Die Mediensprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, und Lothar Lockl, der für die Grün-nahen ORF-Stiftungsräte spricht, haben sich rund ein Monat vor der ORF-Generaldirektorenwahl für Änderungen bezüglich des obersten ORF-Gremiums ausgesprochen. Der Stiftungsrat solle "ein wirklicher Aufsichtsrat werden, der zur Hälfte politisch, zur anderen von Organisationen beschickt wird - wie in Deutschland bei ARD und ZDF", sagte Blimlinger zur "Tiroler Tageszeitung".

Verhandlungen dazu laufen mit der ÖVP jedoch nicht. Es sei nicht im Regierungsprogramm festgeschrieben, weil man sich nicht mit dem Koalitionspartner darauf einigen habe können, so die Mediensprecherin der Grünen. Ein schlankere Struktur für den Stiftungsrat kann sich Lockl vorstellen: "Aber wenn Sie mich fragen, ob ein 35-köpfiger Rat für den ORF das Beste ist, muss ich Ihnen ehrlich sagen, dass ich mir eine andere Struktur wünschen würde", sagte er im Interview mit den "Salzburger Nachrichten". Eine Entpolitisierung würde auch er sich wünschen. "Man müsste aber erst einmal Experten finden, die nach den unterschiedlichen Maßstäben unabhängig sind", so Lockl.

Keine Deals mit ÖVP

Deals mit der ÖVP zwecks Abstimmungsverhalten bei der ORF-Wahl gebe es nicht. Blimlinger und "die Ihren" würden nicht mitmischen, beteuert die Grünen-Mediensprecherin. "Das ist Aufgabe der Stiftungsräte, nicht die einer Partei." Unter den drei den Grünen zurechenbaren Stiftungsräten sei noch nicht besprochen, wer gewählt wird. Aber klar sei, in welche Richtung es gehen soll: Stärkung des Medienstandorts, Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen, wiederholte Lockl altbekannte Forderungen. Zeit wäre es auch für eine Stiftungsratsvorsitzende.

"Selbstverständlich ist es gut, dass eine Frau kandidiert", meinte Blimlinger auf Lisa Totzauer, die unlängst ihre Kandidatur für den Generaldirektorenposten bekannt gab, angesprochen. Man hoffe auf mehr Interessenten für den Job und wünsche sich, "dass es in der Generaldirektion und bei den anderen Leitungspositionen Geschlechterparität gibt." Dass vonseiten der Grün-nahen Stiftungsräte von der Möglichkeit, einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu nominieren, Gebrauch gemacht wird, schließt Lockl zumindest für sich aus: "Das wäre ja eine Art Präjudiz. Mir ist wichtig, dass alles sehr transparent verläuft."

Die ORF-Wahl findet am 10. August statt. Dabei wählt der Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit, also zumindest 18 Stimmen, den künftigen ORF-Generaldirektor oder die künftige ORF-Generaldirektorin. Die ÖVP kann derzeit auf 16 ihr nahestehende Vertreter zählen, mit weiteren zwei bis drei türkis-nahen unabhängigen Räten kommt sie auf eine Mehrheit im obersten Gremium. (apa)