Noch vor wenigen Jahren schien es so, als würde Künstliche Intelligenz den Menschen das Leben wesentlich erleichtern. Dann wurde aus dem Wunderding ein "Job-Killer" und nun scheint es als würden die Basis-Aufgaben halbwegs funktionieren, der ganz große Erfolg aber noch nicht gelandet sein. Dennoch oder gerade deswegen, gibt es immer wieder neue Anwendungen, die den Nutzen von Künstlicher Intelligenz im Alltag aufzeigen wollen. Ein neues Beispiel nennt sich Dynascore.

Die Musik macht die Geschichte

Die Welt verlangt nach Geschichten. Derzeit am liebsten in kleinen, digitalen Videohappen auf Plattformen wie YouTube, TikTok oder Twitch. Wer aber nun seine Geschichten erzählen will, braucht nicht nur ein gutes Video, sondern auch eine passende musikalische Kulisse.

Dynascore-Chef Lerman will den passenden Soundtrack zum Video liefern. - © Wonder Inventions
Dynascore-Chef Lerman will den passenden Soundtrack zum Video liefern. - © Wonder Inventions

Das Problem ist allerdings, dass viele Hersteller von Online-Videos nur auf ein überschaubares Repertoire aus verfügbaren Musikstücken auswählen können. Diese so genannte Stockmusic - in der Welt der Bilder sind Stockphotos ja schon lange ein Begriff - verlangt aber sehr wohl nach Personen, die mit Komposition und Übergängen umgehen können. Wer nun aber nicht ein großer Regisseur bei einem erfolgreichen Filmstudio ist, kann nicht auf ein Studio und einen bekannten Soundtrack-Komponisten zurückgreifen. Genau hier möchte Dynascore ansetzen.

Vor wenigen Tagen wurde die Anwendung in einem Online-Event vorgestellt und erste Einblicke in die Möglichkeiten der Software gegeben. Das Spezielle liegt darin, dass die dahinterliegende Künstliche Intelligenz das Komponieren und Arrangieren übernehmen können soll und so die Musik synchron an das Video anpassbar und zurechtschneiden lässt. Man muss lediglich wissen, wo Pausen, Übergänge oder das Crescendo platziert werden sollen, das Tool berechnet Länge und Dauer und sorgt für reibungslose und dynamische Übergänge.

Wie Howard Lerman, Chef von Wonder Inventions, der Firma hinter Dynascore, bei der Präsentation erklärte, soll sein Tool kostengünstige und stimmige musikalische Untermalung für Kurzvideos bieten. Nicht nur aus dem hauseigenen Angebot von Musikstücken könne man wählen, sondern auch aus gemeinfreier - somit nicht mehr unter das Urheberrecht fallender - Lieder.

Beethoven wäre nicht erfreut

Der Weg ist somit frei für Beethoven, Bach und Mozart als Untermalung für Fitness-, Koch- oder Spiele-Videos. Ist das Musikstück zu lang, wird es einfach automatisch verkürzt und angepasst und soll trotzdem noch nach einem Soundtrack klingen. Man darf gespannt sein.

Yunus Saathi, das musikalische Mastermind hinter der Software, meinte auf die Frage, ob sich Beethoven freuen würde, dass seine Stücke hier verwendet und bearbeitet würden: "Nein, er wäre nicht erfreut, aber er würde auf jeden Fall mitmachen, weil Mozart und Bach, ja auch dabei sind." Nun denn, dann sollte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Der Rest liegt dann an der Qualität des Videos und dem Talent der künstlichen Intelligenz.

Wer nun jedoch hofft, dass in Zukunft Komponisten, Musiker und Arrangeure wegfallen würden, dem sei gesagt - mitnichten. "Nur der Mensch kann Musik machen, oder Bücher und Reden schreiben. Wir wissen das. Unser Tool respektiert das", so Lerman. Der Schöpfungsprozess, an dessen Ende ein mit Sinn gefülltes Werk vorhanden sei, ist weder das Ziel noch technisch möglich. "Schauen Sie sich eine Rede an, die von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben wurde. Die Worte sehen aus, als wären sie für eine Rede, aber der Inhalt ist leer, ohne Witz und Originalität." Es besteht also noch Hoffnung. Dennoch soll die Software die Produktion billiger und professioneller machen und würde, sofern es denn wirklich funktioniert, einige Berufsfelder tangieren.

Noch finden sich in der freien Wildbahn erst recht wenige Videos mit KI-Soundtrack, es wird sich also erst weisen müssen, ob die Zeit dafür reif ist. Was das Tool nicht ersetzen kann, ist aber ein Verständnis für Musik, Stimmung und der gesamte Ablauf bedarf sehr wohl noch menschlicher Eingriffe und Planung. KI ist hier Unterstützung, definitiv aber kein Ersatz für die humane Kreativität.