In der aktuellen Diskussionsrunde "Digitaler Humanismus - Transformation gestalten" stellten sich unter Moderation von Walter Hämmerle, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", drei führende Experten im Bereich Medien der Frage, vor welche Herausforderungen und Risiken die Menschheit durch die zunehmende Verbreitung künstlicher Intelligenz in den Medien gestellt wird.

Die Wissenschafter Margarete Jahrmann, Künstlerin und Leiterin der Experimental Game Cultures an der Universität für Angewandte Kunst, Fritz Hausjell vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und Gerfried Stocker, Geschäftsführer der Ars Electronica, widmeten sich nach der Begrüßung durch Wienbibliothek-Direktorin Anita Eichinger der Leitfrage des Abends: Ist der Mensch in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) noch Zauberer oder bereits Zauberlehrling?

Dabei stellten die Wissenschafter klar, dass es "die" KI gar nicht gibt. Jahrmann nutzte KI etwa für die Installation eines künstlichen neuronalen Netzwerks in ihrem Projekt "I Want To See Happy Monkeys". Auch Stocker betont, dass es wichtig sei, aufzuhören, über "die" künstliche Intelligenz zu sprechen "wie wenn das eine Bohrmaschine wäre, die man einsetzt". Die sprachliche Vereinfachung zementiere das Narrativ einer passiven Rolle der Menschheit im Prozess der KI. Der eigentliche Grund zur Furcht vor der KI sei nicht sie selbst, sondern Inkompetenz in der Anwendung. Angst ist, laut Jahrmann, aber kein guter Ratgeber. Nur im "aktiven Umgang erwirbt man Literacy" und darüber brauche es mehr Diskurs.

Fritz Hausjell verortet derweil eine ganz andere Gefahr bei der KI. Denn im Begriff Intelligenz impliziere auch, dass die Technologie etwas mit Fairness, Gleichberechtigung und Ermächtigung aller zu tun habe. Die Entscheidung über den Einsatz von künstlicher Intelligenz obliege aber vielmehr jenen, die an der Macht sind.

Lackmustest der Demokratie

Auch Stocker verortet bei der Frage um die KI einen "Lackmustest der Demokratie". Schaffe es die Demokratie nicht, die Menschen in Zeiten der KI weiter zu schützen, "schaut es düster aus". Schon jetzt befände sich die globale Marktmacht in den Händen einiger Weniger. Jahrmann betont daher, wie wichtig es sei, die Frage nach der Souveränität des Einzelnen im Diskurs zu halten. Sonst könnte die Verführung des Autoritären aufkommen, Souveränität abzugeben und in ein anderes Gesellschaftssystem überzutreten.

Für den Journalismus biete die KI derweil Möglichkeiten. Laut Hausjell stelle sich die Frage, ob der klassische Journalismus sich durch künstliche Intelligenz ein "Stück weit selber aus der Misere ziehen" könne. Gleichzeitig sehe der sich aber der Bedrohung einer Verdrängung von der Position der vierten der Macht gegenüber, in die ihn neue Digitalkanäle bringen. Diese Situation beschreibt Hausjell als Konsequenz eines aus den USA übernommenen Mediensystems, das polarisiert und zuspitzt. Für Stocker handelt es sich dabei um eine Situation, die man sich selbst zuzuschreiben habe. Restriktive Regulierungen der Öffentlich-Rechtlichen beim Einstieg in die digitale Welt seien nicht zuletzt mitverantwortlich. Der Ärger über Großkonzerne wie Google sei ihm in diesem Kontext unverständlich. Gleichzeitig zeigt er sich auch erfreut darüber, dass Europa langsam aufwache. Das rezenteste Beispiel sei die Eröffnung der Chipfabrik Infineon in Villach.

Trotzdem identifiziert Stocker eine große Herausforderung im Lichte der künstlichen Intelligenz: "Wir haben etwas unglaublich Schwieriges vor uns: Wir müssen eine Adaption und Neufassung unseres Menschenbilds für das 21. Jahrhundert vornehmen."