Um sich an die letzte Sendung von "Starmania" zu erinnern, muss man schon ein wenig weiter zurückdenken. Der Gewinner der bekannten ORF-Castingshow vom 30. Jänner 2009 war ein gewisser Oliver Wimmer. Der Erfolg war dennoch bescheiden oder zumindest nicht nachhaltig, erschien doch seine letzte Single im Jahr 2011. Die Zweitplatzierte der damaligen Finalshow, Silvia Strasser, ist heute kaum noch ein Begriff. Sie hat nicht einmal eine eigene Wikipedia-Seite.

Und doch stehen diesen Namen auch andere Namen gegenüber, die sehr wohl eine große Karriere gemacht haben: Christina Stürmer etwa, damals ebenso Zweite, schaffte den Sprung nach Deutschland und konnte sich nachhaltig etablieren. Von Tom Neuwirth ganz zu schweigen: Er reüssierte freilich erst, als er sich als Conchita Wurst neu erfand und so den Song Contest gewann. Auch Nadine Beiler ist heute durchaus etabliert.

Wer es schaffen wird, sich in den kommenden Monaten einen Namen zu machen, entscheidet sich ab Freitag in ORF1. "Starmania" wird als "Starmania21" runderneuert in den Kampf um den Freitagabend gehen. Eine Konstante dabei: Moderatorin Arabella Kiesbauer. Die Wienerin war bereits über vier Staffeln von 2002 bis 2009 hinweg als "Starmania"-Host engagiert. Für den ORF wechselte sie nach einem langjährigen Engagement bei ATV und zuletzt beim österreichischen "The Masked Singer" (Puls4) zu "Starmania" zurück. Das Comeback wird zehn Ausgaben umfassen.

Vom neuerlichen Erfolg zeigt sich Kiesbauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" überzeugt. "Castingshows sind die Urgesteine der TV-Unterhaltung und laufen seit vielen Jahren erfolgreich." Ginge es nach ihr, hätte man "Starmania" nie einstellen sollen, wie die deutschen Shows zeigen, die seit bald zwei Jahrzehnten laufen. Aber natürlich sei es eine Herausforderung, einerseits die Marke weiterzuführen und andererseits das Bedürfnis nach den nostalgischen Erinnerungen zu bedienen. "Es gilt, beide Seiten zu streicheln, aber man muss ganz klar sagen, dass der Fokus auf die Zukunft gerichtet ist. Die Welt hat sich weiterentwickelt und natürlich auch das Fernsehen."

Schutz vor toxischem Klima

Immerhin hat sich auch die Rezeption von Musik in den vergangenen zwölf Jahren verändert, vor allem auch technologisch. "Die junge Leute haben eine ganz andere Art, Fernsehen zu konsumieren. Die bei der Stange zu halten ist eine Herausforderung." Zwar haben die sozialen Medien die Räume eng gemacht, aber das Fernsehen sei nach wie vor Teil des Portfolios - auch bei den jungen.

Noch deutlich mehr als in den ersten vier Staffeln stellt sich die Frage des Schutzes der Kandidaten vor dem toxischen Klima in den sozialen Medien. Zwar waren die sozialen Medien 2009 noch in den Kinderschuhen, dennoch gab es auf anderen Wegen "einerseits überbordende Liebe der Fans andererseits auch heftige Kritik, die geäußert wird", so Kiesbauer. "Das ist für jeden Menschen ein Thema, der plötzlich auf einer großen Bühne steht." Und der Umgang damit sei schwierig - damals wie heute. Um die Kandidaten zu unterstützen, stellt der ORF jedem Kandidaten einen eigenen Ansprechpartner zur Verfügung, intern "Schatten" genannt. Zudem ist eine Psychologin an Bord, die konsultiert werden kann.

Wichtig ist für Kiesbauer, dass die Kandidaten "bei sich bleiben und nicht alles für bare Münze nehmen, was über sie geschrieben wird". Denn "Beschimpfungen und Schmähungen bleiben leider auch nicht aus", sagt sie, durchaus auch aus eigener Erfahrung. "Wir haben alle viel Erfahrung im Geschäft und geben diese auch gerne weiter", versichert sie. "Aber manchmal hat das Berühmtsein auch etwas vom Teufel, der einem die Hand reicht."

Ein großes Problem bei dieser Staffel ist natürlich auch die aktuelle Covid-19-Pandemie. Um zu verhindern, dass "Starmania" zu "The Masked Singer" wird, hat man schon im Vorfeld Maßnahmen ergriffen. Tägliche Tests stehen genauso auf der Tagesordnung wie eine deutlich vergrößerte Bühne, um den Sicherheitsabstand wahren zu können. "Wir haben die größte Bühne aller Zeiten. Das macht die Sache für mich nicht einfacher, weil ich ja bei der Moderation sehr touchy bin." Sie sei als Moderatorin gerne an den Menschen dran. "Aber da geht es mir privat und beruflich gleich: Da können wir halt nicht so, wie wir gerne wollen."

Kein Live-Publikum

Eine weitere Maßnahme: Live-Publikum wird es diesmal nicht geben. Lediglich die Kandidaten und das Team sind im Raum. Das wurde auch bei anderen Shows so praktiziert. "Ich habe diese Erfahrung schon gemacht, war aber am Anfang auch sehr skeptisch", sagt Kiesbauer. Die Erfahrung zeigt allerdings: Wenn man flexibel bleibt, funktioniert es gut. "In dem Moment der Entscheidung kommt auch ohne Publikum Begeisterung auf." Dennoch sie das Publikum als Energie-Lieferant sehr wichtig. "Es macht es einem viel einfacher. Das fällt natürlich weg."

Zwar gibt es kein offizielles Alterslimit, dennoch ist auch heuer kein Teilnehmer über vierzig dabei. Warum das so ist? "Das müssen Sie die Bewerber fragen", meint Kiesbauer. Möglicherweise hätten eher junge Leute den brennenden Wunsch, bei so einer Show ihr Glück zu probieren. "Das macht man vielleicht nicht, wenn man in einem anderen Beruf schon gesettelt ist." Unbedarftheit sei nun einmal ein Privileg der Jugend. Wenn man älter werde, "macht man sich vielleicht mehr Gedanken, wie das alles vom Umfeld wahrgenommen wird". Kiesbauer selbst freut sich immer, wenn sich ausgefallene Typen bewerben. "Ich meine da nicht nur das Alter, sondern Menschen, die etwas aus dem Rahmen fallen."

"Von nichts kommt nichts"

Bei den doch erheblichen Unterschieden der Karrieren nach "Starmania" stellt sich natürlich die Frage, was man sich 2021 von der Show erwartet. "Die Erwartung ist schon ganz klar: Wir wollen den neuen Star des Jahres finden. Jemand, der wahnsinnig gerne Musik macht und der damit die Massen begeistern kann." Es müsse aber kein reiner Popstar sein, auch ein Singer/Songwriter habe stets gute Chancen. "Starmania bleibt, was es ist: eine riesengroße Plattform. Aber wie es im Leben so ist: Es braucht dann auch Eigeninitiative und natürlich etwas Glück, um die ganz große Karriere zu machen." Bei Christina Stürmer und Tom Neuwirth (Conchita Wurst) habe dann eben auch das Gesamtpaket gepasst. "Es ist wirklich immer dasselbe: Von nichts kommt nichts."