Einen interessanten Schritt wagt der US-Konzern Amazon mit seinem Streamingservice Amazon Prime in Deutschland. Das Unternehmen hat um eine Lizenz für einen Linear-TV-Sender angesucht und diese nun auch erhalten. Im Gegensatz zu klassischen Fernsehsendern, die ausgehend von einem linearen Angebot verstärkt auf Streaming und dabei eher auf On-Demand-Angebote setzen und diese ausbauen, geht Amazon hier den umgekehrten Weg.

Wie die deutsche Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) mitteilte, stehen dem Projekt keine Gründe zur Sicherung der Meinungsvielfalt entgegen. Eine entsprechende Lizenz hat der Konzern bei der Bayerischen Landesmedienzentrale (BLM) beantragt und laut der KEK-Mitteilung auch genehmigt bekommen. Somit kann Amazon in kurzer Zeit mit einem eigenen Fernsehangebot starten. Ob dies unter dem Sendernamen Prime Video Live erfolgen wird oder es doch noch zu einer Namensänderung kommt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Ebenfalls keine näheren Details wurden zum Programmangebot und zur Ausrichtung des TV-Senders bekannt. Amazon Prime bietet bereits ein breites Portfolio an Serien, zu den Exklusivtiteln zählen etwa "Vikings", "Modern Family", "Transparent" oder "Fear the Walking Dead". Besonders stark wird auch in das deutschsprachige Angebot investiert: etwa eine Neuverfilmung von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" als achtteilige Serie. In der Comedyshow "LOL: Last One Laughing" versammelt Michael Bully Herbig zehn bekannte Comedians, darunter Anke Engelke, Barbara Schöneberger, Kurt Krömer und Teddy Teclebrhan. Einzige Regel: Sie dürfen nicht lachen. Amazon arbeitet auch an der Serienverfilmung von Wolfgang Hohlbeins Fantasy-Buch "Der Greif". Ein weiteres Projekt ist die Serie "Luden", im Rotlichtmilieu auf der Hamburger Reeperbahn der 1970er. Auch an Filmen würde es nicht mangeln.

Ein Sendeplatz für Sportrechte?

Es scheint jedoch, dass Amazon in Deutschland seine jüngst erworbenen Sportrechte ins TV bringen will. Schon ab der Saison 2021/22 könnte es etwa die Top-Spiele der Uefa Champions League am Dienstagabend übertragen. Auch entsprechende andere Events im Sportbereich oder Live-Musikproduktionen, sobald diese wieder in der Realität umsetzbar sind, wären denkbar. Auch die im Vorfeld kolportierte Möglichkeit, es könnte sich um einen Kanal mit Teleshopping-Inhalten handeln, scheint durchaus schlüssig. Amazon könnte so seine bekannten Rabatt- und Sonderaktionen auf eine neue Plattform bringen.

Es war zudem bereits darüber spekuliert worden, ob Amazon den linearen Sender aus Kostengründen und aufgrund des zu sendenden Materials in Kooperation mit einem externen Partner auf die Beine stellen wird. Interessant ist das vor allem, weil viele Werbetreibende dem linearen Fernsehen keine gute Zukunft voraussagen - insbesondere für jugendliche Zielgruppen.