Rotterdam. Jubelndes Publikum, ohne Maske oder Abstand - das sind Bilder, die wir im Februar des Vorjahres zuletzt gesehen haben. Seitdem müssen Kulturveranstaltungen, sofern sie überhaupt erlaubt sind, unter sehr eingeschränkten Bedingungen und hohen Sicherheitsstandards stattfinden. Im Vorjahr fiel der Song Contest mangels Tests und Impfungen der virusbedingten Absage zum Opfer. Heuer haben die Veranstalter des Niederländischen staatlichen Rundfunks eine offensive Strategie gewählt. Der Song Contest findet diese Woche nicht nur statt, erstmals seit langem wird es sogar Live-Publikum geben. Das Event wird zur "Versuchsveranstaltung" unter strengen Hygieneauflagen, dafür aber mit 3.500 Zuschauern pro Veranstaltung.

"Open Up" lautet dabei sinnigerweise das aus dem Vorjahr übernommene Motto des ESC - also "Öffne Dich", aber auch "Mach auf". Und was würde nach den Monaten des (Kultur-)Lockdowns besser passen? Dabei geht die European Broadcasting Union (EBU) als Ausrichter äußerst vorsichtig vor und ventilierte im Vorfeld vier mögliche Szenarien zwischen Vollevent und reiner Fernsehshow. Es wird nun Variante B, ein Konzept mit Social Distancing und strengen Testvorgaben für Zuschauer und Teilnehmer.

Abstand und Vorschriften

So dürfen in die sonst bis zu 16.000 Menschen fassende Ahoy-Arena der Stadt maximal 3.500 Menschen als Livegäste. Der Abstand zwischen der personalisierten Plätzen beträgt 1,5 Meter. Dafür darf am Platz auch die Maske abgenommen werden. Zuvor muss ein Schnelltest absolviert werden, und zwar bei einem eigenen Anbieter. Zudem müssen die Besucher jünger als 70 Jahre sein. Auch spezielle Risikogruppen sind nicht zugelassen. Dafür fallen die Ticketpreise für das Finale heuer mit knapp 250 Euro deutlich günstiger aus als in den Vorjahren.

Die Delegationen sind in verschiedenen Hotels untergebracht. Wenn ein Mitglied positiv getestet wird, ist die gesamte Delegation und auch das ganze Hotel vorerst unter Quarantäne - bis ein PCR-Test durchgeführt wird. Die isländische und polnische Delegation soll es schon erwischt haben, auch die im gleichen Hotel stationierten Rumänen und Malteken sind isoliert. Sollte eine Gruppe nicht auftreten können, wird der Auftritt vom Band eingespielt.

Von den im Vorjahr benannten Kandidaten, die dann ob der Absage in die Röhre schauten, kehren heuer 26 zurück - wenn auch mit jeweils neuem Lied, was eine Vorgabe war. Zu diesen gehört mit Vincent Bueno auch Österreichs Hoffnung, der nach der schnelleren Nummer "Alive" im Vorjahr mit "Amen" nun einen ruhigen Popsong im Angebot hat. Er tritt bei zweiten Halbfinale am Donnerstag an. Insgesamt sind mit 39 Teilnehmerländern allerdings zwei weniger am Start, als 2020 vorgesehen waren.

Aus beiden Halbfinalrunden (Dienstag und Donnerstag) steigen wie immer je zehn Länder auf und treffen im Finale auf die fünf Großzahler Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien sowie Gastgeber Niederlande. Insgesamt sind also wieder 26 Kandidaten im Finale. Die Entscheidung über den Gewinn beim größten TV-Unterhaltungsevent der Welt fällt am 22. Mai, wobei zur Hälfte die Zuschauer und die Fachjurys über den Sieger entscheiden. Durch die Shows führt ein Moderationsquartett aus Chantal Janzen, Edsilia Rombley und Nikkie de Jager sowie ihrem Kollegen Jan Smit. (bau)