In den bekannten Sozialen Netzwerken sind viele Anwender nicht immer ganz sie selbst. Egal, ob man Facebook nutzt oder Tinder, Instagram oder Linkedin, immer geht es darum, die beste Version seines Selbst zu präsentieren. Oder zumindest die interessante. Man zeigt Bilder von exotischen Orte oder angesagte Plätzen, von ausgefallenem Essen, selten aber das Endprodukt des Stoffwechselprozesses desselben.

Das geschönte Ich

Man legt Filter über Fotos, die wie entspannte Schnappschüsse wirken sollen, aber es selten sind. Bloß immer gut gelaunt und immer unter Strom. Man schreibt nicht, wenn es schlechte Phasen gibt, das Leben seine Streiche spielt. Manchmal gibt es "Herausforderungen", die man selbstverständlich meistern wird, aber das war es dann auch schon. Und auch das ist nachvollziehbar. Einem Netzwerk hunderter "Freunde", die ihr Leid klagen, wäre wohl eine kurze Lebenszeit beschieden.

Doch nun schickt sich Millionways an, diese Grenzen zu durchbrechen und einen neuen Ansatz zu wählen. Die App, erdacht vom Deutschen Martin Cordsmeier, soll Menschen dabei helfen, sie selbst zu sein und ihre Ziele zu erreichen. Millionways setzt dabei auf Künstliche Intelligenz, die die Persönlichkeit analysieren, Möglichkeiten zur Reflexion bieten und unterstützen soll, ganz individuelle Ziele und Wünsche zu identifizieren. Zu diesem Zweck müssen ziemlich umfangreiche Fragebögen sehr ehrlich und offen ausgefüllt werden. Die App ist aber gleichzeitig auch Soziales Netzwerk und soll Nutzer mit jenen Menschen verbinden, "von denen du nicht einmal wusstest, dass du sie suchst". Von Freunden und Seelenverwandten soll über Mentoren und Geschäftspartner für jede Lebenslage ein Kontakt dabei sein.

Erste Ergebnisse und Connections erhalten Privatkunden kostenfrei. Wer mehr will, kann zwischen verschiedenen Modellen wählen, die zwischen 5 und 25 Euro im Monat kosten. Firmen, die Mitarbeitern die App zur Verfügung stellen wollen, erhalten individuelle Preise auf Anfrage. Die Connections, die die App vorschlägt, sind dabei zunächst einmal komplett anonym und losgelöst von Alter, Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe oder anderen Faktoren, die die Selbstdarstellung beeinflussen könnten. Menschen werden aufgrund gemeinsamer Interessen oder Ziele vernetzt - ob sie im Zwiegespräch dann weitere persönliche Informationen teilen oder nicht, bleibt ihnen überlassen. Und auch Zugang zu Onlinekursen, Workshops und sogar Jobs soll die App ermöglichen können.

Es tut sich einiges in der Welt der Sozialen Netzwerke. So verbietet Pinterest in den kommenden Monaten etwa Werbung für Abnehmprodukte. Mehr Platz für Videos und exklusiver Content für Follower - das sind die Zukunftspläne des Sozialen Netzwerks Instagram. Apropos Video - bei TikTok wird die maximale Länge der Beiträge weiter erhöht. Waren es zu Beginn 15 Sekunden, dann 30 und 60, so sind es demnächst bald 3 Minuten, die die Anwender zur Verfügung haben. Der Schritt ist nachvollziehbar, sind die beliebtesten YouTube-Videos doch zwischen 10 und 20 Minuten lang, und auch TikTok will den Sprung vom Smartphone auf den Fernseher schaffen.

Bei Twitter will man wiederum weiter vom Alleinstellungsmerkmal weggehen: Statt der Standardeinstellung "Sichtbarkeit für alle" sollen in Zukunft verstärkt ausgewählte Tweets nur für "trusted friends" sichtbar sein. Dies dürfte wohl zu einem Anstieg privater Unterhaltungen bei Twitter führen.