Der Haltung und Ausrichtung traditioneller wie neuer (parteinaher) Medienunternehmen ist bei den Österreichischen Medientagen ein kleiner Schwerpunkt gewidmet worden. Dabei kristallisierte sich am Donnerstagnachmittag am Erste Campus in Wien heraus, dass wechselseitig mehr Transparenz hinsichtlich Finanzierung und Eigentümerstrukturen auf dem Wunschzettel der Diskutantinnen und Diskutanten steht.

Dass Haltung zu zeigen für traditionelle Medienhäuser prinzipiell wünschenswert sei, stieß auf Zustimmung bei einer aus Vertretern etablierter Medien bestehenden Runde. Wichtig sei jedoch, diese Haltung klar zu kommunizieren, sagte Katarzyna Mol-Wolf, Geschäftsführende Gesellschafterin des "Inspiring Networks", das sich etwa die Unterstützung von Frauen auf die Fahnen geheftet hat. Die "Kronen Zeitung" will dagegen "Menschen ermächtigen, die Welt zu verstehen", wie deren Geschäftsführer Gerhard Valeskini erklärte. Und wenn ein Kolumnist gegen so manche Kampagne der "Kronen Zeitung" anschreibt? "Die Vielfalt der Meinungen zuzulassen, ist im Redaktionsstatut verankert und mitverantwortlich für den Erfolg der Zeitung", so Valeskini.

Wolfram Weimer, Verleger der Weimer Media Group, mahnte, Haltung als journalistischen Wert zu verteidigen. Dabei dürfe man Journalismus nicht mit einer NGO verwechseln, wie es häufig beobachtbar sei. "Am Ende ist der Journalist der Freund einer aufklärerischen Haltung und nicht einer ideologischen Vorprägung", so Weimer.

Eine politische Agenda zu haben, stritt Claus Reitan, der den ÖVP-Polit-Blog "Zur Sache" betreibt, ab. "Wir haben eine publizistische Agenda", meinte er. Dabei gebe man Sachverhalte wieder und lege Quellen offen. "Ihr seid der verlängerte Arm der ÖVP-Parteizentrale. Ich habe kein Problem damit, aber dass mit klassischem Journalismus in Verbindung zu bringen geht nicht", sagte Michael Jungwirth, stellvertretender Chefredakteur der "Kleinen Zeitung". Das Revival der Parteizeitungen im digitalen Raum sei "interessant", doch bringe es etablierte, traditionelle Medien unter Druck, befand Jungwirth. "Wir müssen deren Geschichten dekonstruieren, wenn sie teilweise von anderen Medien übernommen oder auf Twitter geteilt werden", so der stellvertretende Chefredakteur.

Exxpress.at will nicht parteinah sein

Parteinähe des Onlinemediums exxpress.at weist deren Herausgeberin Eva Schütz-Hieblinger, die einst im Kabinett von ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger arbeitete und deren Mann 2017 und 2018 als ÖVP-Großspender aufscheint, "explizit" zurück: "Wir haben eine Weltanschauung, aber deswegen nicht Parteinähe." Man verstehe sich als bürgerliches, liberales Medium, das eine wirtschaftsfreundliche Aufbruchstimmung erzeugen wolle - was sich auch deren Investoren erwarten, so die exxpress.at-Herausgeberin.

Patricia Huber, Chefredakteurin des vom SPÖ-Parlamentsklub betriebenen Onlinemedium kontrast.at, nimmt für sich nicht in Anspruch, Journalistin zu sein. Sie sehe sich als "politische Aktivistin". Mit dem Medium versuche man, eine publizistische Leerstelle zu füllen. Schließlich weise der traditionelle Mediensektor einen "bürgerlichen Überhang" auf. Meinungsvielfalt weise kontrast.at "in einem gewissen Spektrum" auf.

Barbara Blaha, Leiterin und Gründerin des Momentum Instituts und Herausgeberin des "Moment Magazins" sah als wichtige Abgrenzung zu kontrast.at, das kein Geld von Parteien genommen werde. Das Magazin solle die Perspektive der "ganz normalen Leute" aufzeigen, die in herkömmlichen Medien häufig nicht zu finden sei. Dabei arbeite man auf Basis journalistischer Sorgfaltspflicht und gehe transparent mit Finanzen um.

Puls 4-Infochefin Corinna Milborn stieß sich daran, dass bei den neuen parteinahen Plattformen sowie Parteimedien für die Rezipientinnen und Rezipienten nicht sofort klar sei, wer dahinter stehe. "Sie müssen das einfach klarer machen", forderte sie. Blaha entgegnete, dass es verschiedene Formen der Abhängigkeit gebe. "Man kann von Parteien, Werbekunden oder so wie in unserem Fall von Spenden abhängig sein. Den Transparenzanspruch sollte man nicht nur bei Parteimedien anlegen", meinte die "Moment"-Herausgeberin.

"Sich nicht ständig ins Grab reden"

Auch der bereits seit vielen Jahren geführten Debatte, ob denn Print nun tot sei und wenn nein, wann es soweit ist, wurde bei den Österreichischen Medientagen Platz eingeräumt. "Wir sollten aufhören, uns ständig selbst in Grab zu reden", plädierte Andreas Wrede, Chefredakteur des deutschen "Max Magazin". Wenn man weiterhin Geschichten authentisch und aufrichtig erzähle, werde man auch in Zukunft in gedruckter Form noch gelesen. Eine Stärke des Printmarkts sei, sich in Nischen verschiedenster Art festzusetzen, so der Chefredakteur. "Der Printmarkt saß zu lange auf hohem Ross", gestand Wrede aber ein. Da müsse er runter, den Markt analysieren und sich diversifizieren.

Andreas Kornhofer, Herausgeber und Geschäftsführer von Red Bull Media House Publishing, macht sich trotz aller Veränderungen am Markt keine Sorgen: "Wir haben bei 'Servus in Stadt & Land' einen Abohöchststand und schöne Wachstumszahlen." Nötig sei, Print nicht isoliert zu sehen. "Wir denken in Markenwelten", erklärte Kornhofer. Als wesentlichen Punkt - nicht nur für die Printbranche - erachtete er den Umstand, in einer übermedialisierten Gesellschaft zu leben. "Du gewinnst, wenn du unverwechselbar bist. Das ist der Schlüssel", verriet der Herausgeber. (apa)