Es ist das wohl berühmteste und auch kommerziell erfolgreichste Franchise, das Hollywood je kreiert hat. "Star Trek" hat seit seiner Geburt in den 1960er Jahren mittlerweile die dritte Generation von Fans begeistert und in so manchem auch die Faszination für den Weltraum und Science Fiction geweckt. Der Mann, der dafür die Grundlage geschaffen hat, wäre am heutigen Donnerstag 100 Jahre alt geworden: Eugene Wesley Roddenberry wurde am 19. August in El Paso, Texas, geboren.

Der spätere Drehbuchautor und Produzent war ein Mann der Widersprüche und der Inkonsequenz. Erzogen als gläubiger Baptist in den Südstaaten, lehnte er Religion später brüsk ab. So humanistisch und klassenlos das Leben in "Star Trek" war, so sehr jagte Roddenberry privat Geld und Luxus nach. Sein Leben machte so viele Wendungen durch wie Captain Kirk Stimmungsschwankungen in einer Episode. Biografien wie jene des "Star Trek"-Schöpfers sind heute nicht mehr möglich. Zum Glück für den Zustand der Welt und schade für die Kreativbranche.

Gene Roddenberry, Erfinder des "Star Trek"-Universums. - © picturedesk.com / mptv
Gene Roddenberry, Erfinder des "Star Trek"-Universums. - © picturedesk.com / mptv

Der Sohn eines Polizeibeamten wollte zunächst in die Fußstapfen seines Vaters treten, doch dann kam der Zweite Weltkrieg dazwischen. Er wurde Bomberpilot und flog 89 Einsätze auf der Boeing B-17 Flying Fortress. Das Kriegsjahr 1943 brachte zwei einschneidende Ereignisse für den jungen Piloten: Ein Crash mit seinem Flugzeug, den er überlebte (nicht der einzige in seinem Leben, insgesamt stürzte er dreimal ab). Und die Ehe mit seiner ersten Frau Eileen, mit der er zwei Kinder haben sollte. Die Ehe hielt nicht, auch weil sich eine Reihe von Affären wie ein roter Faden durch Roddenberrys Leben zog. Schon vor dem Start der Dreharbeiten von "Star Trek" Mitte der 1960er Jahre hatte Roddenberry eine Beziehung mit Majel Barrett wie auch Nichelle Nichols. Beide spielten Rollen in der Produktion, Letztere die des Nachrichtenoffiziers Uhura.

Letztlich machte Barrett das Rennen, Roddenberry und sie heirateten 1969 und er hatte mit ihr Sohn Rod, der ebenso im Filmbusiness landete. Majel Barrett sollte später in den meisten nachfolgenden "Star Trek"-Produktionen Auftritte haben. Im englischen Original verlieh sie dem Schiffscomputer ihre Stimme.

Heute undenkbar, hatte "Star Trek" 1966 einen holprigen Start. Der Sender bestellte das Material nur widerwillig. Aber Roddenberry, der nach einer kurzen Phase als Polizeibeamter als freier Autor werkte, blieb hartnäckig. Erst wurde eine Folge bestellt, dann eine weitere. Die erste fiel gnadenlos durch. Es wurde mehrfach umgeschnitten, nachgedreht und umbesetzt. Erst im zweiten Pilotfilm gaben Captain Kirk (William Shattner) und Mr. Spock (Leonard Nimoy) ihr Debut. Lediglich DeForest Kelley (Pille) blieb aus dem ersten Piloten übrig. Er und Roddenberry kannten sich schon von einer anderen Produktion, "333 Montgomery", die nach dem Pilotfilm nicht weiter verfolgt wurde. Nachdem die erste Staffel abgedreht war, stand schon bereits die Absetzung im Raum. Doch das Publikum wollte ihre Lieblinge nicht gehen lassen, konzertierte Briefkampagnen und sogar eine organisierte Demo hievten "Star Trek" durch drei Staffeln, bevor der Sender endgültig den Stecker zog.

Dann beschloss NBC, Kasse zu machen, und verkaufte die Rechte um die halbe Welt. Das führte dazu, dass "Star Trek" über viele Jahre praktisch überall lief. Erst das bildete die solide Grundlage für das Fandom, das bis heute nachwirkt. Nach bisher acht TV-Serien mit über 800 Episoden und mehr als einem Dutzend Filmen steht aber inzwischen fest: "Star Trek" ist ein Riesenerfolg.

Krankheit und Tod

Einen großen Teil dieses Welterfolges sollte Roddenberry nicht mehr persönlich miterleben. Schon im Laufe der Achtzigerjahre begannen jahrelanger Konsum von legalen und illegalen Drogen ihren Tribut zu verlangen. Nach mehreren Erkrankungen und einem Schlaganfall im Jahr 1989 war der Urvater des Science Fiction im Fernsehen auf einen Rollstuhl angewiesen und hatte sich schon zuvor schrittweise von der Produktion der Nachfolgeserie "Star Trek: Next Generation" (1987 bis 1994) mit Patrick Steward als Captain Picard zurückgezogen. Seine letzten Credits als Autor hatte er Mitte der ersten Staffel.

Es liegt ein auffälliger Bruch zwischen den ersten und letzten Staffeln von "Next Generation". Vor allem die erste Staffel kommt noch sehr in der Tradition der Sechzigerjahre daher. Fast scheint es so, als hätte man noch ein paar übrig gebliebene Scripts zweitverwertet. Erst nach Roddenberry, der einen Hang zu chaotischer Produktion hatte, schwang sich "Next Generation" zu dem auf, als was es uns heute in unserer Erinnerung ist.

Roddenberrys Abschied aus dem Leben war dramatisch und er hinterließ ein Erbe, das ebenso ungeordnet wie sein Leben war: Roddenberry verstarb am 24. Oktober 1991 an Herzversagen in der Praxis seines Hausarztes gegenüber dem Krankenhaus. Wiederbelebungsversuche waren nicht erfolgreich. Er hinterließ seiner Frau eine Stiftung. Seine Tochter focht das Testament an und in der Tat kamen Investitionen ans Tageslicht, die Roddenberry offensichtlich vor seiner ersten Frau verstecken wollte. Sein letzter Wunsch, ins Weltall zu reisen, wurde ihm erfüllt: Am 21. April 1997 beförderte eine Pegasus-XL-Rakete einen Teil seiner Asche in eine Erdumlaufbahn. Damit war Roddenberry einer der Ersten, die sich im Weltraum bestatten ließen. Die Kapsel verglühte 2004.

Roddenberrys lange Liste an Produktionen umfasst mehr als 40 Serien, wobei die meisten nicht über den Pilotfilm hinauskamen. Lediglich "The Lieutenant" schaffte 29 Folgen. Erst aus seinem Nachlass wurden weitere erfolgreiche Serien produziert, etwa "Andromeda", das es auf fünf Staffeln brachte, oder "Mission Erde", das 110 Folgen schaffte.

Das Prinzip Hoffnung

Dennoch hinterließ Roddenberry seinen Fans etwas viel Bedeutsameres als seine gesammelten Werke: Hoffnung. Das Serien-Universum des überzeugten Humanisten gilt noch immer als optimistisches Vorbild, immer auch eine bessere Gesellschaft der Zukunft zu zeigen. In den 60er-Jahren mit ihren Rassenunruhen und dem Kalten Krieg arbeitete bei "Star Trek" der Amerikaner Captain Kirk vertrauensvoll mit seinem russischen Navigator Pavel Chekov zusammen. Die afroamerikanische Schauspielerin Nichelle Nichols übernahm die Rolle der Lieutenant Uhura. Der erste Kuss eines Weißen und einer Schwarzen fand bei "Star Trek" statt.

Das dunklere und wohl etwas realistischere "Star Trek", wie es "Deep Space Nine" sieben Jahre nach dem Tod Roddenberrys zeigte - er hätte es wohl sofort relativiert. Dennoch kann man ihm zugutehalten, dass zahllose junge Menschen ohne Mr. Spock oder Scotty nicht Wissenschafter oder Ingenieur geworden wären. Sein optimistischer Blick auf die Zukunft lebt auch ohne ihn weiter, frei nach dem Motto: "Dahin gehen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist".