Die nächste Etappe der Neubesetzung der ORF-Führung geht in die entscheidende Phase. Am Donnerstag endet die Bewerbungsfrist für die vier zentralen Direktoren und neun Landesdirektoren. Diese werden am 16. September vom Stiftungsrat des Unternehmens bestellt. Über die meisten Favoritinnen und Favoriten für die Positionen herrscht bereits Klarheit, einiges liegt jedoch noch im Dunkeln.

Vier zentrale Direktorinnen und Direktoren sind dem neuen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann direkt unterstellt. Diesem Direktorium dürften aus heutiger Sicht drei Frauen angehören. ORFIII-Geschäftsführerin Eva Schindlauer dürfte Finanzdirektorin des ORF werden. Für die Programmdirektion holt man sich Verstärkung aus dem Privatfernsehen: Puls4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz gilt hier als Favoritin. Sie war lange Jahre in verschiedenen Funktionen im Programmbereich des ORF tätig, zuletzt bis 2017 als Ressortleiterin in der Fernsehunterhaltung des ORF. Die beiden Frauen sollen auf Vorschlag der Grünen ins ORF-Direktorium einziehen.

Die technische Direktion, die auch die umfassenden digitalen Agenden umfassen soll, wird dem Vernehmen nach der bisherige Chef des Gebühren-Inkassos (GIS) Harald Kräuter übernehmen. Bei der GIS wird ihm der bisherige Finanzdirektor des Hauses, Andreas Nadler, nachfolgen.

Für die Radio-Direktion gibt es mehrere Kandidaten. ORFIII-Chefredakteurin und langjährige ZiB-Moderatorin Ingrid Thurnher hat beste Chancen. Auch Ö3-Chef Georg Spatt hat sich beworben, nachdem er zuvor die Programmdirektion, die ihm von Weissmann angeboten wurde, abgelehnt hat. Auch Radio-Chefredakteur Hannes Aigelsreiter wird als Kandidat kolportiert.

Auch in den Landesdirektionen lichten sich die Nebel, wobei in einigen Ländern noch alles offen sein soll. Gedränge gibt es um den Posten in Wien: Radio-Innenpolitikchef Edgar Weinzettl sowie ORFIII-Geschäftsführer Peter Schöber sollen sich beworben haben. Auch Mitarbeiter des scheidenden Generaldirektors Alexander Wrabetz überlegen offenbar eine Bewerbung etwa ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann. Weiters hat sich die derzeitige Programmdirektorin Kathrin Zechner ins Spiel gebracht.

Länderkämpfe

In Niederösterreich gibt es mit Robert Ziegler einen klaren Favoriten. Offen scheint das Rennen indes im Landesstudio Burgenland. Dort werden der amtierende Landesdirektor Werner Herics, Chefredakteur Walter Schneeberger und "Burgenland heute"-Moderatorin Elisabeth Pauer als potenzielle Anwärter kolportiert. In Oberösterreich gilt Chefredakteur Klaus Obereder als gesetzt. In der Steiermark wird mit der Verlängerung von Gerhard Koch gerechnet, und in Kärnten könnte Karin Bernhard ebenso noch einmal verlängert werden.

In Salzburg dürfte es einen Wechsel geben. ORF-Magazin-Chefredakteurin Waltraud Langer soll das dortige Landesstudio übernehmen. Für Tirol wurden zuletzt in verschiedenen Medien "Tirol heute"-Moderatorin Sybille Brunner und Radio-Wirtschaftsressortleiterin Esther Mitterstieler genannt. Der Vorarlberger Landesdirektor Markus Klement wird wohl wiederbestellt. Allerdings wird es wohl einen Wechsel in der Chefredaktion des Landesstudios geben.

Damit ist der Reigen der Neubestellungen im ORF aber noch nicht beendet, denn auch in den Chefredaktionen und unter den Ressortleitern kommt einiges in Bewegung. Alleine durch die neue Struktur im multimedialen Newsroom kommen etwa vierzig Führungspositionen zur Besetzung, wobei es natürlich nicht in allen Funktionen zu einem Wechsel kommen wird.

Nachdem der neue ORF-Generaldirektor ein ausgewogenes Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften angekündigt hat, haben Bebachter einige Kandidatinnen für Führungsfunktionen auf der Rechnung, darunter die beiden stellvertretenden TV-Chefredakteurinnen Eva Karabeg und Claudia Lahnsteiner-Leitner sowie die derzeitige Journalechefin Gabi Waldner. Die langjährige Deutschland-Korrespondentin Birgit Schwarz kommt zurück nach Wien und wird genauso als Kandidatin für eine Leitungsfunktion gehandelt wie Julia Ortner (derzeit "Report").

Neues Gesetz schon 2021?

Der amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz wird den ORF mit Jahresende verlassen und den Chefsessel an Weißmann übergeben. Wie er in Interviews mit mehreren Medien sagte, arbeite er an keinem ORF-Comeback. Er wolle sich nun an ihn herangetragene Angebote ansehen, wobei er sich künftig weiterhin im Medienbereich verortet. Dabei stellte er eine Tätigkeit im Ausland in den Raum.

Schneller als gedacht könnte sich ein Problem lösen, das bisher ein wichtiges Zukunftsprojekt des ORF verhindert hat, die Player App, die wohl "ORF on" heißen wird. Sie wird erstmals alle Kanäle des ORF online bündeln. Eigene Bewegtbild-Inhalte für digital darf der ORF derzeit nicht erstellen. Diese unzeitgemäße Hürde könnte eine Novelle des ORF-Gesetzes beseitigen. Diese war für Herbst 2022 avisiert, könnte aber wohl Beobachtern zufolge noch heuer über die Bühne gehen. Allerdings könnte die Novelle auch andere Bereiche des ORF-Gesetzes betreffen, etwa die Gremien. Ob es darüber in der Regierung Konsens gibt, ist fraglich.

Weiters kommt noch im Herbst ein Antrag auf Neufestsetzung der GIS-Gebühren. Über diesen Antrag, den noch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stellen müsste, wird der Stiftungsrat entscheiden.

Was mit den Gegenkandidaten Weissmanns passiert, ist noch nicht klar. ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer wird wohl in ihrer Funktion bleiben, allerdings ist fraglich wie viele Kompetenzen wieder zurück in die momentan ziemlich zahnlose Programmdirektion kommen. ORF-Vize-Technikdirektor Thomas Prantner hat angekündigt, weiterhin im größten Medienunternehmen des Landes tätig zu sein. In welcher Funktion ist noch nicht klar, seine Position als Digitalchef des Unternehmens muss er jedenfalls räumen.