Elisabeth Engstler ist aus der Österreichischen Musical-Szene nicht wegzudenken. Ab 24. September entführt sie ORF-III-Zuschauer hinter die Kulissen des glamourösen Bühnen-Business in der neuen "Kultur Heute"-Rubrik "Faszination Musical". Mit der "Wiener Zeitung" sprach sie darüber, was so reizvoll am Musiktheater ist und warum ein Blick hinter die Bühne wichtig ist.

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"Wiener Zeitung": Was macht für sie die "Faszination Musical" aus?

Lizzi Engstler. - © ORF III
Lizzi Engstler. - © ORF III

Lizzi Engstler: Das Musical hat mich von klein auf fasziniert, aber da war ich mehr Zuhörerin, Zuseherin. "Hair", "Jesus Christ Superstar" - das hat mich fasziniert. Als ich Musical studiert habe, habe ich gemerkt, was alles dahintersteckt, welches große Können. Der Tanz muss perfekt sein, das Schauspiel muss perfekt, der Gesang muss perfekt sein. Und dann kommen Dinge dazu wie unglaubliche Disziplin, eine Ausstrahlung, die auf der Bühne wirklich wichtig ist, damit das Musical zum Leben kommt. Das macht für mich die Faszination aus. Ich habe zwei Jahre im Raimund Theater in "I Am From Austria" gespielt und habe mir dieses En-suite-Spielen vorher gar nicht vorstellen können. Aber dadurch, dass die Darsteller und Darstellerinnen auch eine familiäre Beziehung zueinander haben, reißen die dich mit.

Musical hat immer Themen, die die Menschen im tiefsten Inneren berühren. Ich kann mich erinnern: Ich habe in "I Am From Austria" das "Liebeslied" von Rainhard Fendrich gesungen und das war für mich faszinierend, dass die Menschen unten das Taschentuch gezückt haben. Da habe ich gemerkt, die arbeiten jetzt etwas auf. Ich finde, Musical ist auch ein bisschen Therapie.

Warum braucht es ein Format wie "Faszination Musical"?

Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass die Zuseher, die ins Theater kommen auch schauen können: Wie schaut es denn dahinter eigentlich aus? Im Sinne von: Wie ist das Haus hinten? Was gibt’s da alles? Wie viele Menschen arbeiten eigentlich mit, dass so eine Produktion möglich ist? Aber auch dieses Dahinterblicken im Sinne von "Was macht diese Menschen aus, die da oben stehen? Wie sind die eigentlich so? Wie ist es bei denen zu Hause? Mit welchen Problemen gehen die um?" Ich finde, dieses Dahinterblicken bringt eine größere Verbundenheit.

Welche Erkenntnisse haben Sie mitgenommen aus "Faszination Musical"?

Dass wir alle die gleichen Probleme haben. Ich konnte mehr aus der Sicht der Musical-Darstellerin sehen. Wir kämpfen alle mit den gleichen Problemen, wir freuen uns alle über die gleichen Dinge. Und nur weil einer auf der Bühne steht und der andere derzeit unten - das ist eins.

Sie sagten "gleiche Probleme": Welche gibt es denn häufiger bei Musical-Darstellern?

Musical ist auch ein relativ gefährlicher Job. Ich kann das aus eigenen Erfahrungen sagen. Ich habe eine Narbe vom Knie bis hinunter zum Knöchel, weil ich im Raimund Theater mit dem Absatz von meinem High-Heel an einer Leiste hängengeblieben und die ganze Treppe von oben nach unten geflogen bin. Es ist gefährlich. Du musst dich jeden Tag wirklich gut aufwärmen. Du musst sehr achtsam sein auf einer Bühne, wenn sie zum Beispiel ein bisschen komplizierter aufgebaut ist. Du musst sehr auf deine Stimme und deinen Körper achten. Sonst kannst du diesen Hochleistungssport, der das ja ist, nicht machen. Es ist schon etwas, wo man wirklich sehr viel Achtsamkeit und Disziplin braucht, neben dem Talent, das man sowieso braucht.

Was wird sich nach der Pandemie am stärksten an der Musical-Szene in Österreich geändert haben?

Ich glaube, dass die Sehnsucht gleichgeblieben bis größer geworden ist. Die Sehnsucht, dass man einfach mit so etwas Schönem mitgenommen wird auf eine Reise, wo man selbst dann fröhlicher, energievoller wieder in den Alltag hinausgeht.