Es war zu erwarten: Das Finale des Eurovision Song Contest am Samstagabend in den Niederlanden findet ohne den österreichischen Beitrag statt. Vincent Bueno, der 35-jährige Sänger, den der ORF ins Rennen geschickt hatte, verpasste am Donnerstagabend das Finalticket. Seine Ballade "Amen", von der man schon im Vorfeld klarstellen musste, dass sie nicht religiös gemeint ist, scheiterte unter anderem gegen San Marino, Albanien oder Moldawien.

Mit der Entscheidung steht das Tableau für den großen Finalabend am Samstag, der ab 21 Uhr wieder von ORFeins live übertragen wird. Zu den 20 aus den Halbfinali aufgestiegenen Qualifizierten kommen dann die "Big Five" genannten größten Beitragszahler des Bewerbs: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Und auch der heurige Gastgeber Niederlande ist bereits fix für die Endrunde gesetzt. Alle 26 Nationen müssen sich dann vor den wieder erwarteten rund 120 Millionen Fernsehzuschauern beweisen, um die europäische Sangeskrone zu ergattern.

Bueno zeigte sich nach seinem Ausscheiden in einer ersten Reaktion gefasst: "Ich muss ehrlich sagen, ohne es schönzureden: Ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Ich habe mich, glaube ich, sehr gut auf jedes Szenario vorbereitet. Ich muss das jetzt erst einmal verarbeiten. Man kann nicht gleich sagen: Mir geht es so oder so." In jedem Falle sei sein Moment auf der Bühne ein unvergessliches Erlebnis.

Nicht einmal die Bühne betreten, um ein Finalticket zu lösen, musste hingegen die isländische Band Daði og Gagnamagnið, deren "10 Years" lediglich als Video zugespielt wurde. Ganz freiwillig erfolgte die Absenz allerdings nicht, musste die Band nach dem positiven Corona-Test eines Mitglieds doch in Quarantäne - eine Folge der Corona-Vorgaben beim Bewerb. Zu denjenigen, die ESC-Europa für sich gewinnen konnten, gehörten auch die portugiesische Band The Black Mamba mit dem stimmlich herausragenden Frontmann Tatanka und dem Lied "Love Is On My Side" sowie der als Co-Favorit auf den Sieg gehandelte Schweizer Gjon’s Tears mit seiner im Falsett gesungenen Trauerballade "Tout l’univers".

Tanzen in der Hochinzidenz

Aber auch die Partyfraktion konnte reüssieren. So löste das serbische Damentrio Hurricane mit seiner Ballermannhymne "Loco Loco" ebenso ein Finalticket wie San Marinos Kandidatin Senhit mit "Adrenalina", die Griechin Stefania, für die es noch nicht der "Last Dance" war, oder die nicht ganz jugendfrei auftretende Natalia Gordienko aus Moldau, die auch im Finale nach "Sugar" lechzen darf. Auf Windmaschinenerfolgslüften flog Anxhela Peristeri aus Albanien mit offenbar gutem "Karma", während die Bulgarin Victoria mit einem gehauchten "Growing Up Is Getting Old" erfolgreich war. Sie fiel mit Pyjama-Outfit auf, ansonsten ist heuer fast durchgehend bei den Damen Beinfreiheit im Glitzershowbody angesagt. Die Top Ten komplettierte die finnische Band Blind Channel mit ihrem "Dark Side" im Linkin-Park-Stil, das genügend Stimmen aus dem Lager der Langhaarliebhaber bekam.

Dass der Song Contest in Zeiten von Corona überhaupt vor Live-Publikum stattfinden darf (Rotterdam ist immerhin Hochinzidenz-Gebiet), ist den umfassenden Maßnahmen geschuldet. Es ist nur ein Viertel des eigentlich möglichen Publikums in der Halle zugelassen. Alle Teilnehmer und Zuschauer werden vor Ort getestet. Zeigt der Schnelltest zwei Striche, darf man nicht in die Halle. Wird ein Delegationsmitglied positiv getestet, wird die ganze Delegation in Quarantäne geschickt, bis ein PCR-Test das Okay gibt. Der Beitrag wird dann vom Band gespielt.(bau)