In Deutschland tobt eine Auseinandersetzung rund um Klemmbausteine - auch bekannt als Noppenbausteine oder Steckbausteine. Dabei handelt es sich um modulare Konstruktionselemente, die üblicherweise aus Kunststoff gefertigt sind und die sich formschlüssig zusammenbauen lassen. Klingt nicht spannend, ist es aber. Denn der bekannteste Vertreter dieser Noppenbausteine ist Lego, und das dänische Unternehmen steckt nun mitten in einem imageverlustträchtigen Kampf mit einem deutschen Importeur. Die Wellen schlagen dabei nicht nur nach China und Österreich, sondern sorgen für heftige Diskussionen weltweit. Vor allem aber in den Sozialen Netzwerken. Mittlerweile denken einige Händler bereits über einen Boykott nach.

Aber erst einmal der Reihe nach und an den Anfang: Am Beginn der aktuellen Auseinandersetzung steht wieder einmal die Frage von Marktbeherrschung und Monopolen, von dreisten Nachbauten und giftigen Plastikbausteinen und YouTube-Stars gegen den bekanntesten Noppenbausteinhersteller.

Der deutsche Kleinunternehmer Thorsten Klahold mit seinem Klemmbaustein- und Online-Shop "Steingemachtes" will sich unter anderem als Generalimporteur eines chinesischen Lego-Konkurrenten namens Qman am Markt etablieren. Das Spezielle in diesem Fall: Der asiatische Hersteller setzt nicht nur auf Modelle für Erwachsene (Militaria und Technikbausätze sind allem Anschein nach bei größeren Bausteinfans besonders beliebt), sondern auch auf Kindersets. Eine verstärkte Aktivität eines Importeurs würde für den dänischen Konzern einen potenten Mitbewerber am Markt bedeuten. Und im Vergleich zu einigen anderen Herstellern, die dreiste Plagiate und Billig-Kopien von Lego-Sets auf den Markt bringen, werden hier eigene Designs umgesetzt. Nach einem kurzen Abmahnschreiben, in dem dem Händler Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen werden, wurde nun eine Lieferung von Noppenbausteinen von Qnam aus China im Hafen von Bremerhaven festgesetzt. Zunächst schien unklar, wer hier eine entsprechende Anzeige gemacht haben könnte, laut Klahold kristallisierte sich aber schon bald Lego hinter dieser Aktion heraus. Die Ware darf nun bis zur Klärung der Vorwürfe nicht gelöscht werden. Und neben den Lagerkosten, die der chinesische Hersteller übernehmen will, könnten entsprechende Anwaltskosten anfallen, wenn dies der Beginn einer jahrelangen, juristischen Auseinandersetzung wird. Außerdem steht der Händler nun auf der "schwarzen Liste" beim Zoll und hat daher, laut eigener Aussage, mit Rufschädigung und Problemen beim Import weiterer Produkte zu rechnen. Durch das Festhalten der Ware beim deutschen Zoll können auch andere Händler nicht beliefert werden.

YouTuber solidarisieren sich

Wer sich seit seiner Kindheit nicht mehr mit Lego beschäftigt hat, dem sei hier gesagt, dass die Konkurrenz mittlerweile ziemlich groß geworden ist: BlueBrixx, CaDa, Cobi, Qman oder auch Sembo, um nur einige Anbieter zu nennen. Längst sind es keine billigen Kopien, wiewohl es noch genug Plagiatoren im asiatischen Raum gibt, die dem dänischen Konzern übel mitspielen. Erst 2020 konnte sich Lego gegen einen chinesischen Produzenten durchsetzen, der Lego-Sets 1:1 kopierte und unter dem Namen Lepin zu einem Zehntel des Originalpreises vertrieb. Laut Medienberichten lief die Produktion in den Fabriken aber bereits kurz nach dem Urteil wieder an. Die Lego-Plagiate wurden einfach unter anderen Namen vertrieben.

Und wer kennt nicht den klassischen Lauf des Erwachsenwerdens - von Duplo und Playmobil hin zu Lego und dann Lego Technic. Wer von klein auf damit aufwächst, der wird es auch bei seinen Kindern nicht viel anders machen.

Doch mittlerweile steigt auch die Anzahl spezialisierter Händler, die nicht mehr nur Lego, oder gar nur mehr alternative Anbieter verkaufen, stetig an. Lego reagiert darauf aber nicht nur mit Klagen, sondern auch teuren Lizenzprodukten, von Star Wars, Harry Potter, Marvel oder Super Mario bis hin zu Ghostbusters.

Doch gerade in der YouTuber-Szene haben sich in den letzten Jahren auf jeden Fall die kritischeren Stimmen gegenüber Lego gehäuft, vor allem was die Qualität und den Preis dieser teuren Lizenzsets betrifft.

Bereits vor einiger Zeit ging Lego gegen einen anderen bekannten YouTuber und Händler mit Abmahnschreiben vor. Thomas Panke, seines Zeichens Spielwarenhändler und Videoproduzent auf Twitch und YouTube, bespricht seit 2014 auf seinem Kanal "Held der Steine" nicht nur Lego-, sondern auch Konkurrenzprodukte. Er kritisiert und lobt und wurde durch Auseinandersetzungen mit Lego noch bekannter.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Lego den Noppenstein nicht erfunden hat. Schon in den 1930er Jahren existierten Spielzeug-Bausysteme aus Pressholz- oder Gummisteinen, auf deren Oberseite sich kleine Noppen befanden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs brachten Firmen aus Großbritannien und den USA die ersten Kunststoffsteine auf den Markt. Ein Unternehmen trug den Namen Elgo. 1958 meldete dann die dänische Firma Lego ein Patent auf Bausteine an - mit der Besonderheit, dass diese auf der Unterseite nicht komplett hohl waren, sondern kleine Röhren besaßen, an denen sich die Noppen des darunter liegenden Steins festklemmen lassen.

Doch dieses Patent lief bereits 1978 aus und somit darf nun jeder Klemmbausteine produzieren und verkaufen. Auch auf die kleinen Spielfiguren, die den Boxen beiliegen, besitzt Lego kein Patent mehr - allerdings noch eine sogenannte 3D-Marke. Die schützt keine technischen Erfindungen, also keine Funktionen, sondern die optische Unverwechselbarkeit eines Produkts. Insbesondere das bekannte Design der Lego-Figuren.

Spendenaktion als Protest

Und genau um diese Figuren geht es im aktuellen Fall. Wer sich ein Bild davon machen will, dem seien die YouTube-Videos von Klahold ("Johnny’s World") und Panke empfohlen und ausführliche Updates finden sich bei Justbricks.de. Auch aus Österreich kamen kritische Stimmen zur derzeitigen Entwicklung, der Betreiber des Shops "Die Klemme" veröffentlichte ebenfalls ein Unterstützungsvideo. Lego betonte in kurzen Statements, dass man rechtliche Schritte nur dann ergreifen würde, wenn es notwendig sei. Für Lego ist es ein Dilemma, als Inhaber einer Wortmarke muss sich dieser, laut Gesetzgeber aktiv schützen, ansonsten kann er sie verlieren. In anderen Branchen ist das selbstverständlich. Klahold will den Rechtsstreit auf jeden Fall durchziehen. Alleine diese Tatsache könnte man schon als einen Imageschaden für Lego werten, doch trat Klahold eine andere Lawine los.

Am Ende seines ersten YouTube-Videos zur aktuellen Causa erklärte der deutsche Händler, dass er die Spendenaktion "Bricks4Kids" starte. Nicht für sich, sondern für Kinderheime. Jeder, der seiner Kritik gegenüber Lego, wegen Abmahnungen, der Preispolitik oder sinkender Qualität, Luft machen wolle, solle spenden. Ab 30.000 Euro würde Klahold einen Container voller Qman-Bausteine zum Selbstkostenpreis importieren und an Kinderheime verteilen. Mit dem Erfolg seiner (Protest-)Aktion und der Resonanz in der Welt der Bausteine konnte nicht einmal der Initiator rechnen: Innerhalb weniger Tage überstiegen die Spenden eine Gesamtsumme von 300.000 Euro. Tendenz steigend. Man darf gespannt sein, wie man bei Lego reagiert.