Ausgerechnet eine Kuppelshow in Pandemiezeiten? Vor dieser Herausforderung stand Nina Horowitz im Vorjahr. Dabei hätte es ja schon als Druck ausgereicht, dass sie die Kultsendung "Liebesg’schichten und Heiratssachen" von der nicht minder kultigen Elizabeth T. Spira nach deren Tod übernommen hat. Die Fans der televisionären Heiratsvermittlung waren aber erleichtert, dass das Format weiterlebt und goutierten auch die behutsamen Veränderungen - mit Traumquoten. Und die Frage "Ausgerechnet eine Kuppelshow zu Pandemiezeiten?" - die lässt sich so beantworten: Ja, denn genau da braucht man sie dringend. "Ich habe bei den Interviews oft gehört, dass mit Corona die Einsamkeit kam. Eine Dame hat mir gesagt, dass durch das viele Alleinsein die Sehnsucht nach einem Mann noch viel größer geworden ist", erzählt Horowitz. Und die erschwerten Bedingungen für Dates ließen manche auch keineswegs verzagen: "Ein Herr hat gesagt, dann setz ich mich eben auf ein Bankerl im Park und die Frau setzt sich auf das viertnächste Bankerl und dann nehmen wir halt ein Megaphon zum Reden. Hauptsache, wir können uns treffen." Immerhin 15 von 54 Singles haben sich in der ersten Pandemie-Ausgabe der "Liebesg’schichten" 2020 verliebt. Und das muss noch keine endgültige Zahl sein - ein sehr beliebter Kandidat namens Tommy etwa hat so viele Zuschriften bekommen, dass er schon klargestellt hat, dass die Endauswertung noch dauern wird, weil ihm das Virus die Rendezvous-Tätigkeit doch erschwert hat.

Todsünde Fadesse

Trügt der Eindruck, dass nun wieder skurrilere Persönlichkeiten gecastet wurden? "Das ist schwierig zu sagen, denn jeder empfindet ja etwas anderes als skurril. Jeder hat auch irgendetwas Komisches an sich. Ich sicher auch. Wir versuchen eine gute Mischung aus den Bundesländern, verschiedenen Schichten und Altersgruppen aufzustellen. Es ist ja etwas ganz anderes, ob ich mit einem 80-Jährigen rede oder einer alleinerziehenden jungen Mutter. Aber klar, die Todsünde im Fernsehen ist Fadesse. Deswegen ist es oft lustig in der Sendung, manchmal ernst, auch traurig, aber eben hoffentlich nie langweilig."

Was die Singles in den Gesprächspausen als ihre Hobbys präsentieren, dürfen sie sich selbst aussuchen. "Wenn jemand sagt, ich will unbedingt singen, sag ich: Herrlich, singen Sie! Aber wenn jemand sagt: Singen werd ich sicher nicht, ich les ein Buch und back einen Marmorkuchen, dann macht er oder sie das. Dass sich die Menschen wohlfühlen bei unserer Sendung, das ist auch ein Erfolgsrezept." Manchmal muss man ihnen auch ein bisschen auf die Sprünge helfen: "Ein Herr sollte ein Liebesgedicht vorlesen, und das liest er ja dann mir vor. Weil ich neben der Kamera stehe und er nicht im Raum hin und her schauen soll. Und er hat dann zu mir gesagt, ,Ich kann Ihnen das doch nicht vortragen. Sie sind halt so gar nicht mein Typ‘, da hab ich ihm vorgeschlagen, er soll an jemanden anderen denken, und er hat gesagt: ,Gut, dann stell ich mir die Julia Roberts vor‘. Solche Szenen während des Drehs liebe ich. Da muss ich dann schon sehr lachen."

Apropos Erfolgsrezept: Mit Tipps, wie man die meisten Zuschriften bekommt, kann Horowitz nicht dienen. "Das kann auch überraschen, wer da besonders gut abschneidet. Aber ich sage immer: Wenn der oder die richtige dabei ist, ist es ja egal, wie viele sonst noch geschrieben haben."

Der intime Blick in die Wohnungen der Liebesuchenden bringt traditionell eine Horizonterweiterung in Sachen Nippes. Welche Hinstellerchen waren denn zuletzt im Trend? "Erdmännchen", berichtet Horowitz. "Die standen wirklich in mehreren Wohnungen, die gab es vielleicht grad irgendwo zu kaufen. Die schauen einen dann beim Interview so an, da muss man einfach lachen." Noch beliebter als Deko sind beim Drehteam freilich Haustiere: "Hunde vor allem. Wenn eine Frau sagt, ihr Liebhaber kann ein feuriger Italiener sein und ihr Mops liegt dann da und schaut so, das ist schon sehr lustig. Ich habe ja eigentlich Angst vor Hunden, aber die ,Liebesg’schichten‘ sind quasi eine Therapie. Ich fürchte mich schon viel weniger."