Die Fußstapfen waren schon im Juli 2020 etwas zu groß: Nach dem bahnbrechenden Erfolg der ersten deutschen Netflix-Serie "Dark" lagen große Hoffnungen auf "Biohackers". Mit dem Thema Gentechnik konnte man mitten in einer Pandemie eigentlich kaum etwas falsch machen. Und doch zündete die zweite deutsche Netflix-Serie nicht so wie gedacht. Seit Freitag ist die zweite Staffel online, und man darf gespannt sein, ob die Übung gelingt.

Nachdem es am Ende der ersten Staffel schien, als wäre die Sache bereits erledigt, endet die letzte Folge mit einem Knall: Ihren Plan, die Forschung der hyper-ehrgeizigen Biologieprofessorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) zu enthüllen und damit den Tod ihres Zwillingsbruders zu rächen, hat Mia (Luna Wedler) in die Tat umgesetzt. Nach einem Treffen mit dem vermeintlichen Journalisten Andreas Winter (Benno Fürmann) landete die Medizinstudentin allerdings gefesselt in einem Van, wo sie ihrer ebenfalls gefesselten Kontrahentin gegenübersaß. Jedoch fehlt ihr jegliche Erinnerung an die Entführung und an das, was bis zu ihrem orientierungslosen Aufwachen im Seminar geschah.

Wem das zu modern und hektisch ist, kann sich auf eine historische Literaturverfilmung auf Netflix freuen. "Die Köchin von Castamar" erlangte als Romanreihe von Fernando J. Múñez Bekanntheit. Nun hat sich Netflix dem Buch-Stoff angenommen und eine Serie daraus gezimmert. Wie bei allen Stoffen, die sich ums 18. Jahrhundert drehen, geht es um skandalöse, unstandesgemäße Liebe, böse Intrigen und gefährliche Duelle am Hof. Clara, Chefköchin im Schloss von Castamar, schwärmt für den Herzog. Doch obwohl sie mehrere eindeutige Zeichen erhalten hat, kann sie nicht glauben, dass er ihre Gefühle erwidert. Michelle Jenner und Roberto Enríquez geben das sozial ungleiche Paar.

Nach dem großen Erfolg von "Unorthdox" und der israelischen Serie "Shtisel" liegt das ultraorthodoxe Judentum als Thema schwer im Trend. Netflix bringt nun mit "My Unorthodox Life" erstmals eine Reality-Show zum Thema. Protagonistin ist Julia Haart, die in eine ultraorthodoxe jüdische Familie in Moskau hineingeboren wurde. Sie landete über einen kurzen Stopp in Wien und Texas letztlich in New York, das eine sehr starke, strenge und abgeschottete ultraorthodoxe Community hat. 2013 verließ sie die Gemeinde. Heute ist sie CEO der Elite World Group und hat vier Kinder, die zwischen Glitzerwelt, jüdischen Regeln und Gottesfurcht ihren eigenen Weg suchen müssen. "My Unorthodox Life" also als Mittelweg zwischen "Unorthodox" und "Keeping up with the Kardashians?" - Masel tov!

Ab 12. Juli erfüllt Amazon Prime etlichen Abonnenten einen Herzenswunsch: Eine der prägenden Serien der 2000er Jahre wird vom Pay per View ins reguläre Abo übernommen: "Desperate Housewives" von Marc Cherry - ein Monolith: acht Staffeln, 180 Folgen, in die ganze Welt verkauft. Erst im Mai 2012 war mit einem zweistündigen Finale Schluss. Die Serie handelt von den Erlebnissen der vier Nachbarinnen und Freundinnen Susan, Lynette, Bree und Gabrielle sowie deren Familien und Freunden. Sie leben in der Wisteria (eine Giftpflanze!) Lane in der fiktiven Stadt Fairview im fiktiven US-Bundesstaat Eagle. Eine weitere Nachbarin, Mary Alice Young, begeht in der ersten Episode Suizid und kommentiert fortan das Leben ihrer Freundinnen aus dem Jenseits.

Ab 23. Juli kann man sich in der Serie "Them" auf Amazon Prime mit dem Terror in den USA befassen. Die erste Staffel changiert zwischen Drama, Horror und Action und erzählt von einer schwarzen Familie, die in den 1950ern von North Carolina in ein rein weißes Viertel von Los Angeles zieht. Das idyllische Zuhause wird zum Terrorschauplatz, wo finstere Kräfte in der Nachbarschaft mit Hetze, Gewalt und Zerstörung drohen.