Am Donnerstagabend machte der Kandidaten-Zug im Rennen um die Wahl zum ORF-Generaldirektor im Billroth-Haus Halt. Die Neos veranstalteten ein Neos Lab unter dem Motto "Wohin geht der ORF? Über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks". Vor Ort waren die Bewerber Alexander Wrabetz, Lisa Totzauer, Roland Weißmann, Thomas Prantner, Harald Thoma und Julius Kratky. Außer Letzterem wurden alle zum offiziellen Hearing am 10. August eingeladen. Damit nahmen sechs der insgesamt 14 Bewerber um die begehrte Position an der Live-Diskussion teil. Die Kandidaten Monika Bartl-Juschitz, Heinz Charwat, Karlpeter Elis, Sabine Hess, Axel Mayrhofer, Günter Ofner, Carl Maria Schulte und Barbara Spitzer waren nicht vertreten.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde durch Sebastian Loudon, Herausgeber des Magazins "Datum", konnte jeder Kandidat in fünf Minuten sein Konzept für die Zukunft des ORF darlegen. Neben dynamischen Schlagwörtern wie Transformation, Digitalisierung, Verjüngung und publikumsorientiert waren sich die Bewerber vor allem in einem Punkt einig: dass die große Stärke des ORF im Regionalbezug liege. Die Kandidaten sind ebenfalls übereingekommen, dass der ORF effizienter werden müsse. Auch die bereits seit Jahren angekündigte zentrale Videoplattform "ORF Player" war Thema. Wrabetz beklagte erneut die Fesseln, die der Gesetzgeber dem ORF auferlege: "Wir wollen einfach das Gleiche dürfen wie die Deutschen." Die Öffentlich-Rechtlichen im Nachbarland haben eine Gesetzesänderung zum Thema Videoinhalte erwirkt. Wrabetz strich außerdem die Bedeutung des neu entstehenden Mediencampus Küniglberg für die Zukunft des ORF heraus.

Strukturveränderungen und Klimaschutz als Thema

Bei der anschließenden Diskussionsrunde gingen die Meinungen dann doch auseinander, etwa beim Thema Informationsdirektor. Totzauer sprach sich eindeutig für eine Schaffung einer solchen Position aus und begründete dies so: "Der ORF ist die mediale Daseinsvorsorge für eine demokratische Gesellschaft", Verantwortliche müssten daher unabhängig agieren können und nicht von möglichen Interessenskonflikten eingeschränkt werden. Wrabetz hielt dagegen, dass es bereits starke Chefredakteure gäbe, die dem Druck von außen durchaus standhielten. Für Totzauer bleibt Transparenz ein großes Thema, in ihrem Konzept findet sich der Vorsatz, den ORF "von der geschlossenen Anstalt zu einer offenen Plattform" transformieren zu wollen.

Weißmann wiederum betonte, dass ihm Diversität sowie ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis ein großes Anliegen seien. Beim Klimaschutz verfolgen die Bewerber unterschiedliche Strategien. Während Weißmann die Jungen über Social Media erreichen will, setzt Amtsinhaber Wrabetz auf zwei Klimaschwerpunkte pro Jahr und die Zusammenarbeit mit NGOs. Totzauer sieht die Aufgabe des ORF vor allem darin, Fakenews zum Thema zu entlarven und die Zuseher mehr am Entstehungsprozess der ORF-Sendungen teilhaben zu lassen.

Weiter diskutieren werden die Kandidaten am Freitagabend ausgerechnet auf einem Privatsender nämlich in der "Puls 24"-Elefantenrunde: Wer wird ORF-Chef:in?" (20 Uhr). Die Entscheidung, wer in Zukunft einen der erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Europas leiten wird, fällt am Dienstag.