Angefangen hat alles mit einer privaten Sammelleidenschaft und einer gewissen Begeisterung für Familien- und Regionalgeschichte. Topothek-Gründer Alexander Schatek wollte sein eigenes Material wie Fotos und alte Postkarten in Ordnung bringen. Der Grafikdesigner ließ sich daher von zwei IT-Spezialisten eine Datenbank programmieren, in der es möglich war, die eingescannten Fotos sowohl geografisch als auch zeitlich zu verorten sowie mit Schlagworten zu versehen. Die Idee kam auch bei Freunden gut an. Die Vize-Bürgermeister der Gemeinde Breitenstein am Semmering griff die Idee auf und gründete 2010 in ihrer Gemeinde die erste Orts-Topothek.

Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Dank der Eingliederung in das Archivnetzwerk Icarus wurde aus den österreichischen Regional-Datenbanken rasch eine internationale Plattform. Am 9. September wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht: Das einmillionste Dokument wurde eingestellt - ein "Heimatschein" von 1924 aus der Weinviertler Gemeinde Poysbrunn.


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Topothek - Online Archiv mit lokalhistorisch relevantem Material und Wissen

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Neben der Recherche von reinen Daten liefert die Topothek sozusagen ein ergänzendes Bild: Dass eine Familie keine Bilder der Urgroßeltern oder von deren Hof hat, muss ja nicht heißen, dass nicht einmal Fotos gemacht wurden, auf denen die Personen oder Orte zu sehen sind. Diese schlummern oft in irgendwelchen Laden oder gar dem Dachboden. Da setzt die Topothek an. Sie bildet sozusagen eine Online-Sammelstelle für Zeugnisse eines Ortes. Nach denen jeder suchen und sie herunterladen kann.

200 freiwillige Topothekare

"Der niederschwellige Zugang und die einfache Bedienbarkeit der Datenbank war mir von Anfang an ein Anliegen", sagt Schatek. "Es geht nicht darum, Geschichtswissenschaft in einem elitären Sinn zu betreiben, sondern jedermann den Zugang zu historischen Daten unkompliziert und kostenfrei zu ermöglichen." Niederösterreich erkannte als erstes Bundesland die Wichtigkeit der Topothek und machte sie 2016 zum Landesprojekt.

Für Schatek spielt ein weiterer Punkt eine wesentliche Rolle: die Sicherung des privaten kulturellen Erbes. "Öffentliche Archive haben keinen Sammelauftrag, was private Dokumente betrifft. Um dieses Material zumindest digital zu retten, wird die Topothek in lokalen Einheiten eingesetzt", erklärt Schatek. Vieles, das durch die Topothek gesichert wird, würde ansonsten im Mistkübel landen, sagt der Gründer und fügt hinzu: "Eine Entscheidung, was historisch interessant ist, bleibt subjektiv. Daher ist zu trachten, möglichst viele historische Belege zu sichern, zu digitalisieren, zu erschließen und zugänglich zu machen. Auch das Kinderfoto am Gartenzaun aus 1976, weil das Herz daran hängt und Erinnerungen lebendig werden lässt."

Verloren gegangen wäre wohl auch der Poysbrunner Heimatschein, den Anton Jilli, der örtliche Topothekar als einmillionstes Objekt einscannte, beschriftete und öffentlich zugänglich machte. "Ich habe Kiste von Dokumenten und alten Bildern aus einer Verlassenschaft hier im Ort übernommen", erzählt der pensionierte Finanzbeamte. Jede Woche stellt der 80-jährige neue spannende Fotos und Dokumente in die Datenbank und kann dabei beobachten, wie diese im Netz abgerufen werden. "Einmal hat mich sogar eine Frau aus Mexiko angerufen, um mir mitzuteilen, dass sie ihre Schwester auf einem Foto erkannt hat." Die Topothek führe auch dazu, dass sich die Leute im Ort viel mehr untereinander austauschen.(bau)