Der deutsche Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 nimmt wieder deutlich mehr Geld mit Werbung ein. Im April seien die Werbeerlöse um gut 40 Prozent, im Mai sogar um 60 Prozent über dem Vorjahr gelegen und damit "auf dem Niveau vor Beginn der Coronapandemie", sagte Vorstandssprecher Rainer Beaujean am Dienstag auf der Online-Hauptversammlung. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern mindestens 4,25 Milliarden Euro und damit fünf Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.

Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis soll mindestens 750 Millionen Euro betragen. In Österreich gehören Puls4 und ATV zu ProSiebenSat1. Einer möglichen Fusion mit dem italienischen Fernsehkonzern Mediaset erteilte Beaujean erneut eine klare Absage. "Unsere eigene Strategie ist klar - und sie bedarf keiner Hilfe von außen", sagte er. Es sei "fraglich, wie ein Zusammenschluss mit einem traditionellen Medienunternehmen, national oder international, zu diesen Zielen beitragen könnte". Mit digitalen Geschäftsmodellen, zu denen auch Beteiligungen an Datingportalen wie Parship, Online-Shops wie Flaconi sowie Plattformen wie Verivox gehörten, "orientieren wir uns heute an Digitalkonzernen statt an TV-Sendern".

Stärkere Kursentwicklung als bei reinen Medienunternehmen

Die Mailänder Mediaset-TV-Gruppe wird von der Familie des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gelenkt, ist mit gut zwölf Prozent der Anteile größter ProSiebenSat.1-Aktionär und will eine europäische Medienholding aufbauen. Beaujean betonte, der Aktienkurs von ProSiebenSat.1 habe sich seit einem Jahr deutlich besser entwickelt als der "von reinen Medienunternehmen wie ITV, Mediaset, TF1 und RTL" und "insbesondere seit Anfang dieses Jahres auch besser als die Aktien von Google, Facebook und Amazon". Die Strategie, lokale Unterhaltungsformate über Fernsehen und Online-Plattformen auszustrahlen und mit Werbung für eigene Internet-Shops zu verzahnen, sei richtig. (apa)