Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen hat nach Zulassung der Berufung im Auslieferungsverfahren um Julian Assange erneut die Freilassung des Wikileaks-Gründers gefordert. Wikileaks hatte zuvor mitgeteilt, dass der High Court in London die Berufung der USA in "beschränkter Weise" zulasse. Das Verfahren darf sich demnach nur auf formale Gründe beziehen. Trotzdem drohen dem Australier damit laut seiner Verlobten Stella Moris weiter die Auslieferung an die USA.

Ein Gericht in London hatte im Jänner den Auslieferungsantrag der USA wegen der schlechten psychischen Gesundheit Assanges und der zu erwartenden Haftbedingungen in den Vereinigten Staaten abgelehnt. Assange, der in einem Hochsicherheitsgefängnis in London sitzt, kam aber dennoch nicht auf freien Fuß, weil die USA Berufung einlegten. Nun muss er auf den Ausgang dieses Verfahrens warten.

Wikileaks und US-Militäreinsätze

Die US-Justiz wirft Assange vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan sowie eine riesige Zahl diplomatischer Depeschen gestohlen und auf der Internet-Plattform Wikileaks veröffentlicht zu haben. Damit sei das Leben amerikanischer Informanten in vielen Ländern in Gefahr gebracht worden. Für die US-Ermittler ist Assange ein Spion. Seine Unterstützer sehen in ihm hingegen einen investigativen Journalisten.

Es sei keine Überraschung, dass der britische High Court die Berufung der US-Regierung zulässt, sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen in Deutschland, Christian Mihr, am Donnerstag einer Mitteilung zufolge. "Julian Assange sollte sich aber gar nicht erst in dieser Lage befinden", fügte er hinzu. Eine Verurteilung würde "schwerwiegende Folgen für die Pressefreiheit auf der ganzen Welt" haben, warnte er.(apa/dpa)