Rund 4,4 Millionen Leser und Leserinnen haben 2020 täglich zu einer österreichischen Tageszeitung gegriffen. Das entspricht einer Reichweite von 58,3 Prozent, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Daten der Media-Analyse hervorgeht. Der erste coronabedingte Lockdown im März und April des Vorjahres führte zu Einschränkungen bei der Erhebung. Daher sind die Daten erneut nicht mit Vorjahreswerten vergleichbar, heißt es in den Unterlagen.

So wurden alle 1.273 Interviews aus dem Zeitraum 16. März bis 14. April entfernt und durch jene aus dem Vergleichszeitraum des Jahres 2019 ersetzt. Es konnten nicht ausreichend persönliche Interviews (CAPI) durchgeführt werden. Diese sind vor allem wichtig, um nicht internetaffine ältere Personen zu erreichen. Die vorhandenen persönlichen Interviews mussten hochgewichtet werden, da eine erhöhte Anzahl an Online-Befragungen sie laut Media-Analyse nicht ersetzen könnte. Die Media-Analyse 2020 basiert insgesamt auf 14.449 Interviews im Zeitraum Jänner bis Dezember 2020 mit Personen ab 14 Jahren. Die Reichweiten beziehen sich sowohl auf die Print- als auch die E-Paper-Ausgaben.

"Standard" liegt vor "Kurier"

Die größte Tageszeitung des Landes ist weiterhin die "Kronen Zeitung" mit 25 Prozent Reichweite, das sind rund 1,9 Millionen Leser. Die "Kleine Zeitung" kam auf 10,2 Prozent, das entspricht 772.000 Lesern. Die Gratiszeitung "Heute" erzielte 9,5 Prozent. Für die Kauf-/Gratis-Kombi "Österreich"/"oe24" wies die Media-Analyse eine Reichweite von 7,5 Prozent aus. Die Kauf-Version "Österreich" alleine kam auf 4,5 Prozent, die Gratis-Ausgabe "oe24" auf 4,1 Prozent.

"Der Standard" lag mit 7 Prozent (526.000 Leser) knapp vor dem "Kurier" mit 6,7 Prozent (509.000 Leser). Die "Oberösterreichischen Nachrichten" hatten 5,2 Prozent Reichweite, gefolgt von der "Presse" mit 4,3 Prozent. Die "Tiroler Tageszeitung" kam auf 3,9 Prozent, die "Salzburger Nachrichten" auf 3 Prozent und die "Vorarlberger Nachrichten" auf 2 Prozent. Das Schlusslicht war mit 0,4 Prozent die "Neue Vorarlberger Tageszeitung".

Fellner: "Media-Analyse stimmt nicht"

Die regionalen Wochentitel dominierten die Regionalmedien Austria (RMA) mit 44,3 Prozent (3,3 Mio. Leser). Die "Niederösterreichischen Nachrichten" lagen bei 6,1 Prozent. Bei den Wochenzeitungen und Magazinen kam "Die ganze Woche" auf 9,5 Prozent, "tv-media" erzielte 6,8 Prozent, "Profil" 3,7 Prozent, der "Falter" 3,2 Prozent und "News" 2,5 Prozent. Aus dem Red Bull Media House kam "Servus in Stadt & Land" auf 11,3 Prozent und "The Red Bulletin" auf 7,9 Prozent.

"Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner meldete sich am Donnerstag einmal mehr mit Kritik an der Media-Analyse zu Wort. Er will den Kontrollausschuss und ein Schiedsgericht anrufen. "Die Media-Analyse stimmt nicht mehr mit der Realität überein", meinte er gegenüber der APA. Sie erreiche offenbar zu wenige Gratiszeitungsleser, so Fellner. Als Begründung verwies er auf die von der ÖAK ausgewiesene verbreitete Auflage von rund 480.000 Stück für "oe24" im Vorjahr. Dass diese laut Media-Analyse lediglich 312.000 Personen lesen, sei nicht stimmig.(apa)