Am 10. August werden im ORF die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Da wird ein neuer Generaldirektor gewählt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser nicht der bisherige Amtsinhaber, Alexander Wrabetz, ist. Aber auch die zweite Rehe des Direktoriums, die wenige Wochen später gewählt wird, dürfte da schon Thema sein. Voraussichtlich vier Direktorinnen und Direktoren sowie neun Landesdirektoren werden bestellt. Somit wird die gesamte ORF-Spitze neu gewählt.

Die Ausgangslage ist auf dem Papier einfach und in der Realität kompliziert. Die Direktoren werden vom ORF-Stiftungsrat gewählt. In dem Gremium halten derzeit die der ÖVP nahestehenden Mandatare die Mehrheit. Im Gegensatz zur letzten Wahl, als Richard Grasl Amtsinhaber Alexander Wrabetz unterlag, kann die ÖVP diesmal den Chef alleine wählen. Allerdings gibt es dabei mitunter Dissonanzen, da nicht alle Länder auf der Linie der Bundes-ÖVP zu sein scheinen. Vor allem die westlichen Bundesländer treiben ein buntes Eigenleben.

Eine Meldung aus Salzburg lässt in diesem Zusammenhang aufhorchen: Laut "Salzburger Nachrichten" legt der Salzburger ORF-Stiftungsrat Matthias Limbeck seinen Posten zurück und will sich als Salzburger Landesdirektor bewerben. Limbeck war mit Unterbrechungen 13 Jahre lang ORF-Stiftungsrat. Seine aktuelle Funktionsperiode wäre mit April 2022 ausgelaufen. "Ich möchte operativ stärker tätig werden", sagte er gegenüber der Zeitung. Durch die Ankündigung deutet sich ein Zweikampf um den Posten des ORF-Landesdirektors an. Denn auch der bisherige Landesdirektor Christoph Takacs - dieser hatte den Posten im Jänner 2017 von Roland Brunhofer übernommen - wolle sich neuerlich bewerben. Die nächste Amtsperiode der ORF-Landesdirektoren startet im Jänner 2022.

Das lässt Beobachter Absprachen im Hintergrund vermuten. Möglich, dass Limbecks Bestellung Teil eines Personalpaktes ist, das bereits geschnürt wird. Möglich also, dass so die Stimme der Salzburger ÖVP bei der Generalswahl gesichert werden soll. Die Frage ist: Gibt es ähnliche Überlegungen hinter den Kulissen? Tirol, Vorarlberg aber auch Niederösterreichs haben sicherlich Wünsche an einen neuen Generaldirektor.

Strobl ante portas?

Wen die ÖVP in das Rennen um den Spitzenposten schicken wird, ist offiziell weiter unklar. Chefproducer Roland Weißmann werden Chancen attestiert aber auch ORFeins-Managerin Elisabeth Totzauer werden Ambitionen und Chancen nachgesagt. Fraglich ist auch eine Konzession an die Grünen. Hier wird zuletzt öfter ORF-Manager Pius Strobl für das Direktorium genannt. Er gilt als grünes Urgestein.

Bei einem Referat des Kanzlerbeauftragten für Medienfragen, Gerald Fleischmann, vor dem Verband Österreichischer Zeitungen am Freitag war auch der ORF Thema. Laut "Standard" soll von einer Novelle des ORF-Gesetzes im Herbst 2022 die Rede gewesen sein. Diese soll allerdings lediglich Liberalisierungen für Digitalinhalte des ORF bringen und keine größere Struktur- oder Gremien-Reform. Zudem kommt ein Medienfonds für heimische Streaming-Inhalte.