In der IT-Geschichte finden sich einige Beispiele für Innovationen und Produkte, die eher Zufallsprodukte, "Missgeschicke" oder aufgrund widriger Umstände geschaffen wurden und dann große Erfolge feierten.

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© reuters / Tingshu Wang

Eines der prominentesten Beispiele ist etwa die Geschichte der Spielkonsole PlayStation. In den 1990er Jahren beauftragte der japanische Videospielkonzern Nintendo das Unternehmen Sony, damals noch nicht am Spielemarkt vertreten, mit der Entwicklung für ein CD-Laufwerk für seine kommende Spielkonsole. Nachdem Sony einige Jahre Entwicklungszeit investiert hatte, entschied sich Nintendo jedoch überraschend gegen CDs als Speichermedium. Sony entwickelte daraufhin auf Basis des Laufwerks seine eigene Spielkonsole.

Im Falle des chinesischen Huawei-Konzerns und seines nun präsentierten Betriebssystems "Harmony OS" liegt der Stein des Anstoßes für die Entwicklung in den US-Sanktionen. Huawei, vor gar nicht allzu langer Zeit weltweiter Marktführer bei Smartphones, durfte aber aufgrund der vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump initiierten Handelsbeschränkungen beim Mobilsystem Android nicht mehr die Google Play Services verwenden. Damit sind der Google Play Store für Millionen von Android-Apps sowie viele populäre Apps wie GMail und Google Maps nur über einen Webbrowser erreichbar. Andere populäre Apps fehlen komplett.

Schwerwiegende Folgen

Die Sanktionen wurden bisher auch nicht von Trumps Nachfolger Joe Biden aufgehoben. Dies richtete einen massiven Schaden an und katapultierte das Unternehmen aus den Top 5 der Handyhersteller. Mit "Harmony OS" versucht Huawei, den Schaden einzudämmen. Das Betriebssystem wurde für Smartphones, Tablet Computer und Smartwatches auf den Markt gebracht, soll aber vor allem für das sogenannte "Internet der Dinge", englisch "Internet of Things (IoT)", eine weltweite Basis werden. Der chinesische Technologiekonzern unternimmt damit den ambitionierten Versuch, neben iOS von Apple und Android von Google eine dritte Mobilplattform zu etablieren. Zuletzt war der Softwaregigant Microsoft an dem Versuch gescheitert, mit Windows der dritte maßgebliche Player auf dem Spielfeld zu werden.

Das mächtige Supergerät

Aus der Not eine echte Alternative, so die Pläne Huaweis. Harmony OS 2.0, so die aktuelle Versionsnummer, soll einen geräteübergreifenden Austausch zwischen verschiedenen Gerätekategorien - von MP3-Player und Smartspeaker über Smartphones und Tablets bis hin zu Autos und dem Internet der Dinge - ermöglichen. Zunächst hat der Hersteller seine ersten Smartwatches und Tablets auf Harmony-OS-Basis für den deutschsprachigen Markt enthüllt. Per Update soll das neue Betriebssystem auf weiteren Geräten landen. Mithilfe von Harmony OS will Huawei zuvor unabhängige Geräte zu einem zusammenhängenden und mächtigen "Supergerät" verschmelzen, das die Hardware und Ressourcen aller kompatiblen oder geeigneten Produkte kombiniere, erklärt der Hersteller.

Das Betriebssystem basiert auf Android, erinnert optisch aber eher an Apples iOS. Ein neues Kontrollzentrum unterstützt einfache und intuitive Verbindungen, die ermöglichen sollen, die gewünschten Geräte basierend auf bestimmten Szenarien nahtlos und unkompliziert zu verbinden. So sollen etwa Filme oder Spiele mit einem einzigen Wisch über das Smartscreen-Symbol vom Smartphone auf den Fernseher projiziert werden können. Anwendungen lassen sich beliebig zwischen verschiedenen Geräten hin- und herschieben, ohne sie auf den jeweiligen Geräten installieren zu müssen. Funktionen und Dienste sollen so "immer und überall auf jedem verbundenen Gerät synchron verfügbar" sein. Es wird sich zeigen, ob die Anwender bereit sind, ein neues System zu nutzen, innovativ ist der Ansatz aber auf jeden Fall.