Das knuffige Sofa, die riesigen Tassen und diese wohlige Illusion, dass New York gar kein anonymer Moloch ist, sondern ein Ort, an dem familiäre Nachbarschaft möglich ist. Das ist eins der heimeligen Gefühle, die das Café "Central Perk" bei früheren Fans der Serie "Friends" immer noch auslöst. Riesentassen gab es auch bei der "Reunion" der sechs Freunde, selbst auf der knuffigen Couch nahmen sie wieder Platz - allein ins Café konnten sie nicht zum Plaudern: Corona-bedingter Gastro-Lockdown galt wohl auch für fiktive Lokale. Die Pandemie hatte das Treffen von Rachel, Monica, Chandler, Ross, Phoebe und Joey auch um ein Jahr verschoben. Nun ist es auf Sky auf Abruf zu sehen.

Das Wieder-Aufgreifen von außerordentlich beliebten Serien nach sehr vielen Jahren mag auf den ersten Blick als sichere Bank gelten, aber es birgt auch viele Risiken. Netflix wagte sich vor einiger Zeit an eine Fortführung der "Gilmore Girls" - mit Drehbuch und weitergesponnener Geschichte. Nicht alle Fans waren gänzlich hingerissen von den Entwicklungen um Lorelai und Rory. Das war ein Wagnis, dass die "Friends Reunion" gar nicht erst eingegangen ist. Diese Geschichte ist mit ihrer letzten Folge 2004 fertig erzählt, sagen ihre Schöpfer. Und tatsächlich ist eine Sitcom über Singles in den Zwanzigern wohl beendet, wenn sie nicht mehr Singles und nicht mehr in den Zwanzigern sind.

Die "Friends Reunion" ist genau das, was ihr Titel besagt: eine Wiedervereinigung der sechs Schauspieler Jennifer Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matt LeBlanc, Matthew Perry und David Schwimmer. Es ist im Grunde eine Art XXL-Bonusmaterial für eine DVD-Box, die Älteren werden es noch kennen. Die sechs treffen sich in den alten Studiokulissen und fallen sich erst einmal Erinnerungen stammelnd, Requisiten betatschend und Tränen verdrückend in die Arme. Kudrow wirkt, als würde sie bei Cox und Aniston genau untersuchen, welche Schönheitsoperation im Gesicht gemacht wurde. LeBlanc hat für einen Hollywood-Schauspieler einiges an Corona-Speck zugelegt und exakt kein Problem damit.

Der verdammte Affe

Der Schmäh rennt nicht sofort in der Gruppe, erst wenn die sechs auf die ins virussichere Freie ausgelagerte knuffige Café-Couch gesetzt werden, wo sie vor einem kleinen Publikum von Late-Night-Talker James Corden befragt werden. Das Sofa steht übrigens vor dem berühmten Brunnen, bei dem die Freunde in jeder Folge zur Titelmelodie tanzten.

Später wird es auch ein Hinter-den-Kulissen-Videodokument davon geben, wie alle mit bunten Motivhandtüchern abgetrocknet werden, nachdem sie im Wasser waren. Es gibt überhaupt sehr viele Einblicke in die Entstehung der Serie: Etwa vom Casting - LeBlanc hatte sich vor der Audition mit der Klomuschel die Nase eingehaut und Aniston spielte eine Zeit lang parallel in einer anderen Serie, deren Produzent zu ihr sagte: "Ich habe dieses ‚Friends‘ angesehen. Glaub mir, das ist nicht die Show, mit der du berühmt wirst. Mit meiner wirst du berühmt."

Ein Quiz, das in einer Folge illustrieren soll, wer wen besser kennt, wird nachgespielt, und ein paar Gaststars schauen vorbei. Überraschungsgäste gibt es manche sehr prominente - etwa jene Duettpartnerin, die mit Kudrow Phoebes Alltime-Hit "Schmuddelkatz" intoniert - gespoilert wird hier nicht. Oder doch: Affe Marcel hatte übrigens nicht nur Fans im Ensemble.

Man erinnert sich an nachhaltig prägende Szenen, ein paar davon werden von den sechs Akteuren noch einmal im Lesemodus vorgetragen. Fans outen sich, ob weltberühmt oder ganz normal. Das ist wahrscheinlich die berührendste Sequenz: Menschen weltweit, die erzählen, dass diese sechs TV-Freunde ihre einzigen Freunde in ihrer Außenseiterjugend waren.

Produzentin Marta Kauffman erinnert sich, dass ihr selbst nicht ganz klar war, wann und warum die Serie zum Zeitgeist wurde (Stichwort Rachel-Bob, die Frisur, die jeder haben wollte). Aber das war sie zweifellos. Heute kann man die TV-Produktion als Zeitdokument der 1990er sehen. Damals waren Sitcoms über zusammengewürfelte Gemeinschaften sehr en vogue.

"Friends" war nicht so progressiv wie "Seinfeld", dafür hatte die Serie ein hohes Maß an Identifikationspotenzial. Deswegen hinterlässt sie auch heute noch dieses heimelige Gefühl. Und die pastellig-bunte Einrichtung von Monicas Appartement ist immer noch ein erquicklicher Anblick. Lust, sich wieder ein paar alte Folgen anzusehen - womöglich sogar mit dem Affen Marcel! - macht die "Reunion" allemal.

"Friends: The Reunion" auf Sky