De facto unbemerkt von der Welt der Kunst und Literatur in Österreich verstarb am 23. September in Wien der österreichische Schriftsteller und Kunsthistoriker Wolfgang Georg Fischer.
Er war als Experte der klassischen Moderne bekannt und anerkannt. Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka waren sein Spezialgebiet.

Wolfgang Georg Fischer war Präsident und Ehrenpräsident des Pen Clubs. 
- © APA / Hans Techt

Wolfgang Georg Fischer war Präsident und Ehrenpräsident des Pen Clubs.

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Fischer war eine der großen intellektuellen Gestalten der Zweiten Republik, deren Schicksal durch ihre jüdische Herkunft bestimmt war. Sein Vater war Jude und entstammte einer prominenten Familie, die vor dem Zweiten Weltkrieg die Buchhandlung Frick besaß. Sein Großvater war ein angesehener Rechtsanwalt und fungierte als Vertrauensanwalt der jüdischen Kaufmannschaft in Wien. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten im März 1938 flohen die Fischers nach Jugoslawien. Der Vater konnte noch rechtzeitig nach England emigirieren, galt zuerst als "alien enemy" und konnte später der britischen Armee beitreten, um gegen Nazideutschland zu kämpfen.

Galerist, Schriftsteller und Kunsthistoriker

Da Fischers Mutter keine Jüdin war und Fischer nach den Nürnberger Rassengesetzen vom 15. September 1935 als Halbjude galt, war er durch seine nichtjüdische Mutter geschützt. Mutter und Sohn kehrten 1940 nach Wien zurück, wo Fischer seine schulische Ausbildung erhielt und nach dem Krieg promovierte. Sein Vater hatte gemeinsam mit einem Freund in London die bedeutende Kunstgalerie Marlborough Fine Art gegründet. Diese Galerie erlangte ein internationales Renommee, und Fischer arbeitete jahrzehntelang in der väterlichen Galerie.

Als Schriftsteller und Kunsthistoriker machte sich Fischer einen Namen, wurde Präsident und Ehrenpräsident des Österreichischen Pen Clubs und war Mitinitiator eines Denkmals vor dem Kunsthistorischen Institut in Wien, das an die vertriebenen und ermordeten jüdischen Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen erinnerte. 70 dieser Menschen wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Fischer war mit Ulrich Weinzierl, dem Sohn der verstorbenen Doyenne der Zeitgeschichte, Erika Weinzierl, befreundet. Für Weinzierl ist es unfassbar, dass seitens der österreichischen Kunst- und Literaturwelt bis dato keine Ehrung und Würdigung der Person seines Freundes Fischer erfolgt ist. Üblicherweise gilt: Erst nach dem Tode werden bedeutende Menschen von der Nachwelt geehrt. Möglicherweise wird  Weinzierls Protest darüber, dass Fischers Tod in Österreich unbemerkt bliebt, eine solche posthume Würdigung initiieren und provozieren.