Der große Erfolg der Talk-App Clubhouse hat die Konkurrenz aufgeschreckt und aufgeweckt. Die Sozialen Netzwerke, seit einiger Zeit wieder verstärkt in der Diskussion wegen Datenschutz, Monopolisierung und wenig Innovation, hatten nicht damit gerechnet, dass ihre Nutzer in Zeiten von Videokonferenzen und Video-Apps auf einmal Sprache, freie Diskussionsräume und Zuhören für sich (neu) entdecken würden.

So begannen die bekannten Größen der Netzwerkszene, allen voran Facebook und Twitter, nach ähnlichen Lösungen zu suchen. Die eigenen sozialen Netzwerke sollten um einen virtuellen Diskussionsraum erweitert werden. Wie sich zeigte, klang dies allerdings weitaus einfacher, als es dann umgesetzt werden konnte.

Live Audio Rooms

Doch nun hat Facebook, immer noch das weltgrößte Online-Netzwerk, in der Nacht zum Dienstag einen ähnlich funktionierenden Konkurrenzdienst mit dem Namen Live Audio Rooms vorgestellt. Damit soll die Abwanderung von Nutzern auf andere Plattformen gestoppt werden. Facebooks Vorteil könnte in der bereits vorhandenen Basis von mehr als 2,5 Milliarden Nutzern liegen, während Clubhouse sie neu gewinnen muss.

Bei Clubhouse können zahlreiche Nutzer an Talkrunden teilnehmen. Nur einige von ihnen können gleichzeitig sprechen. Clubhouse hat seinen Sitz in San Francisco und ist eine audio-basierte Social-Network-App. Sie hat nach eigenen Angaben rund zehn Millionen aktive Nutzer pro Woche. Zuletzt hatte Clubhouse an Popularität gewonnen, nachdem dort auch die Milliardäre Elon Musk und Mark Zuckerberg aufgetaucht waren. Sie gibt es bisher nur für das iPhone, eine Version für Smartphones mit dem Google-System Android ist in Arbeit. Eine kürzlich abgeschlossene Investmentrunde hat zu einem neuen Rekord geführt und macht die Audio-App nun zu einem 4 Milliarden Dollar schweren Unternehmen.

Auch Twitter testet bereits eine Clubhouse-Kopie. Dies ist insofern interessant, als Twitter in den letzten Monaten in direkten Übernahmegesprächen mit Cluhouse stand, seinen Mitbewerber aber nicht aufkaufen konnte. Die Gespräche sind nun allerdings beendet. Fast zeitgleich mit Facebook kündigte auch die Plattform Reddit einen ähnlichen Dienst an.

Facebook geht jedoch auf breiterer Front in die Audio-Offensive. In einer Kooperation mit dem Musikstreaming-Marktführer Spotify wird man Podcasts direkt in der Facebook-App hören können. Facebook will dabei basierend auf seinem Wissen über die Interessen der Nutzer einzelne Podcasts vorschlagen.

Mit "Soundbites" will Facebook kurze Audiobeiträge auf seiner Plattform einführen. Facebook ist bekannt dafür, Funktionen erfolgreicher Rivalen in seinen Diensten zu kopieren - wenn es nicht gelang, sie zu kaufen, wie den Chatdienst WhatsApp 2014.

Die Kopien sind nicht immer erfolgreich: So versuchte Facebook mehrfach, die von alleine verschwindenden Fotos bei Snapchat nachzuahmen, die Apps wurden aber wieder eingestellt. Mit der Kopie von Snapchats Stories-Funktion, bei der Nutzer Fotos und Videos für ihre Freunde für einen Tag verfügbar machen können, landete Facebook dagegen einen Volltreffer. Wer am Ende bleibt, wird sich weisen.