Wie observiert man unauffällig ein Warenlager, in dem sich ein Drogen-Großhandel abspielen soll? Ganz einfach: Man stellt sich mit einem Oldtimer-BMW in Sonderfarbe genau vor die Türe. Aus dem hinteren Fenster muss zudem unbedingt ein Albino-Pfau herausschauen, den man vorher aus dem Sperrmüll gerettet hat. Und man muss auch so aussehen, als ob man es nötig hätte, im Müll nach Verwertbarem zu fischen. Und zu zweit im Auto sitzen. Erst dann verschmilzt man geradezu mit seinem Hintergrund und wird unsichtbar.

Und da sitzen sie dann, die Ermittler Gilles (Jürgen Vogel) und Samuel (Serkan Kaya) und reden über Gott und die Welt. Also über Frauen, Dates und den gepflegten Herrenwitz. Ab und zu meldet man sich per Funk in der Zentrale: "KBV" sagt man da - "Keine besonderen Vorkommnisse". So heißt auch die neue eigenproduzierte Miniserie auf dem RTL-Streamingportal "TVnow". In ihr dreht sich alles um die Dialoge. Und die sind so genial geschrieben wie die Paare besetzt.

Denn auch in der Zentrale wird geredet. Hier kommt dass Frauen-Duo zu Wort. Annette Frier und Maike Jüttendonk liefern das großartige Gegengewicht zum testosteronschwangeren BMW-Talk. Hier geht es um onanierende Teenager, aufdringliche Männer und die Frau im Polizeidienst. Denis Moschitto und Rocko Schamoni übernehmen als Gangsterduo die dritte Paarung.

Dass TVnow die Serie mit einem Augenzwinkern als "seine langweiligste Serie" ankündigt, ist natürlich bewusstes Tiefstapeln. Denn die zwar einfach gestrickten aber doch sehr lustigen Dialoge tragen die Serie locker über die halbe Stunde pro Folge. Dass sonst nicht viel passiert, stört nicht. Denn immerhin gibt es da noch das große Finale, in dem sich die Dinge im wahrsten Sinn des Wortes überschlagen.

Das ungewöhnliche Konzept der Serie hat schon beim Vorbild in Australien im Publikum ausgezeichnet funktioniert. "No Activity" heißt das Original und auch dort muss man auf Action, Geballer und schnelle Schnitte verzichten. Stattdessen erleben Schauspielstars ereignislosen Polizei-Alltag. Die US-Version läuft bereits auf Prosieben Fun.

Premiere im Autokino

Schauspielerin Anette Frier sprach in einem Interview von "einem Fest für uns Schauspieler". "Es passiert nichts, aber man redet darüber, was alles passiert." In der Tat lockt das das komödiantische Talent der Schauspieler hervor. Dass der Regisseur wegen Quarantäne drei Drehtage von zu Hause aus dirigieren musste, hat dem Produkt nicht geschadet. Auch die Premiere in einem Autokino in Köln war da nur logisch. Eine zweite Staffel von "KBV" hat der Streamingdienst unterdessen schon bestellt.