Dass man immer schön vorsichtig sein soll mit dem, was man sich wünscht, das kennt man schon von der "Bezaubernden Jeannie". In der neuen Serie von David Schalko ist Jeannie ein grauhaariger persischer Taxler. Also so quasi. Tristan (Tom Schilling) wacht eines Tages auf und irgendetwas ist anders. Seine schwangere Freundin hat ihn verlassen, weil er sie nicht liebt - woher weiß sie das? Ein Taxi steht vor der Tür und der erwähnte Fahrer (Ramin Yazdani) fährt ihn ans gewünschte Ziel, ohne zu fragen - woher weiß der das? Bei seiner Vorstellung einer App, die einen daran erinnern soll, ab und zu vom Smartphone hochzuschauen, finden die Kunden das Produkt genauso beschissen wie er - aber, woher wissen die das? Es stellt sich heraus, dass alle alles über Tristan wissen. Auch warum er gerade rausgegangen ist: "Du wolltest eine rauchen." - "Ach ja." Ein wildfremder Mann auf der Straße erklärt ihm, dass man im Weltraum nicht onaniert: "Das hatten Sie sich doch letztens gefragt." Besonders prekär ist das natürlich bei seinen Eltern, denn wer will sich da nicht gewisse Geheimnisse bewahren. Überhaupt wenn man einen Vater hat, der Künstler ist und ausschließlich riesige Penisse malt.

Die ganze Welt ist einfach in Tristan drin. Oder, wie er es selbst kurz vor dem Aufwachen formuliert hat: "Ich will, dass ihr ich seid." Ganz schön egozentrisch. Das ist nur die erste Folge von "Ich und die Anderen" und die ist schon dicht wie andere ganze Serien nicht. Am Ende der Episode wünscht sich Tristan, der eigentlich lieber ein Martin wäre, von seinem Magic Taxler, dass sich alle die Wahrheit sagen. Da kann man sich auch schon denken, dass das keine gute Idee ist. Und so geht es weiter: Immer werden existenzielle, philosophische Fragen zu einer absurden Realität gemacht, die, naja meistens, gerade so am Albtraum vorbeirauscht - vor allem, weil es dazwischen auch sehr lustig ist.

Bienen und Vaginas

Das liegt nicht nur an dem pointierten Dialog-Feuerwerk, sondern auch an einem Personenreichtum, der seinesgleichen im heimischen Serienuniversum sucht und der auch noch bis in die Zehenspitzen prominentest besetzt ist. Legendär als Tristans Eltern sind Sophie Rois und Martin Wuttke. Wie die Mutter auf ihrem ausgestopften Pferd sitzt, Chihuahua im Arm, ist ungeschlagen eins der Fernsehbilder des Jahres. Die Schwester von Tristan heißt natürlich Isolde, ist natürlich total abgedrehte Künstlerin, die Bienen aus Vaginas fliegen lässt und wird von Sarah Viktoria Frick herrlich manisch gespielt. Lars Eidinger ist Tristans lächerlich eitler Chef auf dem Hoverboard, Michael Maertens sein Psychiater, der auch nicht sonderlich hilfreich ist, Mavie Hörbiger seine nie erstorbene erste Liebe Franziska - und auch so eine Art Spielleiterin für diese Versuchsanordnung. In jeder Folge haben sie alle leicht verschobene Aufgaben, um Tristan durch diese Philosophie-Science-Fiction zu treiben. Auch an Anspielungen auf Film und TV mangelt es nicht, von "Shining" bis zur "Die Realität ist schon eine Apokalypse"-Serie "Black Mirror". Oder auch "Matrix", in der vermutet der Psychiater nämlich ein Leck. Wer könnte es ihm verübeln.