Herzogin Meghan hat im Rechtsstreit mit dem Verlag der "Mail on Sunday" einen bedeutenden Teilerfolg errungen. Ein Gericht in London gab dem Antrag der 39-Jährigen auf eine Abkürzung des Verfahrens am Donnerstag statt. Zudem folgte der Richter der Auffassung von Meghans Anwälten, wonach sie durch die teilweise Veröffentlichung eines Briefs an ihren Vater in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt wurde.

"Die Klägerin hatte die nachvollziehbare Erwartung, dass die Inhalte des Briefes privat bleiben würden", hieß es in der Entscheidung des Gerichts am Donnerstag. Die Zeitung habe dies verhindert.

Noch nicht endgültig entschieden hat das Gericht über die Frage, inwieweit ob auch Meghans Urheberrechte durch die Veröffentlichung des Briefs beeinträchtigt wurden. Zwar sah der Richter eine Rechtsverletzung als gegeben an, geklärt werden müsse aber noch, ob Meghan alleinige Urheberin des Briefs war. Das Schreiben war von der Presseabteilung des Palasts redigiert worden.

Verfahren war Bumerang

Bisher hatte sich das Verfahren für Meghan aber eher als Bumerang erwiesen. Aus den Anhörungen und Sitzungsdokumenten gelangten zahlreiche Details aus dem Streit mit ihrem Vater an die Öffentlichkeit. Die beiden liegen seit der Hochzeit Meghans mit Harry im Frühjahr 2018 im Clinch. Thomas Markle hatte seine Teilnahme zu dem Spektakel mit Hunderttausenden Schaulustigen in Windsor kurzfristig abgesagt - wegen gesundheitlicher Gründe, wie er es darstellt. Seitdem sind die beiden zerstritten.

Beim Rechtsstreit geht es um die Frage: Wieviel Recht auf Privatleben hat ein berühmtes Paar, das seine Berühmtheit auch gewinnbringend vermarktet. - © APA / SAEED KHAN / AFP
Beim Rechtsstreit geht es um die Frage: Wieviel Recht auf Privatleben hat ein berühmtes Paar, das seine Berühmtheit auch gewinnbringend vermarktet. - © APA / SAEED KHAN / AFP

Den handgeschriebenen Brief Meghans hatte der Senior selbst an die Journalisten der "Mail on Sunday" gegeben. Er habe damit sein öffentliches Image rehabilitieren wollen, begründete er den Schritt. Zuvor hätten Freunde Meghans ihn in einem Interview in schlechtem Licht dargestellt, findet er.

Reinen Tisch

Meghan wollte nach eigenen Angaben mit dem Schreiben reinen Tisch machen. Doch Thomas Markle zufolge war darin nichts als Kritik. "In dem Brief stand nicht, dass sie mich liebt. Nicht einmal wie es mir geht, wurde darin gefragt. Keine Sorge über die Tatsache, dass ich einen Herzinfarkt erlitten hatte, kam darin zum Ausdruck und keine Fragen zu meiner Gesundheit", hieß es in einer schriftliche Stellungnahme vor Gericht. Meghan habe die Vater-Tochter-Beziehung mit dem Brief aufkündigen wollen, ist sich Thomas Markle sicher.

Aus Sicht von Meghan und Harry ist der Rentner selbst zum Opfer der Medien geworden. Die ehemalige Schauspielerin wirft den Journalisten vor, den Streit mit ihrem Vater erst angefacht zu haben, um darüber berichten zu können. Thomas Markle sei belästigt, ausgenutzt, manipuliert und erniedrigt worden, hieß es in einer Stellungnahme von Meghans Anwalt.

Gestellte Paparazzi-Aufnahmen

Abgesagt hatte der Brautvater seine Teilnahme an der Hochzeit laut Meghans Anwälten bereits einige Tage vor seinem Herzinfarkt, weil er sich wegen eines Berichts in der "Mail on Sunday" geschämt habe. Das Blatt hatte aufgedeckt, dass Markle für gestellte Paparazzi-Aufnahmen posiert hatte, die ihn bei Vorbereitungen zu dem Fest zeigen sollten. Zum Ärger der Royals ließ sich Thomas Markle seitdem immer wieder interviewen und packte gegen Geld aus, wie er inzwischen offen zugibt - für die britische Königsfamilie ein unverzeihlicher Tabubruch.

Lässig zu zweit vor der Kamera: Prinz  Harry und Herzogin Meghan. - © APA / REUTERS / Phil Noble/File Photo
Lässig zu zweit vor der Kamera: Prinz  Harry und Herzogin Meghan. - © APA / REUTERS / Phil Noble/File Photo

Im Kern des Verfahrens vor Gericht steht aber die Frage, wie viel Recht auf Privatsphäre Royals wie Meghan und Harry beanspruchen dürfen und wie schwer das Recht der Öffentlichkeit auf Informationen über die Super-Promis wiegt.

Vermarkten die eigene Berühmtheit

Die beiden leben inzwischen mit ihrem einjährigen Sohn Archie im kalifornischen Santa Barbara, nachdem sie sich vor einem knappen Jahr aus dem engeren Kreis der britischen Königsfamilie verabschiedet hatten. Auch dabei spielte der Wunsch auf ein Leben ohne ständige Beobachtung durch Boulevardmedien eine Rolle.

Die Unabhängigkeit von öffentlichen Mitteln, die sie inzwischen erlangt haben, dürfte zu ihren Gunsten sprechen. Auf der anderen Seite vermarkten die beiden inzwischen mit millionenschweren Deals mit Streamingdiensten wie Netflix und Spotify nichts Anderes als die eigene Berühmtheit. Das wiederum könnte dafür sprechen, dass sie es auch in Kauf nehmen müssen, wenn über die wenig schmeichelhaften Aspekte ihres Lebens berichtet wird. (apa)