Kommende Woche Mittwoch feiert Wolfgang Fellner seinen 67. Geburtstag. Ob der umstrittene Medienmacher dabei viel Feierlaune haben wird, sei dahingestellt. Ist es doch die Mediengruppe "Österreich", die seiner Familie gehört und die zuletzt mit Korruptionsvorwürfen überschüttet wurde. Das Geschäftsmodell, wie von der Staatsanwaltschaft insinuiert: Gute Berichterstattung für gutes Geld. "Österreich" also als "Kaufzeitung" im wörtlichen Sinne? Fellner bestreitet das, und es werden wohl erst die Gerichte klären müssen, wer recht bekommt.

Wolfgangs knapp zwei Jahre jüngerer Bruder Helmuth Fellner hat den 66. Geburtstag bereits im August hinter sich gebracht. Er gilt als der Finanzmotor hinter den zahllosen Gründungen des aus Salzburg gebürtigen Brüderpaares. Während Polterer Wolfgang Fellner kaum einen öffentlichen Auftritt auslässt, scheut sein als besonnen und analytisch geltender Bruder das Licht der Öffentlichkeit. Trotzdem er einer der wichtigsten Medieneigentümer des Landes ist, gibt es bis heute nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag.

Die Liste der Gründungen der beiden Brüder ist lang und sie geht bis in die Teenager-Jahre in Salzburg zurück. Noch als Oberstufenschüler gründeten sie den "Rennbahn Express", benannt nach dem Standort der Schule. Mit einfachsten Mitteln hergestellt, schwang sich die die Postille schnell zum Fixpunkt im Jugendsektor auf. Später gründeten sie "Basta" (an den deutschen "Stern" angelehnt) und "News".

Der Modus operandi der Brüder war stets ähnlich: Medien gründen, mit viel Marketing hochpushen und dann (möglichst am Zenit) verkaufen. Das klappte beim "Rennbahn Express" und bei "Basta". Die Verlagsgruppe News wurde letztlich von Gruner+Jahr aus Hamburg gekauft, noch bevor die Anteile dank der Medienkrise nur noch wenig Wert hatten. Auch im Privatradiosektor versuchten sich die Brüder. "Antenne Wien", in den 1990ern als direkter Angriff auf Ö3 geplant, erwies sich jedoch rasch als Ladenhüter. Lange dümpelte der Sender an der Wahrnehmungsgrenze herum, die Fellners sammelten unverdrossen Lizenzen, die sie gewinnbringend in ein österreichweites Radio gossen.

Verkauft am Höhepunkt

Nachdem der "Rennbahn Express" und "Basta" verkauft waren, begaben sich die Fellners in die USA, wo laut eigenen Angaben der "Traum von ‚News‘" geboren wurde. 1992 war es dann so weit: "Jetzt kommt ‚News‘" hieß es ab diesem Zeitpunkt wöchentlich, als die Fellners ihr Konzept von "sechs Magazinen in einem Heft" verwirklichten. Und das Vorhaben ging auf: Sowohl bei der Werbewirtschaft als auch bei den Lesern wurde "News" zum Erfolg - und Ausgangspunkt für die Verlagsgruppe News (VGN).

Die übliche Geschäftsgebarung der Brüder war so ungewöhnlich, dass sie einen eigenen Namen bekam: "Fellnerismus", die komplette Kommerzialisierung des Journalismus, wobei hier Texte nicht im Vordergrund staden, sondern vielmehr als "Anzeigen-Surrounding" wahrgenommen wurde. Das Konzept ging auf: Mitte der 1990er folgte "tv-media", 2000 erschien erstmals "e-media" und im Jahr darauf schließlich "Woman".

Heute umfasst die VGN mehr als ein Dutzend Titel. Für Aufsehen sorgte 1998 die Gründung von "Format", was in der "Mutter aller Magazinschlachten" mündete: Als Kampfansage an "profil" wurde das Feld mittels Gutscheinen, Gratisexemplaren und Geschenken beackert. Am Ende stand die - bis heute - umstrittene Fusion der News-Gruppe und des trend-profil-Verlags. Die erbitterten Konkurrenten fanden sich unter einem Dach wieder. Das war durch den Verkauf der Mehrheit der Anteile an der VGN vom Tisch. Helmuth Fellner verwaltet noch die Restbestände am einst stolzen, wenngleich von der Medienkrise doch arg gebeutelten Flaggschiff.

2006 gründete Wolfgang Fellner "Österreich" mit einer Druckauflage von 250.000 Stück und nach dem Vorbild der "USA Today". 2016 entdeckte Fellner das Fernsehen für sich. Im Ableger "oe24.tv" tritt der wortgewaltige Medienmacher auch selbst auf.

Vorwürfe von Frauen

Wolfgang Fellners kolportierte ruppige Art im Umgang mit Mitarbeitern, bei der auch harte Worte an der Tagesordnung stehen sollen, rückte zuletzt in den Hintergrund. Die früheren "oe24.tv"-Moderatorinnen Raphaela Scharf und Katia Wagner hatten sich vor mehreren Monaten mit Vorwürfen sexueller Belästigung gegen Fellner an die Öffentlichkeit gewandt. Der Medienmacher bestritt die Vorwürfe vehement und sprach von "Rufmord". Er kam mit einer Bildschirmpause einem Boykott zuvor. Gerichtsverfahren sind anhängig.

Zwei seiner vier Kinder mit Ex-Frau Uschi Fellner arbeiten heute in der Mediengruppe. Fellner ist seit 2020 in zweiter Ehe mit "oe24"-Geschäftsführerin Tamara Fellner verheiratet.