Lange Zeit waren die gängigen Zahlungsmittel in der digitalen Welt die Kundendaten. Die Nutzer geben diese freiwillig preis und erhalten Zugriff auf Produkte. Tracking, nicht nur von den Webseitenbesuchen im Internetbrowser, sondern auch und gerade die Auswertungen von Bewegungsprofilen über Smartphones und Apps führen zu personalisierter Werbung. Doch was passiert, wenn die Anwender selbst wieder bestimmen können, wer ihre Daten verwenden darf?

Entscheidungsfreiheit

Die Antwort darauf kristallisiert sich soeben heraus. Apple hat mit iOS 14.5 einen strengeren Datenschutz eingebaut. Unternehmen, beziehungsweise deren Apps müssen nun um die Erlaubnis bitten, um für personalisierte Werbung Daten, teils auch basierend auf dem Surfverhalten außerhalb der App, erheben zu dürfen.

Die Konsequenz: Laut einer Analyse der Firma Flurry sollen nämlich nur 11 bis 13 Prozent der Apple-Nutzer dem Werbetracking uneingeschränkt zustimmen. In den USA sind es wohl sogar nur vier Prozent. Die Erhebung basiert auf einem Plug-in, das in mehr als einer Millionen Apps integriert ist und insgesamt eine Anwenderbasis von etwa zwei Milliarden mobiler Geräte aufweist. Auf der anderen Seite gibt es aber auch nur fünf Prozent der Nutzer, die ihr Apple-Gerät so einstellen, dass die Apps erst gar nicht nach einer Erlaubnis fragen dürfen - Komplettverweigerer scheint es also nur wenige zu geben. Es scheint allerdings, dass diese geringe Quote nur damit zu tun hat, dass viele Nutzer gar nicht wissen, dass und wie man diese Verweigerung global aktivieren kann.

Die entsprechenden Einstellungen finden sich im Punkt "Einstellungen", dort im Untermenü "Tracking". Wird die neue Funktion "App-Tracking-Transparenz" aktiviert, werden Apps daran gehindert, auf Geräte-ID und weitere Daten zuzugreifen. Beim Starten einer neu installierten App werden Anwendern, sofern die Entwickler die Funktion schon integriert haben, künftig vor der Nutzung einmalig gefragt, ob die App "Aktivitäten in Apps und auf Websites anderer Unternehmen erfassen" darf.

Der komplette Einbruch

Damit bricht das Werbe-Targeting auf der iOS-Plattform nahezu vollständig ein. Der Effekt ist so dramatisch, dass er sich tatsächlich, wie Facebook gewarnt hatte, auf die Betriebsergebnisse der Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle darauf gegründet hatten, auswirken wird. Von Seiten Apples hieß es dazu lediglich, dass ein Geschäftsmodell, das auf Datensammelei beruhe, eben reformiert werden müsse.

Ein wesentliches Element in der Diskussion ist hier zudem das Thema Transparenz. Für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Kunden und App-Entwickler ist es unerlässlich, zu wissen, welche Daten genau gesammelt werden und was danach damit passiert. Genau das will Apple seit einigen Zeit mit seinen verpflichtenden "Privacy-Labels" für den eigenen App Store garantieren. Und in diese Kerbe schlägt nun auch Google.

Im Play Store soll nun aufgeführt werden, welche App welche Daten sammelt, wofür diese genutzt werden und was davon mit Dritten geteilt wird. Dabei soll auch deutlich gekennzeichnet sein, welche Einstellungen optional sind und welche für die Nutzung der App eine Voraussetzung darstellen. Wie auch bei Apple handelt es sich dabei zwar um Angaben, die die App-Hersteller selbst liefern müssen - stellt sich aber heraus, dass hier falsche Angaben gemacht wurden, könnten Apps, nach einer Warnung und der Aufforderung dies zu korrigieren, im schlimmsten Fall aus dem Play Store entfernt werden.

Das US-Unternehmen will den Anwendern noch weitere Informationen zu Apps liefern. Unter anderem soll etwa ausgewiesen werden, ob eine App Verschlüsselung zum Datentransport verwendet, ob die diversen Angaben an dieser Stelle unabhängig von Dritten geprüft wurden und zudem soll auch informiert und angezeigt werden, ob eine App bei einer Deinstallation eine vollständige Datenlöschung - also auch auf den Servern des Betreibers - erlaubt. Die neuen Regelungen werden erst 2022 wirksam werden, sollen dann aber auch für Google selbst gelten. Einer der größten Kritiker der neuen Regelungen ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Wenig überraschend, ist das soziale Netzwerk und dessen Geschäftsmodell durch die Maßnahmen besonders betroffen.

Und so heißt es von dieser Seite auch ziemlich deutlich, dass ein Ablehnen des Trackings und der weiteren Datenverarbeitung am Ende zu einem kostenpflichtigen Facebook führen könnte. Einige Experten sehen diese Gefahr allerdings nicht akut gegeben, da der zu erwartende Verlust von Anwendern noch mehr Schaden anrichten würde.

Auf die Privatsphäre achten

Nutzer werden sich dank der neuen Möglichkeiten in Zukunft auch wieder verstärkt mit Privatsphäre, Datensammeln und den Geschäftsbedingungen der Anbieter auseinandersetzen müssen. Denn die Verweigerung der Zustimmung zum Tracking bedeutet indes nicht, dass Nutzer von iOS künftig keine Werbung mehr sehen. Die bleibt in gleichem Maße wie bisher zu sehen. Der Unterschied besteht darin, dass es sich nicht um personalisierte, sondern schlicht irgendwelche Werbung handelt.

Wer also die lästigen Einschaltungen ohnehin immer ignoriert, wird dies in Zukunft wohl noch unaufgeregter tun können. Denkbar ist aber auch, dass manch ein Nutzer künftig doch wieder zustimmen wird, mit dem Hintergedanken, dass Werbung, die von Interesse sein könnte, schlussendlich sinnvoller ist als Werbung, die das nicht ist.

Aber vielleicht ist auch einfach die Zeit für penetrantes Tracking und überbordendes, intransparentes Werben einfach abgelaufen. Zum Wohle aller Kunden.