Die 35 Damen und Herren des ORF-Stiftungsrates waren offensichtlich vom Vorschlag des designierten ORF-Generaldirektors Roland Weißmann begeistert. Mit 32 Stimmen bei drei Enthaltungen bestellten sie am Donnerstag die vier neuen zentralen Direktorinnen. Bei den Landesdirektorinnen und -direktoren war die Zustimmung dann fast einstimmig: 34 Stimmen bei einer Enthaltung ist das beste Ergebnis in der Geschichte des Stiftungsrates. Am Rande der Sitzung fielen sogar Worte wie "Begeisterung" und "Aufbruchsstimmung", wohl nicht nur weil erstmals in der Geschichte des Hauses eine Geschäftsführung bestellt wurde, die ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis aufweist.

Im zentralen Direktorium sind es nun drei Frauen und zwei Männer (Weißmann eingerechnet). ORFIII-Geschäftsführerin Eva Schindlauer wurde zur Finanzdirektorin bestellt, ORFIII-Chefredakteurin und ehemalige ZiB2-Moderatorin Ingrid Thurnher wurde Radiodirektorin. Puls4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz wurde zur Programmdirektorin bestellt und kehrt somit nach wenigen Jahren im Privat-TV in den ORF zurück. Harald Kräuter, bisher Geschäftsführer des Gebühreninkassos GIS, wurde zum Technikdirektor bestellt. Eine Personalie, die dem Vernehmen nach auch ein Anliegen von Raiffeisen war, das mit dem ORF über die Sendertochter ORS verbunden ist.

Die vier zentralen Direktoren kamen auf 32 von 35 Stimmen. Das entspricht über 90 Prozent Zustimmung. Dabei gab es keine Gegenstimme, nur drei Enthaltungen. Diese entfielen auf den FPÖ-Freundeskreis. Damit stimmten weit mehr Stiftungsräte für das Personalpaket als im August für Weißmann. Er kam mit türkis-grüner Unterstützung auf 24 von 35 Stimmen, wobei ihm auch mehrere Unabhängige und Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger ihre Stimme gaben.

In den Landesdirektionen kam es zu vier Verlängerungen und fünf Neubestellungen. So beziehen Werner Herics im Burgenland, Gerhard Koch in der Steiermark, Karin Bernhard in Kärnten und Markus Klement in Vorarlberg erneut die ORF-Landeschefsessel. An der Wiederbestellung Bernhards und Klements hat auch unlängst laut gewordene Kritik an deren Führungsstil nichts geändert. Neu an der Spitze eines Landesstudios sind mit 1. Jänner 2022 Edgar Weinzettl in Wien, Robert Ziegler in Niederösterreich, Klaus Obereder in Oberösterreich, Esther Mitterstieler in Tirol und Waltraud Langer in Salzburg.

Das Paket der Landesdirektoren kam im Stiftungsrat auf 34 von 35 Stimmen, es gab eine Enthaltung von der vom ORF-Zentralbetriebsrat entsandten unabhängigen Stiftungsrätin Christiana Jankovics. Sie hatte Kritik an Klement geübt.

"Teamfähigkeit gefragt"

Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises zeigte sich erwartungsgemäß erfreut: "Mehr als 90 Prozent Zustimmung im Stiftungsrat für das neue ORF-Team sprechen für sich. Nach einer klaren Zweidrittelmehrheit für Weißmann im August, ist diese große Bestätigung für sein Team ein großer Vertrauensbeweis und klarer Auftrag für einen modernen und starken ORF."

Für den designierten ORF-Generaldirektor Weißmann soll das neue zentrale Direktorium "abbilden und vorleben, was wir gemeinsam erreichen wollen". Alle von ihm vorgeschlagenen Damen und Herren seien "starke Persönlichkeiten, die fachlich etabliert sind und in den letzten Jahren Innovationskraft und Umsetzungswillen bewiesen". Entscheidend seien für ihn Professionalität und fachliche Kompetenz, Erfahrung in verschiedenen Bereichen des Hauses sowie die große Teamfähigkeit und Führungskompetenz jeder und jedes einzelnen gewesen. "Ich bin damit angetreten, dass der ORF weiblicher und jünger werden muss, und das ist mit diesem Team gewährleistet."

Newsroom-Umzug

Kritik am Bestellungsvorgang kam bereits am Donnerstagvormittag von den Neos. "Die Art und Weise, wie die neuen Direktorinnen und Direktoren ernannt werden, bleibt weiterhin höchst kritikwürdig, intransparent und von parteipolitischen Interessen geprägt", wurde Neos-Mediensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung zitiert. Sie fordert eine Abschaffung des im ORF-Gesetz vorgesehenen Anhörungsrechts der Landeshauptleute.

Weißmann hat die unter dem amtierenden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eingeführte Direktionsstruktur beibehalten. Eine Anpassung hat er in den Raum gestellt. Ausschlag könnte etwa der Abschluss der Besiedelung des derzeit in Bau befindlichen multimedialen Newsroom geben. Im Zuge dessen übersiedeln auch die für das Radio beschäftigten ORF-Mitarbeitenden auf den Küniglberg.

Nächster Schritt ist die Besetzung der zahlreichen teils wichtigen Führungspositionen im multimedialen Newsroom, die noch heuer erfolgen soll. Sie werden von Wrabetz in Absprache mit Weißmann bestellt.