Vor einem Monat wurde Roland Weißmann mit großer Mehrheit zum neuen Generaldirektor des ORF bestellt. Diesen Donnerstag steht der Vizefinanzchef, der mit Jahresende sein Amt antritt, vor seiner ersten Bewährungsprobe. Am Donnerstag bestellt der ORF-Siftunsrat vier zentrale Direktoren und neun Landesdirektoren - auf Vorschlag des neuen Generaldirektors. Es ist jenes Team, mit dem Weißmann in der Geschäftsführung am meisten zu tun at.

Dennoch ist es nicht "sein Team" im engeren Sinne. Dazu reden zu viele Menschen bei der Bestallung mit. Allein bei jedem Landesdirektor muss ein Konsens mit dem Landeshauptmann gefunden werden, der sogar ein gesetzliches Anhörungsrecht hat. In der Realpolitik bedeutet das, dass die Entscheidung abzusprechen ist. Bei den zentralen Direktoren wiederum muss ein Konsens mit dem Stiftungsrat und daher mittelbar mit dem Bundeskanzleramt gefunden werden.

Von Puls4 zum ORF

Klar ist: Von den bisherigen Amtsinhabern wird bei den zentralen Direktoren keiner neuerlich bestellt. Fix scheint, dass ORFIII-Geschäftsführerin Eva Schindlauer neue Finanzdirektorin werden wird. Als Favoritin für die Programmdirektion gilt Puls4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz, selbst langjährige Mitarbeiterin in der Programmdirektion des ORF. Diese beiden Bestellungen finden auf Vorschlag der Grünen statt. Die Radiodirektion soll ORFIII-Chefredakteurin Ingrid Thurnher übernehmen. GIS-Chef Harald Kräuter wird als künftiger Technikdirektor gehandelt. Kräuter soll denn auch ein Wunsch von Raffeisen gewesen sein, die mit dem ORF zusammen die Sendergesellschaft ORS betreibt. Der bisherige Finanzdirektor Andreas Nadler könnte von Kräuter die GIS übernehmen. Bei den zentralen Direktorenposten zeichnet sich damit eine Erhöhung des Frauenanteils von derzeit 50 auf 75 Prozent ab. Auf Landesdirektorenebene dürfte der Frauenanteil von derzeit zwei auf drei bis vier Direktorinnen steigen.

Als fix gelten die Bestellung von Robert Ziegler in Niederösterreich, Klaus Obereder in Oberösterreich, Gerhard Koch in der Steiermark sowie Waltraud Langer in Salzburg. In Vorarlberg gilt Markus Klement als Favorit, daneben wurden mit Marion Flatz-Mäser und Angelika Simma-Wallinger auch zwei weibliche Kandidatinnen ins Spiel gebracht. Im Tiroler ORF-Landesstudio, das in den vergangenen Jahren durch interne Streitigkeiten auffiel, deutete zuletzt einiges auf Esther Mitterstieler.

Weinzettl für Wien?

Offen sind noch die drei SPÖ-regierten Bundesländer Wien, Burgenland und Kärnten. In Wien gilt Edgar Weinzettl als Favorit, beworben hat sich aber auch die derzeitige Programmdirektorin Kathrin Zechner. Sie hat auch eine Bewerbung für die Programmdirektion abgegeben. Im Burgenland dürfte die Entscheidung zwischen Elisabeth Pauer und Walter Schneeberger fallen.

Die Entscheidung über die Besetzung in Kärnten fällt ebenfalls auf den letzten Metern. Die amtierende Landesdirektorin Karin Bernhard - sie erreicht heuer das Regelpensionsalter und kann abschlagsfrei in Pension gehen - hat sich neuerlich beworben. Im Landesstudio gilt sie wegen ihres Führungsstils allerdings als umstritten. Aussichtsreiche Chancen auf den Posten werden deshalb dem amtierenden Technikdirektor Michael Götzhaber eingeräumt. Er hat sich für Kärnten und die Technikdirektion beworben, die er seit zehn Jahren leitet. Götzhaber kommt aus dem Kärntner Landesstudio und verfügt über einen guten Draht zum dortigen Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ).