große Shops für Apps und Musik, samt eigenem Bezahlsystem, und kontrollieren die beiden Plattformen für mobile Endgeräte. Geht es hingegen um die Navigation, so liefern sich die beiden Hersteller ein großes Duell, nicht nur am Smartphone, sondern auch im Auto. Apropos Auto.

Beide Konzerne wollen in Zukunft die Plattform der Autoindustrie sein, als Unterhaltungszentrale im Auto wie auch mit selbstfahrenden Autos. Apple soll sogar ein eigenes Auto planen. Analysten sehen eher engere Partnerschaften mit Automobilherstellern in punkto Software. Hier treffen alte Bekannte aufeinander. Elon Musk mit seinem Unternehmen Tesla, das er in früheren Zeiten an Apple verkaufen wollte, aber mit diesem Vorhaben abgeblitzt ist, wirbelt gerade den Markt der Kryptowährungen durcheinander und sorgt mit kurzen Tweets zu Unternehmen für Aktienhöhenflüge. Elektroautos baut man natürlich weiterhin, doch eigentlich geht die Reise ins Weltall. Und in den unendlichen Weiten des Universums kommt es nun zum Match mit Amazon-Chef Jeff Bezos. Dessen Unternehmen Blue Origin wird nach seinem Rückzug von der Spitze Amazons einen Aufschwung erleben und damit direkt gegen Elon Musks SpaceX in den Ring steigen. Als ob auf der Erde nicht schon genug von diesen Unternehmen zu hören werde, soll der Wettkampf auch am Mars weitergehen. Und auf der Erde hat Amazon ohnehin eine direkte Konkurrenz mit Apple und auch Google.

Es häufen sich daher auch die Berichte, wonach Eingriffe der Politik anstünden und den Giganten sogar die Zerschlagung drohe. Ein Konzern kennt diese Diskussionen nur allzu gut: Microsoft stand schon mehrmals im Mittelpunkt von Diskussionen. Doch diese haben nicht daran gehindert, getrieben von Corona-Homeoffice, sich mit seiner Teams-Plattform in Schulen und Unternehmen stärker denn je auszubreiten.

Allen Konzernen zu eigen ist, dass sie sich gerade neue Konzernzentralen von angesehenen Architekten bauen lassen.  Die neue Amazon-Zentrale bei Washington ist ein Glaskegel mit spiralförmigem Außenweg und ist eines von drei geplanten 22-stöckigen Gebäuden in Arlington. Arlington, das von Washington durch den Potomac-Fluss getrennt wird, war 2018 einer der beiden Gewinner im Wettstreit von US-Städten um den zweiten Firmensitz von Amazon, neben New York. Die bisherige Zentrale in Seattle bietet nicht genug Platz für den wachsenden Konzern. Die Pläne in New York gab Amazon nach dem Widerstand örtlicher Politiker und Aktivisten auf, in Arlington im Bundesstaat Virginia werden sie vorangetrieben.

Amazons "Helix"-Gebäude reiht sich in Architekturexperimente von Tech-Konzernen ein. Apple baute ein riesiges neues kreisförmiges Headquarter in Cupertino, für Google wird eine neue Zentrale gebaut, das wie ein riesiges Zelt aussieht, Facebook ließ ein langgezogenes Gebäude mit Dachgarten vom Stararchitekten Frank Gehry entwerfen und Amazon baute zwei Biosphären an seinem Sitz in Seattle.

Auch das Mäzenatentum erlebt neue Höhenflüge. Und wer weiß, wenn Facebook Artikel über seine Konkurrenten nicht mehr teilen lässt, vielleicht steigen dann alle Giganten deutlich offensiver in den Medienmarkt ein. Wenn sie das nicht schon längst erledigt haben.