"Galapagos" also hat Berni Wagner sein neues Kabarettprogramm genannt. Da denkt man natürlich sofort an geschützte Schildkröten, Darwin-Finken und unberührte Natur. Und ist damit auf eine völlig falsche Fährte gelockt worden, weil das Programm nämlich nach den Gala-Pagos benannt ist, erklärt Wagner gleich zu Beginn: nach jenen kleinen Fruchtsaftflaschen also, die bei Benefizauftritten backstage für die Künstler bereitstehen. Wobei, so ganz falsch ist die Assoziation mit dem unberührten Naturparadies natürlich gar nicht, denn der Abend dreht sich schon auch und vor allem um unseren Umgang mit der Schöpfung - und um ihren mit uns.

Aber zurück zum erwähnten Benefizauftritt, der Wagner in ein Autokino geführt hat - was unweigerlich zur satirischen Frage führt, wie denn Autos so als Publikum sind. Und was auch noch etliche andere Steilvorlagen für diverse Wort- und andere Witze liefert. Dabei nimmt der Kabarettist auch sein Publikum ein bisschen auf die Schaufel, dem er es inhaltlich "ordentlich gibt", wie es der schlaksige Jungspund im Camouflage-Regenponcho (dessen Bedeutung er nur halb erklärt, aber als Bühnen-Outfit macht er auf seine abstruse Weise schon was her) formuliert. Ein gewisser kritischer Beigeschmack muss schon sein, der gehört im Kabarett dazu. Zum Beispiel beim Thema Autos und Klimaschutz. Wobei nicht immer ganz klar ist, auf welcher Seite des Meinungsspektrums der Künstler tatsächlich steht, wenn es um "Fridays for Future", Veganer oder Öko-Influencer geht.

Eines steht fest: Er ist kein alles brav abnickender Gutmensch, sondern er hinterfragt alles und jeden. Manche Pointen fliegen dabei sehr tief, aber alle sind sehr lustig. Der Schnellsprecher und Wortakrobat feuert sie wie ein verbales Maschinengewehr von der Bühne. Und wenn der Biomarkt zu seinem persönlichen Escape Room wird, aus dem er erst herauskommt, wenn er die Bio-Dino-Chicken-Nuggets gefunden hat, dann haben alle ihre Gaudi: das Publikum genauso wie der Kabarettist selbst. Bei  seinem Monolog, der bei genauerem Hinhören doch auch sehr viel Ernsthaftigkeit enthält, müssen sich nicht nur Öko-Bobos warm anziehen.